26.124 Euro pro Jahr Die Kaufkraft der Münchner

Die Tariflöhne steigen. Die Folge: Mehr Konsum und Kaufkraft. Foto: Marc Müller, dpa

Wer ko, der ko: München liegt damit um 31 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Einziges Problem: Die Miete muss davon auch noch bezahlt werden. Auf Platz 2 liegt Düsseldorf

 

MÜNCHEN - Die Münchner sind eine gute Partie. Sagt die Statistik. Der zufolge haben sie deutlich mehr Geld als alle anderen Großstädter in Deutschland. Die durchschnittliche Kaufkraft je Einwohner lag im vorigen Jahr bei exakt 26124 Euro. Das sind 2177 Euro im Monat – und damit nochmal fünf Prozent mehr als 2010. Da war München auch schon Spitzenreiter. Drastisch ist der Vergleich mit dem bundesdeutschen Schnitt: Da liegt München 31 Prozent (!) drüber. Auf Platz zwei der kaufkraftstärksten Großstädte folgt mit gehörigem Abstand Düsseldorf – mit je 23908 Euro je Einwohner.

Gleich und gleich gesellt sich gern: München ist auch noch von drei der kaufkraftstärksten Landkreise umgeben: Starnberg, Ebersberg, Landkreis München. Wobei diese Zahlen besser klingen als sie tatsächlich sind. Laut Definition ist unter „Kaufkraft” nämlich Folgendes zu verstehen: alle Einkünfte, ohne Sozialabgaben und Steuern. Von dem Geld muss also auch die Miete bezahlt werden. Und die ist in München happig.

All diese Angaben stammen aus dem aktuellen Jahreswirtschaftsbericht, den Referent Dieter Reiter gestern vorstellte. Sein Fazit: „2011 war ein hervorragendes Wirtschaftsjahr.” München sei „der Wirtschaftsstandort schlechthin in Deutschland”. Wobei die boomende Stadt auch viele Herausforderungen mit sich bringe. Beim Wohnen. Bei der Kinderbetreuung. Beim Verkehr.

Die AZ fasst das Zahlenwerk zusammen:

Die Zahl der Unternehmen: Im vorigen Jahr haben so viele Menschen ein Gewerbe angemeldet wie seit zehn Jahren nicht mehr. 24900 neue Anmeldungen – das bedeutet ein sattes Plus von 7,3 Prozent.

Gleichzeitig hat die Zahl der Unternehmen, die in die Insolvenz gehen mussten, stark abgenommen, um 16,2 Prozent. Konkret sind voriges Jahr 495 Firmen insolvent geworden. Wobei es sich überwiegend um kleine Betriebe handelte. Insgesamt waren 1579 Arbeitnehmer von den Pleiten betroffen. Eine Zahl, die beim nächsten Wirtschaftsbericht anders ausfallen dürfte, wenn man die Schlecker-Frauen bedenkt. Insgesamt sind in München rund 92500 Unternehmen angesiedelt.

Arbeitslosigkeit: Wieder Platz 1. Keine andere Großstadt kann mit den Münchner Arbeitsmarktzahlen mithalten. Im Juni sank die Zahl der Arbeitslosen auf 48600 – was einer Quote von 3,9 Prozent entspricht. „Auch die sollten möglichst in die Lage versetzt werden, einen Arbeitsplatz zu finden”, sagt Wirtschaftsreferent Reiter.
Was die Jugendarbeitslosigkeit angeht, ist man aus einigen europäischen Ländern inzwischen absolute Horrormeldungen gewöhnt. Von der Münchner Lebensrealität ist das weit weg: Hier sank die Zahl an arbeitslosen Jugendlichen zuletzt um 16,6 Prozent. Im vorigen Jahr waren gerade mal 2,2 Prozent der 15- bis 20-Jährigen ohne Job. Bei den unter 25-Jährigen waren es drei Prozent.

Pro-Kopf-Verschuldung: Die Stadt steht mit 1,673 Milliarden Euro in der Kreide. Mal nebenbei: Das ist weniger als Berlin an Zinsen für seine Miesen bezahlen muss. Auf jeden Münchner kommen rechnerisch 1186 Euro Schulden. Im Jahr 2005 waren’s schon mal 55 Prozent mehr.

Jobs: Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungs-Verhältnisse ist gestiegen. Und zwar um 2,2 Prozent von Mitte 2010 bis Mitte 2011. In absoluten Zahlen bedeutet das 15121 feste Jobs mehr.

Fachkräftemangel: Erste Anzeichen zeigen sich schon. Vor allem was Facharbeiter mit mittleren Qualifikationen angeht, wird München seinen Bedarf mittelfristig nicht decken können.

Büroflächen: Der Leerstand ist gesunken. Trotzdem stehen noch 7,1 Prozent der Flächen leer. Was konkret 1,5 Millionen verwaisten Quadratmetern entspricht. Im Vergleich mit anderen deutschen Bürostandorten ist das laut Wirtschaftsreferat wenig. Obwohl bloß in Frankfurt Büros noch teurer sind als in München.

Weiterhin will die Stadt prüfen, ob einzelne ungenutzte Gewerbeimmobilien in Wohnraum umgewandelt werden können. Wobei Reiter sagt: „Wir können nicht generell umswitchen und sagen: Wir machen nur noch wohnen.”

Wohnen: Der Schwachpunkt unserer Stadt. München braucht jährlich rund 7000 neue Wohnungen. Im Schnitt der vergangenen Jahre sind pro Jahr aber bloß 5000 fertig geworden. Immer noch versucht die Stadt, das Umland bei der Wohnfrage in die Pflicht zu nehmen. Immer noch wird an die Firmen appelliert, Werkswohnungen zu bauen.

Ein Ausblick: „Schwierig!”, sagt Dieter Reiter mit Blick aufs große Ganze. Die unsichere Zukunft „relativiert die Freuden” über das Jahr 2011. Derzeit könne niemand wissen, ob der Euro die aktuelle Krise überlebt.

 

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