1.210 Fälle im letzten Jahr Obdachlos: Jetzt trifft es auch das Umland

Auch in Ottobrunn wird Wohnraum knapp. Foto: dpa

Über 1.000 Fälle im Jahr bearbeitet die Wohnungsnotfallhilfe im Landkreis München.

 

München/Ottobrunn - Wenn es um Obdachlosigkeit geht, stand das Münchner Umland bislang nicht so sehr im Fokus. Im Speckgürtel wohnen doch die Betuchten, dachte man. Und auch wenn jemand nicht so viel Geld hat, findet er draußen außerhalb der Stadt doch immer noch ein bezahlbares Plätzchen. Doch weit gefehlt.

Die Wohnungsnotfallhilfe der AWO München-Land hat gestern Bilanz gezogen. Seit zehn Jahren gibt es die Einrichtung mittlerweile. In dieser Zeit hat die Fachstelle 9.851 Fälle betreut, in denen Menschen aus dem Landkreis München kurz davor standen, auf der Straße zu landen.

Trotz Jubiläum ist der Wohnungslosenhilfe deshalb nicht nach Feiern zumute. Im Gegenteil: "Dass es uns immer noch braucht, ist eher ein alarmierendes Signal", sagt AWO-Vorstand Michael Germayer. Denn auch der Speckgürtel ist inzwischen so teuer, dass sich viele Leute dort das Wohnen nicht mehr leisten können.

Allein im vergangenen Jahr musste die Wohnungsnotfallhilfe in 1.210 Fällen aktiv werden. Tatsächlich obdachlos sei zwar nur "ein kleiner Prozentsatz" geworden, wie Stefan Wallner sagt, der Leiter der Fachstelle. Erschreckend sei aber, dass es mittlerweile auch die Mieter mit einem regulären Job treffe. "Die Leute verdienen einfach nicht mehr genug", sagt Wallner.

Die Wohnungsnotfallhilfe schaltet sich ein, wenn jemandem die Wohnung gekündigt worden ist oder er kurz davor steht, rauszufliegen. Die Fachstelle versucht dann, mit dem Vermieter zu vermitteln, oder hilft dabei, eine neue Bleibe zu finden.
157 Tage hat es vergangenes Jahr im Schnitt gedauert, bis eine Ersatzwohnung gefunden war. Wenn jemand bereits obdachlos war, waren es sogar 384 Tage. Das zeigt, wie extrem angespannt der Mietmarkt mittlerweile auch im Umland ist.

Problematisch sei auch, sagt Fachstellenleiter Stefan Wallner, dass sich viele Wohnungslose selbst stigmatisierten. Wer erst seinen Job verliert und in der Folge vielleicht auch noch seine Wohnung, nehme sich nicht mehr als wertvoll war. So habe man auf dem Mietmarkt kaum eine Chance.    

 

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