1860-Boss im Interview Cassalette: "Olympiastadion keine eigene Heimat"

1860-Boss Peter Cassalette. Foto: dpa

Das Stadionprojekt des TSV 1860 München in Riem ist gescheitert. Eine Alternative ist damit wieder der Olympiapark. 1860-Präsident Peter Cassalette gibt sich in dieser schwierigen Situation kämpferisch.

München - "Mit euch Löwen werden wir ein neues Stadion bauen, das den Namen, die Identität und Tradition des TSV 1860 trägt", hatte Investor Hasan Ismaik den Traum vom eigenen Löwen-Käfig im Januar 2016 mit einem waghalsigen Versprechen befeuert.

Doch dieser Traum erlitt am Montag einen herben Dämpfer – und Oberbürgermeister Dieter Reiter stellte zudem den Oberlöwen bloß.

Löwen-Präsident Peter Cassalette gibt sich in dieser verfahrenen Situation kämpferisch. Der 64-Jährige im Interview.

AZ: Wie bewerten Sie die Absage von Oberbürgermeister Dieter Reiter bezüglich des Standortes eines neuen Stadions des TSV 1860 am Messegelände in Riem?

Peter Cassalette: Riem scheidet mit dieser Entscheidung aus. Wir haben bis zuletzt gehofft, dass dieser Standort eine Option ist, mit der wir weiterplanen können. Wir werden uns jetzt neu orientieren.

Unser Traum vom eigenen Stadion lebt selbstverständlich weiter. Um welche "Nutzungskonflikte", wie Reiter schreibt, handelt es sich?

Das ist eine Entscheidung der Stadt, die wir so akzeptieren müssen.

Aus welchen Gründen sehen Sie das Olympiastadion nicht als erste Option?

Das Olympiastadion ist eine Option, die wir prüfen müssen wie alle anderen auch. Letztendlich wäre es eine eigene Spielstätte, aber keine eigene Heimat im Unterschied zu einem von uns geplanten und neu gebauten Stadion.

Welche alternativen Standorte sind nun denkbar?

Wir werden jetzt erneut alle Optionen in Erwägung ziehen und prüfen, es gibt weitere Gespräche mit der Stadt und OB Reiter. Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch nichts spruchreif. Ist ein Stadion-Neubau für Sie unumgänglich? Wie schon gesagt: Ein eigenes, von uns geplantes und nach unseren Wünschen gestaltetes Stadion, wäre die präferierte Variante.

Es gibt nach wie vor zahlreiche Anhänger des Sechzgerstadions, die trotz mehrfacher Erklärungen, dass die veraltete Heimstätte keine echte Alternative mehr darstellt, weiter an eine Rückkehr glauben. Was können Sie ihnen sagen?

Der Status beim Grünwalder Stadion ist unverändert. Stand jetzt ist dort kein Bundesliga-Fußball möglich.

Hasan Ismaik hat in seiner Erklärung auf Facebook den Eindruck erweckt, die Stadt München habe den Wunsch der Löwen abgelehnt, OB Reiter veröffentlichte daraufhin den Schriftverkehr zwischen beiden Parteien, der Gegenteiliges besagt.

Sowohl mit Hasan Ismaik als auch mit OB Reiter bin ich im direkten Austausch zu diesem Thema. Das werde ich auch so beibehalten.

Ismaik hat dabei auch erstmals eine geplante Umstrukturierung des Nachwuchsleistungszentrums angekündigt. Was halten Sie von den Plänen, auch das NLZ zu erweitern und auch für die Jugend eine neue Anlage zu schaffen?

Wir wollen dieses ausgezeichnete Niveau auf jeden Fall halten. Die Konkurrenz in Bayern entwickelt sich weiter, dementsprechend müssen auch wir uns weiterentwickeln. Von daher ist es sicher sinnvoll, sich auch in diesem Bereich immer weiter zu professionalisieren.

Sie haben im Münchner Merkur ein Treffen mit Reiter angekündigt. Wann soll es in etwa stattfinden und um welche Themen wird es gehen?

Wenn es soweit sein wird, werde ich mit ihm persönlich darüber sprechen.

Wie sehr sind Sie weiterhin von einer Lösung der Stadionfrage und der Erfüllung des Traumes einer eigenen Heimat überzeugt?

Sie kennen mich doch inzwischen: Ich bin ein unverbesserlicher Optimist, der niemals den Glauben verliert.

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