18 Hanfpflanzen in Wohnung gefunden Amokläufer von Ansbach stand unter Cannabis-Einfluss

Der Amokläufer von Ansbach hat vor seiner Tat Cannabis zu sich genommen. Auch in seiner Wohnung wurden Drogen gefunden - insgesamt 18 Cannabispflanzen. Foto: az/dpa

Er soll zwei Menschen erschossen und weitere bedroht haben: Der mutmaßliche Amokschütze aus Ansbach hat vor seinen Taten Cannabis zu sich genommen. Auch für die Frage seiner Schuldfähigkeit ist diese Erkenntnis wichtig.

 

Leutershausen/Ansbach - Bei seinem Amoklauf mit zwei Toten in Mittelfranken hatte der mutmaßliche Täter Drogen im Blut. Wie die Staatsanwaltschaft Ansbach am Montag mitteilte, stand der 47-Jährige während der Taten "akut unter dem Einfluss von Cannabisprodukten". Das hätten Blut- und Urinproben ergeben, die dem Beschuldigten nach seinen Taten entnommen worden seien.

Wie hoch die Konzentration der Drogen war und wie stark der Mann dadurch möglicherweise beeinträchtigt war, wollte ein Sprecher der Behörde nicht sagen. Ein Sachverständiger stellte zudem fest, dass der Schütze in den ein bis zwei Wochen vor den Taten ebenfalls wiederholt Hanf-Produkte zu sich genommen hatte. In der Wohnung des 47-Jährigen, die seinen Eltern gehört, hatte die Polizei 18 Cannabispflanzen gefunden.

Der 47-Jährige soll vor zehn Tagen in Leutershausen bei Ansbach eine 82 Jahre alte Frau und einen 72 Jahre alten Radfahrer aus einem Auto heraus erschossen haben. Auf seiner anschließenden, rund 30 Kilometer langen Fahrt nach Bad Windsheim schoss der Sportschütze den Ermittlungen zufolge auch auf eine Autofahrerin und einen Traktorfahrer. An einer Tankstelle konnte der Mann schließlich überwältigt werden.

In seinem Blut und Urin wurde unter anderem Tetrahydrocannabinol (THC) festgestellt - ein Bestandteil der Hanfpflanze, der den Rauschzustand hauptsächlich bewirkt. Hinweise auf andere Betäubungsmittel ergaben sich nicht. Auch Alkohol hatte der Mann vor seinem Amoklauf nicht getrunken.

Die Ergebnisse sind auch für den psychiatrischen Sachverständigen wichtig, der den Beschuldigten derzeit auf seine Schuldfähigkeit untersucht. Dieses Gutachten soll bis Ende September vorliegen.

Der Anwalt des Mannes, Benjamin Schmitt, sagte, dass sein Mandant wohl nicht schuldfähig war. "Er ist gar nicht in der Lage, das tatsächlich Geschehene als solches zu realisieren", sagte Schmitt vor wenigen Tagen. Der 47-Jährige soll bereits seit mehr als zehn Jahren psychische Probleme haben. Ein Sachverständiger bescheinigte dem Mann kurz nach der Tat eine "akute Psychose mit einem bizarren Wahnsystem". Der Sportschütze wurde im Bezirkskrankenhaus Ansbach untergebracht.

 

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