1860-Sportchef Vorbild Beckenbauer

1860-Sportchef Florian Hinterberger Foto: sampics/AK

1860-Sportchef Florian Hinterberger hat seinen Vertrag bis Sommer 2013 verlängert. Hier erklärt er, an wem er sich orientiert, wie er den Kader verbessern und die großen Ziele erreichen will.

 

AZ: Herr Hinterberger, Sie haben zuletzt zwei Spieler geholt und dann bei den Löwen bis Sommer 2013 verlängert - war die zurückliegende Ihre größte Woche bei 1860?


FLORIAN HINTERBERGER: Es war auf jeden Fall eine sehr erfreuliche, aus der man ganz anders rausgeht, als man in sie hineingegangen ist. Dass wir Gi Vallori und Maximilian Nicu holen konnten, zwei Transfers, die mit ganz heißer Nadel gestrickt waren, war sehr positiv. Und meine Vertragsverlängerung sehe ich als Vertrauensbeweis und Bestätigung meiner Arbeit. Aber meine größte Woche war's nicht - das sind nämlich die, in denen wir Punkte holen. So wie die fünf Wochen vor Weihnachten.


Ihr Vertrag zeigt die Wertschätzung des Vereins. Sind Sie nun stolz?


Sagen wir, ich bin glücklich, wie es gelaufen ist. Stolz bin ich, wenn wir unser Ziel geschafft haben und in der Bundesliga sind. Aber ich will meine Arbeit nicht zu sehr auf mich beziehen - ich bin ein Kommunikator, ein Teamarbeiter. Vertrauen zu schaffen, das ist mit das Wichtigste. Ich höre mir immer andere Meinungen an, bin offen für Argumente, auch wenn ich am Ende den sportlichen Bereich zu verantworten habe. Ich war noch nie auf einem Egotrip – und ziehe gerne als Vorbild Franz Beckenbauer heran, der stand zwar immer im Rampenlicht, war aber immer auch ein Teamplayer. Mit dem Prinzip „Geben und Nehmen” wurde er so erfolgreich. Wäre ich Einzelkämpfer, müsste ich Tennisspielen oder zum Boxen gehen.


Moment, geboxt wird bei 1860 allerdings schon. Zumindest verbal.


Es wird zumindest nie langweilig bei uns. Hier schläft man nicht ein, hier ist es immer laut, und sicherlich wurde in den letzten Wochen mal wieder einiges auf die Spitze getrieben. Aber im Vergleich zum letzten Mai, als ich hier angefangen habe und die gesamte Zukunft völlig ungewiss war, geht es uns jetzt schon deutlich besser. Wir haben in den letzten Wochen erst eine Basis geschaffen, aber zufrieden ist hier keiner, so lange wir zweitklassig sind. Wir wissen, dass uns Leute in ganz Deutschland in der Bundesliga sehen wollen - das ist doch ein riesiger Auftrag, dem wir gerecht werden wollen.


Der Verein sagt, man setze durch Ihre Verlängerung auf Konstanz - doch Sie verlängern nur um ein Jahr. Ist das kein Widerspruch in sich?


Für mich nicht, wir haben ja nicht mal über eine andere Laufzeit verhandelt. Ich sehe das alles sowieso ganz einfach: Wenn ich meinen Job gut mache, dann arbeite ich weiter. Und wenn ich das nicht mache, dann nicht. Von daher spielt die Laufzeit für meine Tätigkeit keine entscheidende Rolle.


Haben Sie unter dem Investor einen Traumjob?


Es wird natürlich sehr viel erwartet, und wenn Geld kommt, müssen die dafür geholten Spieler auch einschlagen. Auch wenn ich schon ein ganzes Archiv voller interessanter Spieler für den Sommer im Kopf habe, es werden keine zehn neuen Leute kommen. Wir werden unseren Kurs nicht verlassen. Erst mal aber geht es darum, mit den Spielern, deren Verträge auslaufen, zu sprechen. Ich habe zum Beispiel auch Stefan Aigner noch nicht aufgegeben. Ich werde um ihn kämpfen.


Und jetzt geht am Montag die Rückrunde weiter. 1860 ist in Lauerstellung auf Platz sechs. Geht's noch mal nach vorne?


Wir sind abhängig von anderen, das ist nicht gut, aber wir sind Jäger, das ist immer gut. Wir haben vor der Winterpause bewiesen, dass wir einen Lauf haben können. Jetzt hoffen wir darauf, dass die vor uns stolpern und dass wir weiter punkten. Es ist nicht verboten, Hoffnung zu haben.

 

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