Abi-Durchschnitt Münchens Gymnasien im Noten-Test

Ganz vorne landeten in diesem Jahr das Wilhelmsgymnasium (2,03), das Karlsgymnasium (2,00) und das Maximiliansgymnasium (2,00). Foto: Gregor Feindt/Daniel von Loeper/Martha Schlüter

Wie haben Münchens Schulen bei den diesjährigen Abitur-Prüfungen abgeschnitten? Die AZ hat nachgefragt und festgestellt: Die Hälfte der Schulen hält ihre Durchschnitts-Note geheim.

München – Wo sind die besten Schulen, wo gibt’s heuer die besten Abitur-Noten in der Stadt? Gar nicht so einfach, das herauszufinden. Die AZ hat alle Münchner Gymnasien abgefragt – und stieß nicht überall auf Kooperationsbereitschaft.

Susanne Arndt ist erstaunt. „Offensichtlich läuft es in München nicht so gut wie in anderen Regionen Bayerns.“ Die Vorstandsvorsitzende der Landes-Eltern-Vereinigung der Gymnasien in Bayern wundert sich darüber, dass viele Schulleiter an Münchens Gymnasien nicht gewillt sind, den Abiturschnitt ihrer Schule preiszugeben: „Außerhalb Münchens sind die Direktoren stolz auf diese Ergebnisse“, sagt Susanne Arndt.

Nicht so in der Landeshauptstadt. Während man beim Kultusministerium (noch) an die Schulen verweist, gibt es von den Schulleitern selbst häufig nur eine Standard-Stellungnahme: „Darüber wollen wir keine Auskunft geben.“ Lediglich 24 von 50 Gymnasien zeigten sich bei unseren Recherchen hilfsbereit. Teilweise reagierten die Sekretärinnen oder Schulleiter regelrecht pampig mit dem Nachsatz: „Was geht Sie das eigentlich an?“

In der Übersicht auf dieser Seite finden sich deshalb nur diejenigen Bildungseinrichtungen, bei denen der Abitur-Schnitt bekannt gegeben wurde. Ganz vorne landeten in diesem Jahr das Karlsgymnasium (2,00), das Maximiliansgymnasium (2,00) und das Wilhelmsgymnasium (2,03).

Für Thomas Bednar, den stellvertretenden Schulleiter des Maximiliansgymnasiums, war es gar kein Problem, Informationen herauszugeben: „Evaluationen liegen ja im Trend. Letztendlich muss das aber jede Schule selbst entscheiden. Immerhin kann der Ruf der Einrichtung daran hängen.“ Nun fällt es Thomas Bednar angesichts des durchaus beeindruckenden Schnitts von 2,00 sicher leichter, die Ergebnisse offen zu legen. Er sagt aber auch: „Wenn Schulen den Schnitt nicht preisgeben, spricht das ja schon für sich.“

Geht es nach Susanne Arndt, würde mehr Offenheit in vielerlei Hinsicht gut tun: „Transparenz ist ganz wichtig. Für die Schulen selbst, die Lehrkörper aber auch die Eltern. Jeder will ja wissen: Wo steht unsere Schule?“

Derselben Meinung ist auch Ursula Walther. Die Sprecherin des Bayerischen Elternverbandes hat regelmäßig mit Eltern zu tun, die wissen wollen, nach welchen Kriterien sie ein Gymnasium für ihre Kinder auswählen sollen. „Deshalb wäre mehr Offenheit sicher gut“, sagt Ursula Walther. Wobei der Schnitt alleine nicht entscheidend ist für die Auswahl. „Ich sage den Eltern immer: Geht auf den Schulhof, schaut euch die Umgangsformen an. Sprecht mit anderen Eltern. Generell sind andere Bundesländer wie Sachsen oder Berlin aber sicherlich offener als Bayern“, sagt Ursula Walther.

Ursula Oberhuber vom Referat für Bildung und Sport der Stadt München bestätigt das: „Wir wollen kein Ranking.“ Auch Wolfgang Hansjakob, der Schulleiter des Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums, hält wenig von so einer Einordnung, spricht aber offen über das Abschneiden seines Abitur-Jahrgangs 2013: „Wir hatten einen Schnitt von 2,48.“ Für ihn ist wesentlich aussagekräftiger, wie viele Schüler die Prüfungen nicht schaffen: „Fallen die schlechteren Schüler alle durch, ist der Schnitt am Ende besser. Schaffen sie das Abitur, ziehen sie den Schnitt nach unten.“

Einen eher mäßigen Schnitt weist beispielsweise das Privatgymnasium Florian Überreiter auf. Mit 3,00 liegt es deutlich hinter dem Landeswert von 2,32. Für den stellvertretenden Schulleiter Oliver Berg kein Grund zur Sorge: „Wir sind eine eher kleinere Schule, hatten nur 27 Abiturienten.“ Auch wenn er natürlich weiß, wie es derzeit um den Ruf von Privatschulen bestellt ist. Der Fall Schweinfurt hat für mächtig Aufsehen gesorgt: „Wenn uns das passiert wäre, könnten wir den Laden dicht machen.“

Generell fällt bei den Ergebnissen auf, dass sich städtische, staatliche und private Gymnasien bunt durcheinander mischen. Und teilweise herausragende Ergebnisse hervorbringen. Am Max-Josef-Stift, einem reinen Mädchengymnasium, schafften beispielsweise 40 Prozent der Schülerinnen einen Abschluss mit einer 1 vor dem Komma. Am Karlsgymnasium war es sogar jeder zweite Schüler, ebenso am Wilhelmsgymnasium – auch wenn die Schulleiter eingestehen, dass es nicht in jedem Jahr so gut läuft. „So einen Schnitt hatten wir schon Jahre nicht mehr. Das ist wirklich außergewöhnlich“, sagt Ingrid Bucher, die Schulleiterin des Karlsgymnasiums.

Um genau das zu überprüfen, könnte ein detailliertes Ranking Aufschluss geben. „Das wäre am Ende gut zu wissen. Gerade auch für die Eltern“, sagt Ursula Walther.

 

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