1860-Pleite gegen Frankfurt Die Löwen: Gruselkick vor Gruselkulisse

Die Löwen vor (fast) leeren Rängen: Nur 13.000 Fans wollten das Spiel des TSV 1860 München gegen FSV Frankfurt sehen. Foto: sampics/augenklick

Auch gegen den FSV Frankfurt verlieren die Löwen mit 0:2, werden vom eigenen Anhang ausgepfiffen. „Das ist eine Katastrophe“, sagt Kapitän Schindler nach der erneuten Heimpleite. Wie Sechzig seine Fans vertreibt.

 

München - Als die Zuschauerzahl eingeblendet wurde, skandierten die Fans des TSV 1860 „Grünwalder Stadion“. Wie so oft, wenn die ungeliebte Allianz Arena fast leer ist. Ganze 13.800 Fußballfans hatten sich am ersten Advent nach Fröttmaning verirrt. Eine Geisterkulisse passend zu einem Gruselkick. Die Löwen vertreiben ihre Fans. Wie beim 0:2 gegen den FSV Frankfurt: keine Zuschauer, keine Stimmung, keine Leistung, keine Punkte. Die Konsequenz: Tabellenplatz 15, Abstiegskampf.

Bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt gefror den Sechzig-Fans schnell das Lächeln im Gesicht. Selbst das Pfeifkonzert am Ende trister 90 Minuten wollte nicht recht gellen im weiten Rund der Arena. Selten hatte ein Spiel so wenig zu bieten gehabt wie der uninspirierte Kick, den Sechzig und der FSV darboten. In den ersten 30 Minuten verzeichneten die Statistiker keinen einzigen Torschuss. Und selbst, als die Löwen kurz vor der Pause aufwachten und durch Rama und Adlung die ersten gelungenen Aktionen hatten, war der letzte Wille, ein Tor zu erzielen, nicht zu spüren.

Schmerzlich wurde den Löwen-Fans bewusst, wie wenig offensive Qualität Sechzig ohne Rubin Okotie zu bieten hat. Der Zehn-Tore-Mann hatte verletzt passen müssen. Das 0:1 durch Zlatko Dedic (44.) kurz vor dem Halbzeitpfiff war dann ein Paradebeispiel für das einfallslose Spiel der Sechzger. Gui Vallori schlug einen Ball ohne Not planlos nach vorne. Doch das Leder kam umgehend zurück. Dedic nahm die Kugel an, ließ Kapitän Schindler wie einen Schuljungen ins Leere grätschen, überlief den hilflosen Vallori und blieb vor dem bemitleidenswerten Stefan Ortega eiskalt.

Ortega bekam in diesem Spiel drei halbwegs gefährliche Schüsse auf sein Tor. Zwei waren drin. Beim zweiten Tor kurz vor Schluss wurde er im Eins-gegen-Eins von Mario Engels (89.) umkurvt. Wieder hatte Vallori nicht aufgepasst und den Sohn des früheren Nationalspielers Stephan Engels in seinem Rücken entwischen lassen.

Dazwischen lag eine zweite Halbzeit, in der Frankfurt nicht mehr tat als nötig. Und weil die Löwen noch weniger zustande brachten und ihre wenigen Chancen kläglich vergaben, stand am Ende eine rundheraus verdiente Pleite – die vierte Heimpleite in Serie.

Skurril, welches Bild sich nach dem Spiel auf der Pressekonferenz der beiden Trainer darbot. Nicht Löwen-Coach Markus von Ahlen zeigte sich unzufrieden mit der Leistung seiner Mannschaft. Benno Möhlmann war es, der das Spiel seines FSV kritisierte. „Wir haben drei Punkte geholt, aber ein gutes Spiel meiner Mannschaft habe ich nicht gesehen.“ Und von Ahlen? Der lobte einen „kompakten Gegner“, hob hervor, dass die Löwen nach dem 0:1 „den Druck noch einmal erhöht“ hätten. Lediglich „die letzte Präzision“ hätte im Abschluss gefehlt.

Und dann war da noch das Fehlen Okoties. „Wir mussten auf viele Spieler verzichten. Die Mannschaft hat alles versucht.“ Es war Christopher Schindler, der seinem Chef widersprach. „Wir dürfen die Niederlage nicht an einem Spieler festmachen. Das wäre zu leicht.“

Recht hatte er. Auch mit dem, was er dann sagte. „Das 0:2 ist eine Katastrophe. Der Unmut der Fans ist verständlich.“ Denn auch dem Kapitän war nicht entgangen, dass nicht einmal mehr 15000 Zuschauer zu einem Heimspiel gekommen waren. Seit Wochen betonen die Verantwortlichen beim TSV, wie gut die Beziehung zwischen Verein und Anhängern sei. Doch Schindler nannte die Fakten. „Die Fans, die jetzt noch da sind, sind der härteste Kern. Sie stehen noch immer hinter uns. Aber wir müssen endlich gewinnen. Sonst wird aus einer schwierigen Situation eine sehr schwierige Situation.“ Und das Stadion noch leerer.

 

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