Absturz der Germanwings-Maschine Der Cockpit-Bunker als Todesfalle

Blick ins Cockpit eines Airbus 320. Kleines Bild: die gepanzerte Tür. Foto: dpa

Seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 gibt es besondere Schutzmaßnahmen in den Cockpits der Airlines. Ausgerechnet die sind nun fatal gewesen für Germanwings-Flug 9525. Die Hintergründe.

 

München, Berlin - Das Cockpit jedes Flugzeugs soll vor allem eines sein: sicher. Genau das hat auch dazu geführt, dass Andreas L. 149 Menschen mit sich in den Tod reißen konnte. Wie sich der Co-Pilot dort verschanzen konnte, wie das Cockpit gesichert ist und warum der Notfall-Mechanismus nichts half:

Wie sind die Türen zum Cockpit gesichert?

Seit dem Terroranschlag am 11. September 2001 werden die Türen besonders gesichert, um mögliche Terroristen vor dem Eindringen zu hindern. Deswegen werden sie auch „Post-9/11-Türen“ genannt. Sie sind gepanzert, haben eine Dreifachverriegelung und sind zudem schusssicher. Jede Airline hat dabei eigene Regelungen. Diese extrem sicheren Stahltüren bedeuten aber auch: Der Versuch des zweiten Piloten, die Tür einzutreten, war völlig aussichtslos.

Gibt es eine Videoüberwachung?

Drei Kameras zeigen der Besatzung nach Airbus-Angaben, wer ins Cockpit kommen will. Der Unglückspilot wusste also, dass sein Kollege angeklopft hatte.

Reicht der richtige Code zum Einlass?

Das Cockpit ist zudem mit einem siebenstelligen Sicherheitscode gesichert, wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Donnerstag bei der Pressekonferenz erklärte. Den kennen sowohl die Piloten als auch die Kabinencrew. Dieser wird über ein kleines Terminal eingegeben. Der richtige Code allein reicht nicht: Der Pilot im Cockpit muss den Einlass bestätigen.

Wie kann der Pilot von innen zusperren?

Es gibt drei Einstellungen: „Norm“ bedeutet, es muss der Sicherheitscode eingegeben werden. Erteilt der Pilot Einlass, drückt er den Hebel auf „Unlock“ (offen). Die Tür versperrt er, indem er auf „Lock“ schaltet.

Kann die Tür im Notfall von außen geöffnet werden?

Lufthansa-Chef Spohr erläuterte, dass es für den Notfall einen Sicherheitsmechanismus gibt: Dafür ist von außen ein spezieller Code einzugeben – kommt keine Antwort, öffnet sich die Tür. Das passiert mit einer Zeitverzögerung von wenigen Sekunden bis Minuten. Die Tür ist dann für wenige Sekunden geöffnet. Dieser Mechanismus ist für den Fall gedacht, dass der Pilot im Cockpit das Bewusstsein verloren hat.

Geht die Tür im Notfall immer auf?

Der Kollege im Cockpit kann aber auch diese Notfall-Programmierung blockieren. Das bedeutet: Die Tür ist von außen unmöglich zu öffnen, wenn es der Pilot innen nicht zulässt.

Wer darf ins Cockpit?

Nur ausgebildete Piloten haben die Erlaubnis, das Cockpit zu betreten, wie der Lufthansa-Chef erklärte.

Der Pilot hat seinen Kollegen allein gelassen – darf er das?

Ja, es ist erlaubt, dass einer der beiden den Bereich für kurze Zeit verlässt. Aber erst, wenn die Arbeitsbelastung für den anderen am geringsten ist. Das hatte der Pilot beim Unglücksflug auch eingehalten: Als die normale Flughöhe erreicht war, verließ er das Cockpit, um auf die Toilette zu gehen. Er übergab das Kommando an seinen Kollegen.

Muss diese Regelung überdacht werden?

Nach dem Schock über die bisherigen Erkenntnisse zum Absturz der Germanwings-Maschine mit 150 Toten ziehen die größten deutschen Fluggesellschaften Konsequenzen. Sie wollen die Zwei-Personen-Regel im Cockpit einführen. Auch zahlreiche ausländische Airlines erwägen dies.

Wie kann dann ein labiler Pilot ins Cockpit gelangen?

Wie in jedem Beruf gibt es auch in der Fliegerei immer noch ein gewisses Restrisiko durch Menschen, die es trotz härtester Auswahlverfahren ohne die nötige Eignung ins Cockpit geschafft haben könnten.

 

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