83 Prozent Zustimmungsquote! Bessere Jobchancen für Flüchtlinge: Bayern ist Vorreiter

In Bayern scheitern kaum noch Flüchtlinge an der Vorrangprüfung Foto: dpa

Lange Zeit waren die Jobhürden in Deutschland für Asylsuchende hoch. Das hat sich inzwischen geändert. Bayern ist dabei Vorreiter. Hier scheitern kaum noch Asylbewerber an der Vorrangprüfung der Arbeitsagenturen.

 

Nürnberg - Flüchtlinge scheitern in Bayern immer seltener an den behördlichen Jobhürden. Bis Ende November hätten die Arbeitsagenturen in 9641 Fällen der Einstellung eines arbeitslosen Asylsuchenden zugestimmt. Im Gesamtjahr 2015 dürfte die Zahl der positiv entschiedenen Vorrangprüfungen bei mehr als 10 000 liegen. Das seien dreieinhalb mal so viele wie im Jahr 2014, sagte der Geschäftsführer der bayerischen Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA), Markus Schmitz, der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

"Die Zustimmungsquote liegt damit im Freistaat bei 83 Prozent. Das sind zehn Prozentpunkte mehr als im Bundesdurchschnitt", erklärte Schmitz. Inzwischen kämen 27 Prozent aller bundesweiten Zustimmungen aus Bayern. "Das zeigt noch mal, dass wir ziemlich souverän und umsichtig mit dem Thema umgehen. Es geht ja darum, dass Flüchtlinge erst mal erste Erfahrungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt sammeln", sagte Schmitz. Er leitet die bayerische BA-Regionaldirektion seit einem Jahr.

Dass der Anteil nicht noch größer sei, liege möglicherweise daran, dass Lohn oder Beschäftigungsbedingungen nicht immer passten. Asylbewerber und Geduldete dürfen nach neuerer Regelung zwar drei Monate nach ihrer Ankunft in Deutschland arbeiten; in den ersten 15 Monaten verlangt der Gesetzgeber aber bei beiden Gruppen eine Vorrangprüfung; dabei wird geklärt, ob für die Stelle nicht auch ein geeigneter deutscher Bewerber oder ein EU-Ausländer infrage kommt.

19.000 Flüchtlinge in Bayern besuchen Sprachkurse

Zugleich kündigte Schmitz eine verstärkte Förderung der erst in den vergangenen Monaten nach Deutschland gekommenen Asylsuchenden an. Derzeit befänden sich - finanziert aus Bundesagentur-Mitteln - 19 000 Flüchtlinge in Bayern in Sprachkursen. "Im neuen Jahr wollen wir schauen, dass wir für jeden von ihnen ein Anschlussangebot haben." Die ausgewählten Syrer, Iraker, Iraner und Eritreer sollen danach ihre Deutschkenntnisse weiter verbessern können. Ferner sollen Jobvermittler klären, welche beruflichen Vorkenntnissen die Flüchtlinge haben und versuchen, ihnen Erprobungspraktika zu vermitteln.

Wegen des erhöhten Beratungs- und Vermittlungsbedarfs als Folge der hohen Flüchtlingszahlen sind nach Schmitz Angaben inzwischen auch die bayerischen Arbeitsagenturen und Jobcenter personell verstärkt worden. In den Agenturen habe man 120 neue Mitarbeiter eingestellt. In den Jobcentern sollen 430 zusätzliche Beschäftigte die erwartete Zusatzbelastung abfedern. Sobald Asylbewerber als Flüchtlinge anerkannt sind, sind für sie die Jobcenter zuständig, vorher die Arbeitsagenturen.

Wegen der erwarteten steigenden Zahl arbeitsloser Asylbewerber rechnet Schmitz 2016 in Bayern mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen - voraussichtlich um 12 000 auf rund 270 000. Ohne die Flüchtlingsarbeitslosigkeit würde die Zahl der Erwerbslosen im neuen Jahr um rund 10 000 sinken. Weiter steigen wird nach Schmitz Prognose im Jahr 2016 die Zahl der Arbeitsplätze. Grundsätzlich sei der bayerische Arbeitsmarkt - auch dank der hohen Innovationskraft der Unternehmen - "kerngesund und durchtrainiert".

 

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