Aber kein Bach So wird die neue Sendlinger Straße: Bäume, Bänke, Brunnen

So soll die Fußgängerzone aussehen. Foto: Visualisierungen/Baureferat

Das neue Gesicht der Sendlinger Straße nimmt Gestalt an. Einem Bach erteilt die Stadt allerdings eine Absage.

München - Nun haben wir doch Bäume." BA-Chef Wolfgang Neumer (CSU) scheint ein wenig überrascht. Begrünung, Bänke, Belag, Brunnen – diese Punkte standen auf der Tagesordnung der jüngsten Sondersitzung des Bezirksausschuss Altstadt-Lehel. Das Thema: die Neugestaltung der Sendlinger Straße zwischen Hacken- und Herzog-Wilhelm-Straße, inklusive Singlspieler- und Schmidstraße. Mit eingeschlossen: die Idee eines Stadtbaches, die der Münchner Architekt Jürgen Piechotka (61) aufgeworfen hatte (AZ berichtete).

Nach dem erfolgreichen Testjahr ist die Sendlinger Straße mittlerweile zur Fußgängerzone umgewidmet, doch "wir haben hier einfach eine stillgelegte Fahrbahn", kritisiert ein Zuhörer, "deshalb bitte schnell umbauen."

2020 soll das Projekt "Sendlinger Straße" abgeschlossen sein

Florian Hochstätter, beim Baureferat für Stadtgestaltung zuständig, ist das bewusst: "Wir wollen 2019 anfangen und auch 2019, spätestens Frühjahr 2020 fertig sein", sagt er. "Das ist sportlich." Die größte Neuerung dabei: Anders als vom Bezirksausschuss favorisiert, empfiehlt das Baureferat, Bäume zu pflanzen. Nur fünf Stück sollen es sein – und die wohl überlegt platziert, damit das Fassadenensemble der Straße nicht verdeckt wird. Das nämlich hat man im BA befürchtet.

"Wir können heute den Menschen in der Innenstadt Schatten nicht mehr vorenthalten", sagt Hochstätter. "Das wiegt mehr als ästhetische Überlegungen." Rund um die Bäume werden Rundbänke aufgestellt, vor der Hofstatt käme das bereits sehr gut an. "Wir dort werden Robinien vorgeschlagen, weil sie eine weniger ausladende Krone entwickeln als etwa die Platanen in der alten Fußgängerzone. Und sie blühen schön."

Und die Fahrbahn? Die wird nun endlich zurückgebaut. Stattdessen gibt es den klassischen Münchner Fußgängerzonen-Belag. In der Straßenmitte verläuft das "Rückgrat" aus dunklerem Material, eine Entwässerungsrinne. Von der verlaufen nach rechts und links dunklere Linien – wie Gräten, die die Fläche optisch unterteilen. "Wir wollen ja keine Pflasterwüste", sagt Hochstätter.

Eine Besonderheit: Vor der Asamkirche und dem Asamhaus daneben wird mit einer Fläche aus dunklerem Material ein optischer Akzent gesetzt, "wie ein Teppich", der auf das Bauwerk aufmerksam macht. Gleiches ist für die Flächen vor den Passagen geplant, die von der Sendlinger Straße wegführen, etwa der Asampassage oder zwei kleineren Durchgängen in Richtung Kreuzstraße am unteren Ende. "Diese Durchstiche kennen viele nicht", sagt Hochstätter, "vielleicht werden sie so mehr entdeckt."

Keinen Brunnen, dafür einen Trinkbrunnen

Einen Brunnen, wie ihn sich der BA gewünscht hatte, sieht das Baureferat nicht. Die Sendlinger Straße habe keine Ausbuchtung, für ein Brunnenbecken sei sie zu schmal. Bei allen Gestaltungsplänen müsse berücksichtigt werden, Lieferverkehr und vor allem Feuerwehr müssen noch hindurch passen.

Hochstätter erklärt, in der Umgebung mangele es sicher nicht an Zierbrunnen. Diese sollten – wie etwa am Radspielereck – in Zukunft besser in Szene gesetzt werden. Aber: Man will einen Trinkbrunnen installieren, etwa auf Höhe der Hackenstraße. So könnten sich Passanten erfrischen.

Das Thema Stadtbach ist vom Tisch

Auch das Thema Stadtbach ist überraschend schnell abgehandelt: "Wir holen, wo es geht, Stadtbäche nach oben", sagt Ralf Wulf, Ingenieur beim Baureferat. Er verweist auf das gemeinsame Projekt mit Green City in der nahen Herzog-Wilhelm-Straße, das bereits in Arbeit ist (AZ berichtete). "Aber hier geht es nicht", sagt Wulf.

Der Grund: Der Bach hätte in Richtung Innenstadt keinen Abfluss. Piechotkas Idee, das Wasser in die Kanalisation zu leiten, sei laut Entwässerungssatzung schlicht nicht erlaubt, so Wulf. Ausnahmen kosten Gebühren, die sich in diesem Fall locker auf eine Million pro Jahr belaufen würden. Eine Ableitung in unterirdische Bachbetten sei auch nicht möglich: In dem Bereich ist alles zubetoniert.

 

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