Abhebegebühren Mehr bezahlen für weniger Scheine: Teures Bargeld

Oft gibt's am Geldautomaten nur noch 50-Euro-Scheine. (Symbolbild) Foto: Fabian Sommer/dpa

Am Automat nur 20 Euro für den Abend in der Kneipe ziehen? Banken kosten solche Kleinstbeträge viel – jetzt reagieren die Institute.

München/Frankfurt - Wer wenig Geld will, muss mehr bezahlen. Klingt kurios, steht aber bei einigen Geldinstituten schon in den Geschäftsbedingungen. Eine wachsende Zahl von Instituten verlangt inzwischen, mindestens 50 Euro aus dem Automaten zu ziehen.

Vor allem Direktbanken gehen diesen Schritt, denn sie haben – anders als Sparkassen und Volksbanken – kaum eigene Automaten und müssen jedes Mal, wenn ihre Kunden den Service der Konkurrenz nutzen, Gebühren zahlen. Sparkassen selbst deckeln bei ihren eigenen Kunden, wie oft diese kostenlos abheben dürfen.

ING-Diba: Mindestabhebung bei 50 Euro

Bei der ING-Diba, Europas größter Direktbank mit mehr als neun Millionen Kunden, gilt die 50-Euro-Mindestabhebung ab 1. Juli. Die Commerzbank-Tochter Comdirect und die Deutsche Kreditbank (DKB) handhaben das schon seit geraumer Zeit so. "Für jede Geldabhebung fallen Kosten bei uns an", begründet ein Sprecher der ING-Diba den Schritt.

"Die anfallenden Kosten sind unabhängig von der Höhe des abgehobenen Betrags. Viele Abhebungen mit kleinen Beträgen kommen daher für uns besonders stark zum Tragen." Manche Kunden holten sich mehrmals an einem Tag Beträge unter 20 Euro.

Abhebe-Gebühren variieren je nach Geldinstitut

Laut des Sprechers übernimmt die ING-Diba im Schnitt 1,60 Euro Gebühren, wenn ihre Kunden mit Visa-Karte am Automaten Geld ziehen. Komme die Girocard an Automaten anderer Banken zum Einsatz, variierten die Gebühren je nach Institut.

Die Wettbewerbshüter hatten im September mitgeteilt, sie sähen keine Notwendigkeit, solche Gebühren zu begrenzen. Die meisten Verbraucher könnten diese vermeiden, argumentierte das Kartellamt: Sie könnten einen Automaten ihrer Bank oder ihres Verbundes nutzen, sich bei Tankstellen oder im Handel mit Bargeld versorgen. In der Tat gibt es längst die Möglichkeit, beim Bezahlen an der Supermarktkasse Bargeld mitzunehmen – in manchen Läden schon ab einem Einkaufswert von zehn Euro.

Kaum jemand hebt Geld an der Supermarktkasse ab

Doch genutzt wird das selten: Gerade einmal vier Prozent der Deutschen heben Bargeld an der Supermarktkasse ab, wie eine repräsentative Umfrage der GfK im Auftrag des Bankenverbandes BdB ergab. Am Bankschalter versorgen sich acht Prozent mit frischen Scheinen, 88 Prozent gehen in der Regel an den Geldautomaten. Fast jeder zweite (45 Prozent) hebt dabei Beträge bis zu 100 Euro ab.

Gerade weil Geldautomaten so beliebt sind, sehen Verbraucherschützer die Entwicklung kritisch. "Aus unserer Sicht ist es problematisch, wenn Institute, die bereits Gebühren für die Kontoführung erheben, auch noch Entgelte fürs Abheben von Beträgen unter 50 Euro am Geldautomat verlangen", sagt Finanzmarktwächter Kay Görner von der Verbraucherzentrale Sachsen. "Grundsätzlich gilt: Das Institut muss Kunden rechtzeitig darüber informieren, wenn es künftig ein Entgelt verlangen will."

Löchriges Automatennetz

Zehn Euro monatlich kassiert beispielsweise die ING-Diba künftig von Kunden, die weiterhin die Möglichkeit haben wollen, weniger als 50 Euro am Geldautomaten abzuheben. Wer gerade Ebbe auf dem Konto hat, der soll am Automaten aber auch nach dem 1. Juli kleinere Beträge kostenlos abheben dürfen, versichert die Direktbank.

Allerdings wird das Automatennetz seit Jahren löchriger. Noch können Verbraucher jedoch allein in Deutschland an gut 58.000 Geldautomaten rund um die Uhr Bargeld ziehen. Die meisten Geräte betreiben die Sparkassen mit rund 25.000, bei den Volksbanken sind es gut 18.000. Die ING-Diba hat 1.200 eigene Automaten.

AZ-Kommentar zum Thema: Der Kunde hat's in der Hand

 

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