25 Jahre Börsenbarometer Happy Birthday, Dax

FRANKFURT/MAIN Dai – das klingt irgendwie japanisch, vielleicht sogar esoterisch. Dai hießt der Deutsche Aktienindex ursprünglich, vor 25 Jahren, und irgendwann schlug einer der Chefs der Deutsche Börse vor, dem Kind doch endlich einen ernstzunehmenden Namen zu geben. Aus dem „i“ wurde in Anlehnung an das englische Wort „exchange“ (Austausch, Handel) der Dax.

 

Heute wird der Dax 25, ein Alter, in dem manche Menschen erst ihr Berufsleben starten. Der Dax dagegen hat schon einiges hinter sich. Bis zu seiner Einführung herrschte Durcheinander: Deutschland habe mehr Aktienindizes als Aktien, spotteten ausländische Beobachter in den 80er Jahren. Es gab unter anderem einen Index der „Börsen-Zeitung“, einen der Commerzbank, einen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“.

Alle möglichen selbsternannten Spezialisten rechneten anhand der Kursentwicklung Lieblingsaktien aus, wie es um die deutsche Wirtschaft bestellt sei. Das änderte sich mit dem Dax. Die 30 Unternehmen, deren Kurse in den Index einfließen, gelten als Querschnitt der deutschen Wirtschaft. Der Dax ist ein sogenannter Performance-Index. Das heißt: Sowohl die aktuellen Kurse seiner Aktien als auch die Dividenden der Firmen und die Anzahl der jeweiligen Aktien, die an der Börse im Umlauf sind, sind für die Berechnung maßgeblich.

Was sich nicht änderte, sind die emotionalen Wechselbäder, die der Dax den Aktionären zumutete. Er startete bei 1163 Punkten, kletterte innerhalb von zwölf Jahren auf schwindelerregende 8064 Punkte, stürzte innerhalb von weniger als zweieinhalb Jahren auf unter 2500 Punkte ab, derappelte sich unmerklich über die folgenden Jahre wieder und erreichte am 22 Mai diesen Jahres mit 8530,89 Zählern seinen bisherigen Höchststand. Wer Pech hatte, verlor mit dem Dax sein Vermögen. Wer stur vom Anfang bis heute mit dabei blieb, hatte aus 1000 Euro fast 8000 Euro gemacht – vorausgesetzt, er investierte die Dividenden seiner Aktien wieder neu an der Börse. Aber auch, wer die Dividende verfrühstückte, kann sich heute über einen schönen Vermögenszuwachs freuen – seine Ersparnisse hätten sich immerhin in 25 Jahren vervierfacht.

Für die Aktiengesellschaften, deren Anteile an der Börse gelistet sind, ist der Dax mehr als nur ein Barometer. Viele Fonds bilden den Dax nach, kaufen also seine 30 Aktien exakt in dem Mengenverhältnis, wie es auch dem Index zugrunde liegt. Das bedeutet: Die Aktien des Dax werden automatisch von vielen Investoren geordert. Fliegt ein Wert aus dem Index, rutscht in der Regel auch sein Kurs ab. Das gilt auch für die Ableger, die der Dax im Lauf seines bisherigen Lebens bekommen hat: Den MDax mittelgroßer Unternehmen, den SDax mit kleinen Werten, den früheren Nemax, in dem sich Firmen der Dotcom-Branche versammelten und den heutigen Tecdax, der auf den Nemax nach dessen dramatischen Absturz folgte.

Die Tops und Flops der ersten Börsenliga

Diesen Satz dürfte Ron Sommer heute bereuen: „Die T-Aktie wird so sicher wie eine vererbbare Zusatzrente sein“, sagte der damalige Telekom-Boss beim Börsengang des rosa Riesen. Als die Deutsche Telekom im November 1996 den Gang aufs Parkett wagte, rissen Sparer den Bonnern die Aktien förmlich aus der Hand. Zuvor hatte das einstige Staatsunternehmen in einer beispiellosen Werbekampagne für den Börsengang getrommelt, unter anderem mit dem Schauspieler Manfred Krug. Der Kurs kletterte von knapp 15 bis auf 103,50 Euro – und stürzte wieder ab. Heute ist das Papier etwa 8,80 Euro wert. Eine sichere Rente?

Auch der Kurs des Chipherstellers Infineon bereitete Anlegern schlaflose Nächte. Zum Börsengang fuhr Firmenchef Ulrich Schumacher im Porsche vor. Die Aktie schaffte es bis über 82 Euro. Nach dem Platzen der Dotcom-Blase rutscht er bis auf klägliche 48 Cent ab. Der Kurs heute: Immerhin über sechs Euro. Noch schlimmer lief’s für die Aktionäre des Immobilien-Finanzierers Hypo Real Estate. Anfang Oktober 2003 ging die Bank nach der Abspaltung von der Hypo-Vereinsbank an die Börse – für 11,25 Euro. Im Jahr 2006 schaffte es die Aktie bis über 55 Euro. Dann brach die Bank zusammen. Das Management hatte langfristige Investitionen über kurzfristige Kredite finanziert. Bei der Verstaatlichung flossen Tränen, viele Privatanleger verloren ihr Erspartes, allerdings auch ein Großinvestor: US-Investor J.C. Flowers setzte mit HRE-Aktien rund eine Milliarde Euro in den Sand.

Aber es gab auch Erfolgsstories: Der Sportartikelhersteller Adidas etwa legte ähnlich zu wie der Index – von 17 auf zuletzt 83,14 Euro. Noch besser lief es beim Softwareunternehmen SAP: Wer zum Börsengang Aktien für umgerechnet 50 Cent orderte, hatte sein Geld innerhalb von zwei Jahren verdreifacht. Zuletzt stand der SAP-Kurs bei 56,26 Euro. Auch die Entwicklung der einstigen Infineon-Mutter Siemens kann sich sehen lassen – zumindest auf dem Börsenkurs: Der Einstandskurs lag bei knapp 25 Euro, zwischenzweitlich stieg die Aktie auf fast 130 Euro. Am vergangenen Freitag schloss sie im Frankfurter Xetra-Handel immerhin mit 77,70 Euro.

Fatale Anleger-Psychologie

Wenn private Anleger an der Börse Geld verlieren, ist oft ein simpler Mechanismus schuld: Aktien, deren Kurs steigt, verkaufen Menschen gerne. Sie realisieren den Gewinn, fühlen sich wie Börsenprofis. Dagegen stoßen sie Aktien, die schlecht laufen, nur ungern ab. Kaum jemand will sich eingestehen, dass er sich eine Lusche ins Depot gelegt hat und einen Teil des Kaufpreises abschreiben muss. Eher hegen Anleger die irrationale Hoffnung, aus dem Papier werde schon noch etwas. Im Endeffekt führt dieses Verhalten dazu, dass sich im Depot vieler Sparer anstelle solider und dynamischer Werte die verblassten Hoffnungsträger vergangener Jahre ansammeln – mit entsprechend schlechter Rendite.

 

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