70 Millionen Euro für Wintervorbereitung Deutsche Bahn rüstet sich gegen das Schnee-Chaos

Ein Triebwagen der Regionalbahn Augsburg-Schongau im vergangenen Jahr, mit Eis und Schnee überzogen. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Rund 70 Millionen Euro steckt die Bahn in die Wintervorbereitungen – vor allem in Bayern will sie sich besser gegen den Frost wappnen.

 

München - Mitunter erwischt der Winter die Deutsche Bahn kalt. Vor allem in Bayern, das mit 6.000 Kilometern nicht nur das größte Schienennetz von allen Bundesländern hat, sondern auch den strengsten Winter.

Zwar trifft die Bahn im Kampf gegen Schnee und Eis jedes Jahr umfangreiche Vorkehrungen. Trotzdem kommt es immer wieder zu eingefrorenen Weichen, gesperrten Strecken und Zugausfällen.

70.000 Weichen, davon 49.000 mit Heizung ausgerüstet

Rund 70 Millionen Euro wendet die Bahn nun für die Wintervorbereitungen in ganz Deutschland auf. Seit dem Sommer seien Streugut beschafft, Mitarbeiter und Räumfirmen geschult, die Züge einem Wintercheck unterzogen worden, teilte der Konzern mit. Bremsschläuche, Gummileitungen und Dichtungen sind jetzt ebenfalls winterfest.

Und von rund 70.000 Weichen sind inzwischen 49.000 mit einer Heizung ausgerüstet, um ein Einfrieren zu verhindern.

In Bayern sind von 14.000 Weichen mittlerweile mehr als 10.000 beheizt. Hier stehen für den Winter außerdem 19 Maschinen zur Verfügung, um bei Bedarf schnell auf zusätzliche Schneepflüge und Schneefräsen zurückgreifen zu können. Auf wichtigen Strecken soll es bei starkem Schneefall nachts Leerfahrten geben, damit die Gleise frei bleiben. S-Bahnen werden durchgehend beheizt.

Bayern bekommt zusätzliche Räumfahrzeuge

Zudem plant die Bahn, über Subunternehmen weitere 1.500 Wintereinsatzkräfte alarmieren zu können, falls bei starkem Schneefall Bahnanlagen geräumt werden müssen. Das berichtet der BR. Auch das Problem mit den riesigen Schneehaufen an Bahnübergängen, die den Lokführern die Sicht nahmen und die Bahn zwangen, den Zugverkehr einzustellen, soll ausgeräumt werden. So trafen sich laut BR Bahnvertreter zu Runden Tischen mit den betroffenen bayerischen Gemeinden und privaten Verkehrsunternehmen.

Bundesweit stehen 18.000 Winterdienst-Profis bereit, wenn Gleisabschnitte des insgesamt 33.400 Kilometer langen Schienennetzes bei Extremfrost oder starken Schneeverwehungen per Hand freigeräumt werden müssen.

Das "A und O" seien die Wetterprognosen, sagt der Winterexperte der DB Netz AG, Markus Schubert. Vor allem bei extremen Witterungen sei es wichtig, möglichst früh die Lage einzuschätzen und zu reagieren. Das könne vom Drosseln der Geschwindigkeit bis zum Warten der Züge in den Bahnhöfen reichen. An strategischen Punkten steht außerdem Spezialtechnik für schneefreie Gleise bereit. Um beispielsweise die ICE-Trasse von München über Erfurt nach Berlin freihalten zu können, gibt es an der Schnellstrecke vier Wetterstationen. "Wir sind hier auf dem neuesten Stand der Technik", erklärt Holger Kühnast, Infrastrukturchef bei der DB Netz in Erfurt.

Pro Bahn: "Es fehlt grundsätzlich an Reserveinfrastruktur"

Ein Laserstrahl erfasst dabei Schneehöhen, Sensoren messen Temperatur, Niederschläge, Windstärke und Luftfeuchtigkeit, eine Kamera übermittelt Livebilder. "Zwei Grad können den Unterschied zwischen Regen und Schnee ausmachen", sagt Kühnast. Davon hänge ab, wie die Bahn vor allem im Winter Personal und Technik einsetze. Für den Winterdienst etwa stehen in diesem Jahr 40 Millionen Euro und für die 5.700 Bahnhöfe 30 Millionen Euro zur Verfügung.

"Die Bahn tut schon eine Menge", erkennt auch der Sprecher vom Fahrgastverband Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, an. "Ob es aber immer reicht, ist die große Frage." In der Vergangenheit sei viel Bahninfrastruktur zurückgebaut worden. Es gebe daher bei Problemen zu wenig Ausweichstrecken oder Ausweichbahnhöfe. "Es fehlt grundsätzlich an Reserveinfrastruktur", meint Naumann. Das gelte an 365 Tagen im Jahr und mache sich bei Wintereinbrüchen erst recht bemerkbar.

Der Weg zur Arbeit ist Sache des Arbeitnehmers

Auch Bahn-Winterexperte Schubert räumt ein: "Trotz der ganzen Vorbereitungen sind wir nicht gegen alle Wetterlagen gefeit." In Bayern war es im vergangenen Winter besonders schlimm: Auf den Regionalstrecken ging bei Schneehöhen von bis zu 1,80 Meter nichts mehr. Teilweise über mehrere Tage war der Bahnverkehr in mehreren Regionen zum Erliegen gekommen. Für Pendler war das höchst ärgerlich – denn wie er zur Arbeit kommt, ist Sache des Arbeitnehmers. Das Wetter gilt in dem Fall nicht als Entschuldigung.

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