1860-Sieg gegen Dresden AZ-Analyse: Biero-Effekt? Löwen-Dusel!

Die doppelte Faust dank Levent Aycicek: 1860-Interimstrainer Daniel Bierofka und sein Assistent Denis Bushuev (hinten) freuen sich über den 1:0-Sieg der Löwen gegen Dynamo Dresden. Foto: Rauchensteiner/Augenklick

Der TSV 1860 hat am Samstag einen Befreiungsschlag gelandet und gegen Dynamo Dresden mit 1:0 gewonnen. Warum es für die Löwen im zweiten Spiel unter Daniel Bierofka zum ersten Sieg gereicht hat, sehen Sie hier in der AZ-Analyse.

 

München - Zweiter "Biero"-Einsatz, erstes Erfolgserlebnis: Der TSV 1860 hat zweiten Spiel unter der Anleitung von Interimstrainer Daniel Bierofka am Samstag gegen Dynamo Dresden einen eminent wichtigen 1:0-Sieg gefeiert. Damit verschaffen sich die Sechzger dank Levent Ayciceks Siegtreffer in der vorletzten Spielminute etwas Luft im Tabellenkeller.

Das Spiel: 1860 begann mutig und wirkte nicht nur in der Anfangsphase, sondern auch über weite Strecken des Spiels stabil. Die Bierofka-Löwen zeigten, dass sie wollten. Das altbekannte Problem, den Spielaufbau in gefährlichen Szenen vor dem gegnerischen Tor münden zu lassen, bekam allerdings auch Bierofka noch nicht in den Griff. Demzufolge entwickelte sich eine spannendes Partie, die zunächst ohne große Möglichkeiten auskommen sollte. Nach der Pause tauchten aufgrund der immer größer werdenden Risikobereitschaft beider Teams und derselben Anzahl von Torschüssen (10:10) überwiegend die Sachsen gefährlich vor das Tor der Sechzger auf. Dresden hätte die Partie längst durch vier beste Möglichkeiten längst entscheiden müssen - dann kam Aycicek und sorgte für blaue Jubelstürme.

Das Tor: In der 89. Minute schnappte sich der Leihspieler von Werder Bremen die Kugel im Mittelfeld. Aycicek marschierte los, dribbelte sich bis zur Strafraumgrenze und zog mit Schmackes ab - Dresden-Keeper Marvin Schwäbe hatte die Fingerspitzen noch dran, konnte den Einschlag aber nicht mehr verhindern. Sechzigs Sieg eingetütet: dank einer ganz starken Aktion von Matchwinner Aycicek.

Das war gut: Die "Biero"-Löwen bewiesen Moral, sie zeigten Kampfgeist und kämpften sichtlich um ein Erfolgserlebnis gegen den formstarken Tabellen-Siebten. Knapp 20.000 mitgereitse Gästefans, formstarke Dresdner - unter diesen Bedingungen muss man erstmal bestehen. Die Blauen blieben anfangs cool und standen gut kompakt. Während die Statistiken die Sechzger zuletzt teils als lauffaul auswies, rannten die Spieler diesmal knapp 117 Kilometer und damit vier mehr als der Gegner. Hervorzuheben ist neben dem Siegtorschützen auch Stefan Ortega: Der von Bierofka zur neuen Nummer Eins beförderte Keeper hatte lange Zeit nicht einen einzigen gefährlichen Torschuss zu parieren, wurde durch einige Ausflüge und vor allem zwei ganz starker Paraden aber zum Garanten dafür, dass zum dritten Mal in dieser Saison die Null stand.

Das war schlecht: Während die Gäste in Sachen Zweikampf und Ballbesitz einen Hauch besser waren (jewiels 52:48 Prozent), fanden die Giesinger kein Mittel gegen die schnellen Konter der Dynamos. Immer wieder rannten Kai Bülow, Romuald Lacazette und Michael Liendl schon im Mittelfeld hinterher. In der Schlussphase wackelte 1860 immens und hatte letzten Endes großes Glück, dass es zum Sieg reichte.

Die Szenen des Spiels: Aus Sicht der Sechzger wäre das natürlich Ayciceks überragende und siegbringende Einzelaktion. Aber: Hätte Torjäger Stefan Kutschke bei einer seiner zahlreichen Chancen in der 62. Minute nicht völlig freistehend über den Kasten gezielt, hätten die Löwen einem Rückstand hinterherlaufen müssen. So platt wie die Elf von Bierofka zu diesem Zeitpunkt bereits war, hätte für dieses letztlich bis zum Schluss darmatische Spiel der Leitsatz gelten können: Wer zuerst trifft, der siegt - und das waren schlussendlich die Löwen.

Das sagt 1860-Interimstrainer Daniel Bierofka: "Ob es heute glücklich war oder nicht, ist nicht entscheidend. Der Sieg war überlebenswichtig. Es gibt keinen Biero-Effekt - das sind die Jungs, de auf dem Platz stehen. Wir haben sehr mutig gespielt, beide Mannschaft haben früh attackiert. In unserer Phase kann es vorkommen, dass das Selbstvertrauen fehlt und man Fehler macht. Aber was ich meiner Mannschaft zugute halten kann: WIr haben immer wieder dagegenhalten. Leider hat uns am Ende die Kraft gefehlt. Tego (Stefan Ortega, d. Red.) hat uns mit seinen Paraden super im Spiel gehalten. Dann schnappt sich Levent den Ball und hatte die Überzeugung, das Ding zu machen. Das Ding hätte auch in die andere Richtung gehen können. Ich habe jetzt wieder eine Trainingswoche Zeit, dann werden wir wieder eine Woche einen Schritt weiter sein."

Das sagt Dresdens Trainer Uwe Neuhaus: "Wir haben in der ersten Halbzeit ein richtig gutes Spiel gesehen, von beiden Mannschaften. Es war sehr diszipliniert und gab auf beiden Seiten ein paar Halbchancen. Das 0:0 war absolut in Ordnung. In der zweiten Halbzeit haben wir uns in einer Abtastphase ein Auszeit genommen, hatten viele Fehlpässe. Danach konnten wir uns nochmal straffen und haben einen Angriff nach dem anderen auf das Tor der Sechzger gefahren. Wir sind vier Mal alleine aufs Tor gelaufen.Hätten wir nur eine unserer Chancen genutzt, hätte es nur einen Sieger gegeben. Wir haben aber nicht die optimale Lösung gefunden. Das ist das Einzige, was ich der Mannschaft vorwerfen kann. Die individuelle Qualität ist bei 1860 absolut vorhanden, deswegen haben sie das Spiel gewonnen."

 

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