1899 Hoffenheim Ende der Wohlfühloase Hoffenheim: Gisdol sortiert aus

Trainer Markus Gisdol regiert bei 1899 Hoffenheim mit eiserner Hand. Zehn Spieler wurde aussortiert.

 

Zuzenhausen - Bloß nicht noch eine Horror-Saison: Nach der zeitweise einer Achterbahnfahrt gleichenden vergangenen Spielzeit greift Trainer Markus Gisdol beim Fußball-Bundesligisten 1899 Hoffenheim knallhart durch – und macht (fast) alles anders als seine Vorgänger. Zum Trainingsauftakt der Kraichgauer sortierte der 43-Jährige gleich zehn Spieler aus. Statt wie im vergangenen Sommer vom Europapokal zu sprechen, muss Ex-Nationaltorhüter Tim Wiese seine Einheiten ab sofort in der „Trainingsgruppe 2“ absolvieren – auch Eren Derdiyok, Tobias Weis, Matthieu Delpierre, Edson Braafheid, Filip Malbasic, Luis Advincula, Afriyie Acquah, Joselu und Matthias Jaissle durften am Sonntag nicht mit ins viertägige Trainingslager nach Westerburg reisen. Das Ende der Wohlfühloase Hoffenheim.

Zwar betonte Gisdol, „die Tür ist für jeden Spieler weiter offen“ – gerade für die mehr oder weniger verdienten Nationalspieler Wiese und Derdiyok dürfte die Ausmusterung aber mehr als nur ein Wink mit dem Zaunpfahl sein. „Ich wurde zwar letztes Jahr für viel Geld geholt, aber die Verantwortlichen sagen mir ja jetzt indirekt, was sie von mir halten“, sagte der Schweizer Derdiyok bei Sport1: „Sonst hätte ich normal mittrainieren können. Jetzt muss ich mich mit der B-Mannschaft fit halten und bekomme das Gefühl, dass der Klub nicht mit mir plant.“

Wiese, der mit seinen (Karnevals-)Eskapaden neben dem Platz quasi zum Gesicht der Hoffenheimer Pleite-Serie wurde, nahm die Degradierung zunächst kommentarlos hin, noch eine Saison auf der Tribüne der Rhein-Neckar-Arena wird sich der 31-Jährige aber kaum antun. „Jeder Spieler weiß, woran er ist und kann sicher sein, dass ihm bei uns ein professionelles, bestmögliches Trainingsprogramm gewährt wird“, sagte Profifußball-Leiter Alexander Rosen.

Zu einzelnen Spielern gab Gisdol „keinen Kommentar“ ab. Auch nicht zu Mittelfeldspieler Weis, der vergangenen Schlussphase eigentlich zu überzeugen wusste. Die Radikalkur im Kader, das Ergebnis einer „umfassenden Analyse“ (Gisdol), war jedoch kaum überraschend. Die sportliche Leitung mit Gisdol und Rosen geht strikt den Weg weiter, der zur Last-Minute-Rettung in der Relegation gegen den 1. FC Kaiserslautern geführt hatte.

Auf große Namen und starke Sprüche wird im Kraichgau wieder verzichtet – das Experiment des vergangenen Sommers, als Millionen investiert und der Europapokal versprochen wurde, ist abgehakt. „Ich halte überhaupt nichts davon, über irgendwelche Tabellenplätze zu sprechen“, sagte Gisdol: „Wenn wir es schaffen eine sorgenfreie Saison zu spielen, haben wir viel erreicht.“ Sorgenfalten dürfte ohnehin eher Rosen mit Blick auf die Gehaltsliste bekommen.

Allein sechs der 37 Fußballer in Zuzenhausen kamen erst im vergangenen Winter, als der Klub von Mäzen Dietmar Hopp vor lauter Abstiegsangst gut neun Millionen Euro investierte. Gerettet hat den Herbstmeister von 2008, der am 10. August gegen den 1. FC Nürnberg in die Saison startet, dennoch eher der Wechsel auf der Trainerbank. Vermeintliche Großtaten auf dem Transfermarkt wird es entsprechend nicht geben, schon gar nicht „zu Mondpreisen, nur weil wir den ein oder anderen Euro mehr haben“, wie Gisdol betonte. Kommen soll nach den Neuzugängen Tarik Elyounoussi (Rosenborg Trondheim) und Kevin Akpoguma (Karlsruher SC) noch ein Stürmer, zumal der Abgang des Spaniers Joselu zum Ligarivalen Eintracht Frankfurt wohl kurz bevor steht.

 

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