Accademia di Santa Cecilia Rom Wenn die Bogenhaare reißen

Die niederländische Geigerin Janine Jansen und der Dirigent Antonio Pappano messen (scherzhaft) ihre Kräfte. Foto: Felix Broede

Antonio Pappano, Janine Jansen und die Accademia di Santa Cecilia mit Mendelssohn und Schumann im Gasteig

 

Bei den Wiener Philharmonikern hängt für Notfälle immer eine Geige am zweiten oder dritten Pult.  Janine Jansen hätte das im Gasteig allerdings auch nicht geholfen. In den letzten Takten des Violinkonzerts von Felix Mendelssohn Bartholdy verfingen sich lose Haare des Bogens in den Stimmschrauben des Instruments und rissen bald den Rest nach. Und da man auf dem blanken Holz schlecht streichen kann, fielen ganz zuletzt ein paar Noten unter den Tisch. Und eine Zugabe konnte die Geigerin auch nicht spielen.

Davor spielte Janine Jansen sehr klar und strahlend, wenn auch mit einem für die geigenfeindliche Philharmonie etwas zu kleinen Ton. Die lyrischen Passagen kostete sie durch eine Verlangsamung des Tempos etwas zu sehr aus. Aber sie wurde vom Orchestra dell’Accadmia Nazionale di Santa Cecilia unter Antonio Pappano exemplarisch begleitet, die klar und deutlich an der Grenze zwischen lichtem Klassizismus und romantischem Feuer spazierte.

Noch ein denkbarer Jansons-Nachfolger

Zur Einstimmung gab es Ludwig van Beethovens „König Stephan“ – die kleine Schwester der „Egmont“-Ouvertüre, die Pappano mit schlankem Brio interpretierte. Als symphonisches Hauptstück folgte nach der Pause Robert Schumanns Symphonie Nr. 1, die „Frühlingssymphonie“. Wer Pappano und der Accademia di Santa Cecilia zuhört, käme nie auf die Idee, dass Schumanns Orchesterwerke wegen ihrer kompakten Instrumentierung umstritten sind. Der Dirigent schürt die Glut, das Orchester setzt die Emotionalität der Musik schlank, virtuos und bläserbetont knackig um. Das Allerschwierigste, der symphonische Glanz und Optimismus, gelingt ganz besonders.

Pappano haben wir bei unserer Auflistung möglicher Jansons-Nachfolger beim BR-Symphonieorchester vergessen, weil er schon die Staatsoper nicht wollte. Mit Rom und Covent Garden scheint er voll ausgelastet. Aber man soll bekanntlich die Hoffnung nie aufgeben. 

 

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