Ärger am Klinikum Großhadern Jetzt redet der Klinik-Chef

Burkhard Göke ist der Ärztliche Direktor des Uni-Klinikums Großhadern und Vorsitzender des Vorstands. Foto: privat

Nach Vorwürfen gegen den Kaufmännischen Direktor: Der Vorstands-Vorsitzende des Uni-Klinikums Großhadern im AZ-Interview über abfällige Äußerungen und sinkende Einnahmen

MÜNCHEN Mehr als 10000 Mitarbeiter, über 2000 Betten, fast 80000 stationäre Patienten im Jahr – das Uni-Klinikum Großhadern ist ein medizinisches und wirtschaftliches Schwergewicht in unserer Stadt. Seit geraumer Zeit gibt es Unruhe im Klinikum der LMU, das auch die Innenstadtkliniken umfasst. Im Mittelpunkt der zum Teil anonymen Vorwürfe: der Kaufmännische Direktor und Vorstandsmitglied Gerd Koslowski. Er verbreite „ein Klima der Angst und Verunsicherung”.

Das Wissenschaftsministerium bestätigte der AZ, dass weiterhin Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Untreue gegen Koslowski laufen – er könnte unter anderem durch den nicht sachgemäßen Einsatz von Personal Geld verschwendet haben.

Seit vergangener Woche wird in München die Klage einer Klinikums-Mitarbeiterin verhandelt. Die gebürtige Kroatin wirft Koslowski vor, sich ausländerfeindlich geäußert zu haben. Die 52-Jährige wurde vom Klinikum zudem abgemahnt, nachdem sie sich im Vorermittlungsverfahren gegen Koslowski gegenüber der Polizei geäußert hatte.

Gerd Koslowski stand der AZ nicht für ein Interview zur Verfügung. Aber Prof. Dr. Burkhard Göke, Ärztlicher Direktor und Vorsitzender des Vorstands bezieht Stellung zu den Vorwürfen und stellt die personelle und finanzielle Lage des Klinikums dar.

AZ: Herr Professor Göke, eine Mitarbeiterin des Klinikums wurde in einem Vorermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft befragt – und nachher wegen dieser Aussagen abgemahnt. Diese Praxis finde ich verwunderlich.

BURKHARD GÖKE: Das Klinikum hat das Recht auf Akteneinsicht. Und wenn darin abenteuerlich-falsche und ehrenrührige Vorwürfe gemacht werden, musste eine Aktion erfolgen. Zudem ist daran erkennbar, dass hier eine tiefgreifende Störung des Vertrauensverhältnisses zwischen Mitarbeiter und Vorgesetztem vorliegt.

Wenn Zeugen wegen einer Aussage bei der Polizei um ihren Job fürchten müssen, erschwert das die Arbeit der Ermittler enorm.

Es ist ja keine Kündigung ausgesprochen worden. Die Mitarbeiterin wurde vom Kaufmännischen Direktor auf ihre Aussage hingewiesen – wir haben gehofft, dass sich danach wieder ein tragfähiges Arbeitsverhältnis entwickeln kann.

Es steht der Vorwurf im Raum, der Kaufmännische Direktor hätte sich ausländerfeindlich geäußert.

Das ist ein abenteuerlicher Vorwurf. Ich war bei diesem konkreten Gespräch nicht dabei – ich kann nur von meinen Erfahrungen berichten: Ich habe zahlreiche Belege dafür, dass es da kein grundlegendes Problem geben kann.

Seine abfällige Äußerung über den Dekan der Fakultät „Will der uns anpissen?” hat Koslowski nie dementiert.

Ich habe diesen Satz nie von ihm gehört. So eine Wortwahl könnte ich mir allerhöchstens im Scherz im Rahmen unserer fußballerischen Diskussion vorstellen – Herr Koslowski ist Bayern-, ich bin Schalke-Mitglied.

Seit einem halben Jahr sprechen Mitarbeiter von einem „Klima der Angst und Verunsicherung”. Stellen Sie das auch fest?

Nein, ich stelle das nicht fest. Wenn es wirklich solche grundsätzlichen Probleme gäbe, hätten mich die Mitarbeiter auch darauf angesprochen.

Sie bauen nicht nur hier in Großhadern viel um, sondern auch intern, beim Personal. Könnte das ein Grund für die Verunsicherung sein?

Das kann sein. Es ist natürlich so, wenn sie Abläufe und Organisationsformen verändern, dass es nicht nur Gewinner, sondern auch Verlierer gibt. Ich kann nicht ausschließen, dass sich einige von denen ungerecht behandelt fühlen.

Es steht der Vorwurf der Untreue im Raum – zum Teil dadurch begründet, dass Leute keine oder nur noch sehr wenig Arbeit zugewiesen bekommen haben. Kann sich das Klinikum das leisten, solche Mitarbeiter aufs Abstellgleis zu schieben?

Diese Vorwürfe sind nicht zutreffend. Ein Beispiel: Eine Person, die das angeblich betreffen soll, hat sich bei mir auch schon über Überlastung beklagt. Ob etwa ein Beamter angemessen beschäftigt wird, wird vor dem Verwaltungsgericht geklärt - und daran werden wir uns halten. Dass man den einen oder anderen Fall gerichtlich klären muss, finde ich normal.

Den zweiten Teil des Interviews lesen Sie in der Wochenendausgabe der AZ auf Seite 15.

 

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