1860-Trainerlegende im AZ-Interview Neuer Job für Werner Lorant in Waging: "Ich weiß, wie's geht!"

Damals wie heute ein Unikat: Werner Lorant, ehemaliger Erfolgstrainer der Löwen und jetziger Coach des TSV 1888 Waging am See. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Werner Lorant im AZ-Interview: „Sieben Spiele, dann gehe ich wieder in Rente“, sagt er über seinen neuen Job beim TSV Waging. Und zum Drama bei 1860 meint er: „Es ist einfach alles zu wenig“

München - Die 66-jährige Trainerlegende Werner Lorant  führte den TSV 1860 in den 90er Jahren aus der Bayern- in die Bundesliga. Bis Sommer übernimmt er den Siebtligisten TSV Waging. Die AZ sprach mit dem ehemaligen Erfolgscoach der Löwen.

AZ: Herr Lorant, wie schmeckt denn der Espresso im Vereinsheim des TSV 1888 Waging?

WERNER LORANT: Den trinke ich lieber bei meinem Kumpel Andreas Barmbichler im Kurhaus am See.

Wir beglückwünschen Sie jedenfalls zum Trainerjob.

Was heißt da Glückwunsch? Das mache ich gerne, für die Stadt Waging und den Verein. Ich lebe hier, das ist meine Heimat geworden.

Wie kam’s zum Trainer-Comeback in der Siebten Liga?

Nach der 0:3-Pleite bei Baldham-Vaterstetten ist Trainer Bernhard Zeif zurückgetreten, ich wurde gefragt und hab’ spontan gesagt: Ich mach’ euch das. Ich habe oft zugeschaut, muss die Mannschaft aber noch besser kennenlernen. Das hat man als alter Trainer schnell raus. Ich weiß noch, wie’s geht!

Sie stecken als Vorletzter mitten im Abstiegskampf.

Ich will keine Ausreden hören. Klar sind zwei, drei Leistungsträger verletzt, aber das kriegen wir schon hin! Ich habe am Dienstag zum ersten Mal trainiert, die Jungs haben gut mitgezogen. Am Samstag steigt das erste Spiel, zuhause gegen den Zweiten Kolbermoor. Wir haben jetzt noch sieben Spiele, können 21 Punkte holen.

Da stecken die Mannschaft schon im Abstiegskampf, und jetzt auch noch der beinharte Werner Lorant...

Wir sind ja nicht im Profibereich, das sind Amateure. Die müssen das spielen, was ich verlange: Laufstark, zweikampfstark. Es gibt keinen schönen Fußball mehr, nur Kampf. Fürs zweite Spiel wird man sehen, ob ich Strafen verhängen muss. Das hängt von Samstag ab und wie sich die Jungs bewegen. Wer im Spiel nicht läuft, muss im Training laufen. Ende.

Wir erinnern uns an wilde Wortgefechte, unter anderem mit Bayerns Mario Basler beim Derby gegen die Bayern.

Wenn Fußball gespielt wird, bin ich voll und ganz dabei. Sonst brauche ich das nicht machen. Ich kann mich nicht auf die Bank setzen und zusehen. Das geht nicht. Da muss ich leider ein bisschen eingreifen.

Wie sieht’s denn mit dem Gehalt für Ihre Dienste aus?

Das interessiert doch keinen. Ich mache es gerne, es ist ein Freundschaftsdienst. Wenn ich mir die Spieler der Gegner anschaue, kriege ich die Fahrtkosten ersetzt. Das reicht doch.

Wohnen Sie noch auf dem Campingplatz bei Barmbichler?

Ja, aber nicht im Wohnwagen, wie es oft heißt, das ist Quatsch. Ich wohne in einem großen Apartment im Haupthaus.

Ihnen geht’s somit wie den Löwen – die stecken auch im Abstiegskampf. Wer schafft den Klassenerhalt?

Och, beide! Aber: Bei den Löwen wird es nach dem Sieg von St. Pauli sehr schwer. So eine Heimstärke müsste Sechzig mal zeigen.

Welchen 1860-Spieler würden Sie denn am ehesten verpflichten, wenn Sie könnten?

Gar keinen.

Aber Zweikämpfer wie Stahl oder Kagelmacher müssten Ihnen doch gefallen?

Es ist einfach alles zu wenig, gerade bei Heimspielen: Spielweise, Zweikampfverhalten, Laufbereitschaft. Da reichen zwei, drei kampfstarke Spieler wie Stahl und Kagelmacher nicht, das müssen alle haben! Es ist überhaupt kein Flügelspiel vorhanden, auch die Taktik stimmt nicht.

Wie konnte es denn so weit kommen?

Die Löwen haben alles: Trainer, Co-Trainer, Sportchef, Kaderplaner – nur einen gescheiten Kader haben sie nicht. Man kann nicht mit nur einem echten Stürmer in die Saison gehen. Und von Okotie kann man nicht verlangen, dass er nach einer langen Verletzungspause sofort wieder Tore macht. Wie soll das gehen? Selbst wenn er fit gewesen wäre, macht er keine 25 Tore. In der Bundesliga würde er keine zehn machen. Und was habe ich im Winter geholt? Drei Spieler auf Positionen, die ich schon habe, aber keinen Stürmer...

Was, wenn 1860 absteigt?

Dann gehen alle Spieler weg, du musst komplett neu anfangen. Es ist anders als früher: Die Dritte Liga ist nicht viel schwächer als die Zweite. Wer den Gedanken hat, dass ein Abstieg ein Neuanfang wäre, soll bei Sechzig wegbleiben!

Haben Sie mit ihrem Engagement bei Waging die Hoffnung aufgegeben, die Löwen doch noch unterstützen zu können - in welcher Form auch immer?

Der Präsident Gerhard Mayrhofer wollte mich anrufen, das hat er nicht getan. Damit ist das Thema für mich erledigt.

Gab es denn andere Angebote?

Vorletztes Jahr gab’s eine lockere Anfrage aus Regensburg. Aber da waren die Letzter, das wollte ich mir nicht antun. Und jetzt ist auch nach den sieben Spielen Schluss. Da brauchen wir gar nicht weiterreden, dann gehe ich wieder in Rente.

Wie hoch ist die Nichtabstiegsprämie?

Das brauche ich nicht, ich brauche kein Geld. Wir steigen so und so nicht ab.

 

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