17 Jahre nach ihrem Verschwinden Geständnis im Fall Peggy: ist Manuel S. ihr Mörder?

, aktualisiert am 21.09.2018 - 16:58 Uhr
Peggy verschwand 2001, Anfang 2016 fanden Pilzsammler dann Teile des Skeletts. Foto: Bodo Schackow/David-Wolfgang Ebener/dpa/AZ

Das Schicksal von Peggy zählt zu den rätselhaftesten Vermisstenfällen in Deutschland. Jahrelang galt sie als verschollen, bis ein Pilzsammler Knochen des Kindes entdeckte. Nun sprechen die Ermittler von einem Geständnis.

 

Bayreuth - Haben die Ermittlungsbehörden den Mörder der kleinen Peggy (9) aus Lichtenberg endlich gefunden? Oder dreht sich alles nur im Kreis? Die Staatsanwaltschaft spricht 17 Jahre nach dem Verschwinden des Mädchens und zwei Jahre nach dem Fund von Skelettteilen in einem Waldstück an der Landesgrenze zu Thüringen von einem "wesentlichen Schritt".

Was steckt dahinter? Dieser "wesentliche Schritt" sind mikroskopisch kleine Partikel, Pollen und Farbreste. Sie stammen aus abgetragenem Erdreich um die Fundstelle der skelettierten Leiche und wurden mit modernsten Methoden wissenschaftlich untersucht. Die winzigen Reste führten die Polizei zu Manuel S. (41), gegen den schon kurz nach Peggys Verschwinden ermittelt worden war. Ulvi K., der später wegen des Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt und in einem spektakulären Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen wurde, hatte ihn beschuldigt.

Diesmal scheint es umgekehrt zu sein. Manuel S., dessen Wohnung vor zwei Wochen von den Ermittlern durchsucht wurde, hat nach Angaben der Behörden einen Mann beschuldigt. Dieser soll ihm die Leiche des Mädchens übergeben haben. Er selbst habe nur die Leiche vergraben und Kleidung und Schulranzen des Mädchens verbrannt.

Tatverdächtiger äußert zweifelhafte Geschichte

Wer ist der zweite Mann? Polizei und Staatsanwaltschaft hüllten sich bei der Pressekonferenz zwar in Schweigen, wer dieser Mann sein soll, doch aus Ermittlungskreisen sickerte durch, dass es sich dabei um Ulvi K. handeln soll. War er etwa doch der Täter oder ist es nur ein Racheakt, weil ihn Ulvi K. damals beschuldigt hatte?

Was hat Manuel S. genau über den Tattag gesagt? Der Beschuldigte habe vor einigen Tagen bei einer Vernehmung angegeben, dass er das leblose Kind von einem anderen Mann an einer Bushaltestelle übernommen habe. Er habe noch versucht, das Mädchen zu beatmen – es dann jedoch in eine rote Decke gepackt, in den Kofferraum seines goldfarbenen Autos gelegt und in den Wald gebracht.

Stimmt die Version, die Manuel S. jetzt erzählt? Staatsanwalt Daniel Götz ließ indirekt erkennen, dass dieser Version vonseiten der Ermittlungsbehörden kein Glauben geschenkt wird. Über Verdachtsmomente, die aber nicht ausreichen, um einen Haftbefehl zu erwirken, sind Staatsanwaltschaft und Polizei bisher nicht hinausgekommen. Immerhin konnte durch die Auswertung einer Überwachungskamera der Sparkasse das ohnehin wackelige Alibi von Manuel S. zum Einsturz gebracht werden. Anhand der Aufnahmen steht fest, dass er sich zum Tatzeitpunkt mit seinem Audi 80 (Kennzeichen HO-CV 469) in Lichtenberg aufhielt. Vorher hatte er dies bestritten.

Die Lichtenberger sind skeptisch

Die Ermittler suchen nun nach Zeugen, etwa ob jemand das goldfarbene Auto damals, im Mai 2001, gesehen hat. Nach wie vor ist eine Belohnung für hilfreiche Hinweise ausgesetzt.

Was ist mit Ulvi K.? Für ihn hat die belastende Aussage keine Auswirkungen. Er kann wegen des Mordes nicht noch einmal vor Gericht belangt werden. Indirekt wurde dies bei der Pressekonferenz von Staatsanwalt Daniel Götz bestätigt. Er erklärte, dass kein weiterer Beschuldigter geführt werde.

Wie schätzen die Lichtenberger die neue Entwicklung ein? In Lichtenberg blickt man gespannt, aber auch mit Skepsis auf die neue Entwicklung. In den vergangenen Jahren war nicht nur Manuel S. als Mordverdächtiger "gehandelt" worden. Erst im vergangenen Jahr waren Ermittlungen gegen vier Männer aus dem Umfeld des Opfers eingestellt worden.

Dennoch: Bürgermeister Holger Knüppel zeigte sich nach den neuesten Nachrichten erleichtert: "Ich bin froh, dass die Ermittlungen nun zu einem weiteren konkreten Ergebnis geführt haben", teilte er mit. "Nun sieht es tatsächlich so aus, als ob der Fall endgültig gelöst werden kann. Das hoffe ich zumindest sehr!"

 

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