1860-Stürmer zu Valladolid Rodri macht den Abflug – und 1860 mauert sich ein

Wird die Löwen nach einem jahr wieder verlassen: Rodrigo Ríos Lozano, kurz: Rodri. Foto: dpa

Der TSV 1860 hat am Dienstag bestätigt, dass Stürmer Rodri für ein Jahr an den spanischen Zweitligisten Real Valladolid verliehen wird. Aygün: "Für beide Seiten eine gute Lösung gefunden"

 

München - Bei den Löwen rücken die Bauarbeiter an. Schubkarren, Mörtel, neue Stahl-Pfosten: Am Spielereingang vor der Geschäftsstelle und vor den hinteren Trainingsplätzen zeichneten sich gestern schon die ersten Spuren ab. Das alles soll bald dazu dienen, einen neuen Sichtschutz aufzubauen. Die Löwen schotten sich ab – und auch der Kader ist weiterhin eine Baustelle.

Nach Vereinsangaben wird man sich weiterhin als Verein zum Anfassen geben, aber einen Schritt in Richtung Professionalität gehen, um künftig Geheimtrainings auch wirklich geheim abhalten zu können. Dazu sollen die Spieler künftig vom Parkplatz direkt in die Kabinen gelangen, ohne zuvor behelligt zu werden. Was am gestrigen Dienstag trotzdem nach draußen drang: Wie die AZ am Nachmittag berichtete, wird Stürmer Rodri vom TSV 1860 an den spanischen Zweitligisten Real Valladolid verliehen.

Der 25-jährige Stürmer wechselt auf Leihbasis für ein Jahr zurück in die Heimat – zum spanischen Zweitligisten Real Valladolid. „Ich denke, damit haben wir für beide Seiten eine gute Lösung gefunden. Wir wünschen Rodri für seine neue Herausforderung alles Gute“, ließ Sportchef Necat Aygün verlauten.

Dabei sollte Rodri die Löwen eigentlich gemeinsam mit den beiden anderen spanischen Neuzugängen Edu Bedia und Ilie Sanchez in die Bundesliga ballern: Er war im Sommer 2014 als großer Hoffnungsträger zu 1860 gewechselt, acht Tore in 27 Spielen für Primera-Division-Klub UD Almeria konnten sich sehen lassen. Der kleine Knipser konnte den Ansprüchen aber wegen Verletzungsproblemen, der baldigen Löwen-Talfahrt und seiner ureigenen Definition eines professionellen Fußballer-Daseins nicht gerecht werden. Im Kasten des Gegners hat’s nur ein Mal gescheppert, nämlich am 26. Spieltag beim 1:1 gegen Aalen. Sonst? Nix. Der teuerste Löwen-Transfer der vergangenen Saison schlug nicht ansatzweise ein.

Stefan Ortega würde womöglich etwas anderes behaupten. Weil Rodri lediglich bei einer Watschn für den Torwart und dem Aneinanderreihen diverser Undiszipliniertheiten durchschlagenden Erfolg hatte, dürften die Löwen froh sein, eines ihrer spanischen Missverständnisse endlich loszuwerden.

Die Ortega-Watschn war dabei nicht die einzige Undiszipliniertheit von Rodri, dem Heißsporn espanyol: Zuvor fiel er durch Unpünktlichkeit, vergessene Fußballschuhe und einen Sitz-Streik auf der Bank während des Aufwärmens auf – aus Frust, dass er nicht in der Startelf stand, schmollte er lieber. Rodri wurde schließlich endgültig suspendiert, sah sowohl beim Fast-Abstieg als auch in der Vorbereitung der Neu-Saison nur noch zu. Jetzt werden die Löwen den Störenfried endlich los – zumindest vorläufig: Sein Vertrag läuft noch bis 2017. Sechzig muss also die Daumen drücken, dass sich der Stürmer während seines Leihgeschäfts besser macht und die Spanier dann die Kaufoption ziehen.

Nicht nur der Stürmer scheiterte aber, sondern das ganze Spanien-Trio: Bei Bedia war’s die Dauer-Verletzung, der Mittelfeld-Techniker floh bereits zu Oviedo. Sanchez hingegen fehlen Qualität, Durchsetzungsvermögen und Integrationsbereitschaft. Er wurde gemeinsam mit Rodri suspendiert, bei ihm gestaltet sich der Problem-Beseitigungsprozess allerdings schwieriger – also weiter Abstellgleis. Das dreifache spanische Missverständnis steht sinnbildlich für die verkorkste Einkaufspolitik von Spanien-Liebhaber und Ex-Sportchef Gerhard Poschner: Der Brasilianer Leonardo flüchtete schon kurz nach der Entlassung von Ricardo Moniz, auch Anthony Annan und Martin Angha flohen nach kurzer Zeit und gescheiterter Mission.

Während die Löwen noch damit beschäftigt sind, Poschners Spuren zu beseitigen, freut sich Valladolid auf seinen Neuzugang: Man gewinne einen „aggressiven“ Stürmer, der sich in München „nicht anpassen konnte“, schreiben die Spanier auf ihrer Homepage. Dort hofft man, dass der hitzige Spanier in seinem Heimatland seine Aggressionen auf dem Platz auslebt und zu alter Form zurückfindet.    

 

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