50 Jahre nach dem Baubeginn Olympiaturm: Ein Blick ins Herz des Giganten

Am Aufzugschacht in den Katakomben des Olympiaturms kann man fast bis in die Turmspitze schauen. Foto: Daniel von Loeper

Vor 50 Jahren wurde der Grundstein für den Olympiaturm gelegt. Die AZ hat sich aus diesem Anlass umgeschaut, wo man sonst nicht hinkommt: in den Katakomben des Riesen.

Milbertshofen - Alle bekannten Gebäude haben einen Spitznamen. Das Kanzleramt heißt Waschmaschine, die Kongresshalle im Berliner Tiergarten ist die „schwangere Auster“. Klar, dass also auch der Münchner Fernsehturm einen Spitznamen brauchte.

Als die Bauarbeiten Mitte der sechziger Jahren anliefen, hat die Stadt die Bevölkerung deshalb aufgerufen, Vorschläge zu machen – und die Münchner waren fleißig. Um die 10 000 Ideen gingen im Rathaus ein, eine zehn Meter lange Papierrolle mit allen Namen lagert noch heute im Stadtarchiv.

Am Ende setzte sich die Bezeichnung Olympiaturm durch – wegen der ein paar Jahre später anstehenden Olympischen Spiele. Es gab aber durchaus auch andere Einfälle: „Schuldenstangerl“ zum Beispiel.

Aus heutiger Sicht ist das natürlich höchst ungerecht. Zwar wurden die Baukosten für den Olympiaturm ursprünglich mal mit zehn Millionen D-Mark beziffert, am Ende waren es 22,8. Aber auch, wenn sich der Preis am Ende mehr als verdoppelt hat, heute diskutiert die Stadt über Milliarden-Projekte und würde bei so einem Schnäppchenangebot vermutlich sagen: Da bauen wir am besten doch gleich zwei Türme.

Was damals auch als Spitzname kursierte: der schiefe Turm von München. Das war gemessen am Schuldenstangerl allerdings nicht nur ungerecht, sondern richtiggehend rotzfrech. Denn in 167 Metern Höhe ist die Betonröhre tatsächlich aus dem Lot – allerdings nur um zwei Millimeter.

Die Abendzeitung titelte am 3. Juni 1966 deshalb „Gerade noch gerade“ – und versicherte den Münchnern süffisant: Alles gut, keine Einsturzgefahr.

So ein bisserl schief kann der Olympiaturm aber schon werden, gerade an heißen Tagen, wenn auf die eine Seite die Sonne prallt und die andere im Schatten liegt. Der Turm biegt sich dann wie eine Banane. Bis zu 30 Zentimeter Überhang sind oben an der Aussichtsplattform dann möglich.

Angst müssen Besucher trotzdem nicht haben. Die Betonwand ist 1,22 Meter dick, das Fundament acht Meter tief, 40 Meter breit und 12 500 Tonnen schwer – da muss schon einiges passieren, bis es den Koloss wirklich umhaut.

Der Mann, der all diese Daten in und auswendig kennt, heißt Ulrich Bodamer. Seit 15 Jahren arbeitet er als Betriebsleiter des Olympiaturms. Der Gigant ist seitdem quasi sein Wohnzimmer.

Das mit dem Wohnzimmer ist übrigens gar nicht mal so übertrieben. Bodamer lebt in einer Betriebswohnung direkt am Fuß des gigantischen Bauwerks. Aus Anlass der Grundsteinlegung vor ziemlich genau 50 Jahren hat Bodamer gestern nun zu einem Blick hinter die Kulissen eingeladen.

Interessant ist dabei natürlich vor allem das Innenleben des Turms. In der Röhre ist nämlich eine zweite Röhre. In der sausen die beiden Aufzüge den ganzen Tag hoch und runter.

Direkt am Aufzugschacht kann man fast bis in die Turmspitze schauen, über 200 Meter in die Höhe. Der BR hat hier in den Katakomben vor knapp zehn Jahren mal einen Tatort gedreht, „Außer Gefecht“. Laut Drehbuch bleibt der Lift in 80 Metern stecken, es wird viel herumgeklettert. Bleibt zu hoffen, dass der Kameramann schwindelfrei war.

 

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