20.000 Fachkräfte fehlen Maschinenbauer fordern Pflichtfach Technik an Schulen

Deutschlands Maschinenbauer befürchten, wegen der Schulpolitik im weltweiten Wettbewerb ins Hintertreffen zu geraten. Foto: Felix Kästle/dpa

Technikunterricht führt an den meisten Schulen in Deutschland einer Studie zufolge ein Nischendasein. Am besten schneiden noch Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Thüringen ab.

 

Frankfurt/Main - Deutschlands Maschinenbauer schlagen Alarm: Sie befürchten, wegen der Schulpolitik im weltweiten Wettbewerb ins Hintertreffen zu geraten.

Technische Bildung führe in den meisten Schulen nur ein Nischendasein, kritisierte Hartmut Rauen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes VDMA, am Dienstag. "Wenn Jugendliche nicht mit Technik in Berührung kommen, steuern wir auf einen Nachwuchsmangel zu. Das würde die internationale Position des deutschen Maschinenbaus gefährden."

Bereits heute fehlen in der exportorientierten deutschen Schlüsselindustrie nach Schätzungen des VDMA rund 20.000 Ingenieure und Fachkräfte. Rauen forderte ein verpflichtendes Schulfach Technik in allen Schulformen: "Dort können Schüler Projekte entwickeln und umsetzen, zum Beispiel die klimaneutrale Schule. Verschiedene Disziplinen wie Biologie, Physik, Chemie oder Mathematik werden miteinander verbunden. Die Schüler arbeiten im Team."

Nach einer Untersuchung des VDMA bieten zehn Bundesländer in den allgemeinbildenden Schulen ein eigenständiges Fach Technik an, acht davon aber nur als Wahlpflichtfach und nicht an allen Schulformen. Nur drei von 16 Bundesländern sehen für Gymnasiasten echten Technikunterricht vor - keines davon als Pflichtfach.

Hinzu kommt: "Oft sollen Lehrkräfte der Naturwissenschaften in ihrem Fach technische Inhalte unterrichten, obwohl sie dafür an den Hochschulen nicht ausgebildet wurden", berichtet Jörg Friedrich, Leiter der Abteilung Bildung im VDMA. "Wer Physik oder Biologie auf Lehramt studiert hat, ist noch lange nicht dazu befähigt, Technik- Kompetenzen wie Erfinden, Konstruieren und Fertigen zu vermitteln."

Besonders gut schneiden der Untersuchung zufolge Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Thüringen ab. In diesen Bundesländern gibt es an den meisten Schulformen ein eigenständiges Wahlpflichtfach Technik. Im Mittelfeld folgen zehn Bundesländer, die jeweils in unterschiedlichen Kategorien punkteten.

Unterdurchschnittliche Bewertungen erhielten Berlin, Rheinland-Pfalz und Hessen. In keinem dieser Bundesländer wurde demnach zum Stichtag Ende Mai 2018 ein eigenständiges Fach Technik angeboten. Auch ein technikorientiertes Pflichtfach gebe es nicht überall. Zudem bestehe in den drei Ländern Nachholbedarf bei den Themen "Projektorientiertes Lernen" und "Fächerkooperationen". Ausgewertet wurden die Lehrpläne der Sekundarstufe I und II aller allgemeinbildenden Schulen der 16 Bundesländer.

"Deutschlands Wohlstand basiert auf einer starken Industrie wie dem Maschinen- und Anlagenbau, und ihren technischen Innovationen", sagte Rauen. "Der Maschinenbau ist die Schlüsseltechnologie zur Lösung vieler Zukunftsfragen, zum Beispiel im Klimaschutz oder bei der Kreislaufwirtschaft."

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