25-jährige Student aus Brasilien Endlich gefasst: der Nachtbus-Vergewaltiger

Mit diesem Bild fahndete die Polizei nach dem Täter. Foto: Polizei München

Der Sex-Täter ist gefasst. Es handelt sich um einen Studenten (25) aus Brasilien. Die Fahnder schnappen ihn im Bus

 

Sendling - Er war offenbar wieder auf der Jagd nach jungen, hübschen Mädchen. Rafael A. saß im Nachtbus nach Hadern, als ihn zwei Polizisten in Zivil am letzten Sonntag entdecken. Der angehende Ingenieur musste eine Speichelprobe abgeben. Und das jetzt vorliegende Ergebnis lässt keinen Zweifel zu: Er ist der Nachtbus-Vergewaltiger, der über Wochen hinweg Frauen im Münchner Südwesten in Angst versetzt hat.

Es ist Sonntag, 29. Juni, kurz nach drei Uhr morgens. Der Nachtbus von der Feiermeile ist wie üblich unterwegs vom Stachus in Richtung Hadern. Zwei Zivilfahnder sind mit an Bord. Unauffällig haben sie sich unter die Nachtschwärmer gemischt. Ein junger Mann fällt ihnen auf der Fahrt durchs nächtliche München auf. Sein Blick ist unstet, wandert unaufhörlich von einem Fahrgast zum nächsten. „Er hat sich nach Frauen umgesehen“, sagt Rainer Samietz, Chef vom K 15, zuständig für Sexualstraftaten. Zudem sieht der Verdächtige einem Mann ähnlich, den eine Überwachungskamera am 25. Mai in einem Bus der Linie N 40 fotografiert hat. Auch die restliche Beschreibung des gesuchten Verdächtigen passt ziemlich gut auf ihn.

Die Polizisten zücken ihre Ausweise und sprechen den Mann an. Sie haben einen 25-jährigen Student aus Brasilien vor sich. Er stammt aus dem Bundesstaat Mato Grosso do Sul. In München studiert Rafael A. seit kurzem Ingenieurswesen und lebt in einer Wohnung in Sendling. Seit August 2013 ist er erst in Deutschland, anfangs lebte er in Offenbach. Polizeilich ist der 25-Jährige bisher noch nicht aufgefallen. „Ein völlig unbeschriebenes Blatt“, sagt Polizeisprecher Thomas Baumann.

Die Fahnder bitten Rafael A. noch an Ort und Stelle um eine Speichelprobe. Nachdem sie die Personalien des Verdächtigen notiert haben, darf der Student die Fahrt fortsetzen. Noch kann man ihm die Vergewaltigungen nicht nachweisen. Mittwochmorgen klingelt es an seiner Haustür. Die Polizei ist da, diesmal wollen die Beamten den 25-Jährigen festnehmen. Inzwischen liegen die Labor-Ergebnisse des DNS-Abgleichs vor. Sie belegen: „Er ist der Täter, daran gibt es keinen Zweifel“, sagt Rainer Samietz.

Die Überraschung: Rafael A. hat nicht nur in München mindestens vier Frauen überfallen (siehe Text unten auf dieser Seite), sondern auch im März eine junge Frau in Jena. An ihrer Kleidung wurde die DNS des Täters sichergestellt. Das Ergebnis stimmt exakt mit den in München gefundenen Spuren von anderen Sex-Überfällen überein. In der Heiglhofstraße hatte er Ende Mai eine Frau angefallen; die konnte den Angreifer abwehren. An ihrer Kleidung wurde später DNS sichergestellt: Haare, Hautschuppen, Speichel. Im LKA-Labor wurde daraus ein genetischer Fingerabdruck erstellt. Nur eine halbe Stunde nach der Tat in der Heiglhofstraße griff derselbe Täter zwei Studentinnen an. Die konnten den Mann abwehren (siehe unten).

Einen weiteren wichtigen Beweis lieferte eine Überwachungskamera am 25. Mai im Nachtbus der Linie N 40. Sie schoss das Foto von dem Verdächtigen. Schritt für Schritt trugen die Fahnder von K 15 in den folgenden Wochen immer mehr belastendes Material zusammen. Doch noch war der Verdächtige nicht identifiziert.

15 Hinweise aus der Bevölkerung gingen ein. „Ich habe den Mann vor drei Tagen in der U-Bahn gesehen“, behauptete ein Anrufer. Keine heiße Spur, aber ein Hinweis, dass der Nachtbus-Vergewaltiger sich noch in der Stadt aufhielt.

Zivilfahnder kamen zum Einsatz. Jedes Wochenende waren sie in den Bussen der Nachtlinie unterwegs. Doch erst am vergangenen Sonntag sind ihre Bemühungen von Erfolg gekrönt gewesen: Rafael A. ist ihnen ins Netz gegangen. Die Opfer haben den Studenten auf Fotos zweifelsfrei wiedererkannt.

Gestern wurde der 25-Jährige dem Haftrichter vorgeführt. Rafael A. sitzt in U-Haft in der JVA Stadelheim. Münchens Frauen können aufatmen, der Nachtbus-Vergewaltiger wird für mehrere Jahre hinter Gittern sitzen.

 Die Opfer des Nachtlinien-Vergewaltigers

Die Kripo ist sich sicher, dem Studenten vier überfallartige Vergewaltigungen und -versuche nachweisen zu können. Möglicherweise werden es noch mehr. Nicht in allen Fällen, die in den vergangenen Wochen und Monaten aktenkundig wurden, gibt es Täter-DNA. Die Ermittler wollen jetzt allen Opfern ein Foto von Rafael A. zeigen. Diese Fälle sind nachweisbar:

Am 23. März morgens um 5 Uhr greift der Student in Jena eine 23-Jährige an. Er folgt seinem Opfer, fällt dann auf offener Straße über die Frau her und vergewaltigt sie. Die 23-Jährige wehrt sich nicht. Da der Täter Sperma an ihrer Kleidung hinterlässt, kann ein DNA-Profil erstellt werden.

Am 25. Mai schlägt der Rafael A. gleich zwei Mal in München zu. Gegen 3.35 Uhr verfolgt er eine 21-Jährige, die an der Großhaderner Straße aus dem Nachtbus gestiegen ist. An der Kreuzung Guardinistraße/Stiftsbogen reißt er die junge Frau von hinten zu Boden. Als er sie auf den Rücken dreht, tritt sie ihm zwischen die Beine. Das treibt Rafael A. in die Flucht. Nur eine halbe Stunde später greift der Student in der Heiglhofstraße zwei Freundinnen an. Er reißt die eine zu Boden und versucht ihr die Strumpfhose zu zerreißen. Auch sie wehrt sich massiv, die Freundin hilft. Da flüchtet Rafael A.

Am 6. Juni steigt eine 20-Jährige an der Drygalskiallee Ecke Stäblistraße aus dem Nachtbus N41. Der Student folgt ihr bis ins Treppenhaus, dort greift er ihr brutal unter den Rock und reißt ihr ein Stück aus der Strumpfhose. Als die Frau laut um Hilfe schreit, flüchtet er.

In diesen Fällen ist der Täter noch nicht ermittelt:

14. Mai: Im Nachtbus N40 baggert ein Mann eine 20-Jährige an. Als sie gegen 4 Uhr an der Haltestellte Klinikum Großhadern aussteigt, folgt er ihr. Er sagt zu ihr, Vergewaltigungen seien doch nicht so schlimm. Die Frau rennt davon.

Am 2. Juni wartet eine Verkäuferin (27) um 4.15 Uhr auf ein Taxi in Kleinhadern. Ein Mann springt aus einem Busch, kommt auf sie zu. Die Frau kann zum Taxi flüchten, das gerade um die Ecke biegt.

Am 10. Juni wird eine Sozialarbeiterin (31) am U-Bahnhof Haderner Stern tagsüber auf der Rolltreppe von hinten festgehalten. Die 31-Jährige reißt sich los. job

 

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