110 wegen zu laut "Stille Nacht" Münchner Polizistin erzählt: So läuft eine Schicht an Weihnachten

Polizeibeamtin Birgit P. arbeitet über Weihnachten. Foto: D. v. Loeper

Eine Polizistin erzählt, wer an den Feiertagen den Notruf wählt – und warum Feiertagsarbeit entspannt sein kann.

 

München - An Heiligabend gibt es Kinderpunsch im Polizeipräsidium an der Ettstraße – zumindest, wenn das die Einsatzlage zulässt.

Birgit P. gehört zu den Polizisten, die über die Weihnachtsfeiertage Dienst haben. Die 47-Jährige arbeitet in der Einsatzleitstelle im Präsidium. Hier, in einem dunklen Raum voller Telefone und Bildschirme, laufen die Münchner 110-Notrufe ein und werden dann an zuständige Polizisten weitergeleitet.

Ruhige Weihnachten bei der Polizei München

Dass es mit dem Punsch klappt, ist gar nicht so unwahrscheinlich. Denn die Weihnachtstage sind bei der Polizei meist ruhiger, als es die Kombination aus Stress und Alkohol befürchten lässt, die es an diesen Tagen in der Stadt bei vielen Familien gibt.

Darum wählen Münchner zu Weihnachten den Notruf 

Klar, dass ein Familienstreit eskaliert und jemand seine Verwandtschaft von der Polizei vor die Tür setzen lässt, passiere zwar auch hin und wieder, erzählt die 47-Jährige. Aber eben nicht so häufig.

Ein typischer Grund, warum Leute an Weihnachten die Polizei rufen, seien Beschwerden über Ruhestörung. Manch einen nervt wohl die Weihnachtsmusik nach zehn Uhr schon so sehr, dass die 110 gewählt wird. Doch auch "zu laute Gespräche" seien ein Grund, warum Menschen zum Hörer greifen.

Stress der Vorweihnachtszeit vorbei

Allgemein sei es aber so, dass die Leute oft verständnisvoller und freundlicher reagieren an den Feiertagen. Dies sei ein Kontrast zur Vorweihnachtszeit, wenn viele oft sehr gestresst und auch aggressiv sein können. Die Polizistin: "Selbst wenn man dann an Weihnachten mal etwas länger auf die Polizei warten muss, verstehen die meisten Leute das."

Trotzdem ist bei ihr Erleichterung da, wenn die Arbeitszeit vorbei ist: "Ich bin nur immer sehr froh, wenn sich keine großen Dramen ereignen und ich nach meiner Schicht beruhigt nach Hause gehen kann." Dass sie an Weihnachten arbeiten muss, macht ihr nicht so viel aus. Ihre Familie hat sich mit der Situation arrangiert: "Meine Kinder sind schon im Teenageralter, da wird man nicht mehr so vermisst, wie wenn man kleine Kinder hat."

Weihnachten für eine Münchner Polizistin

Dieses Jahr fängt P. ihren Dienst am Weihnachtsfeiertag erst mittags um 12 Uhr an, vor zwei Jahren musste sie auch schon mal an Heiligabend eine Schicht übernehmen. Wer über die Weihnachtsfeiertage arbeiten muss, das bestimmt bei der Polizei der Schichtrhythmus. Wenn jemand aber mal unbedingt an Heiligabend zu Hause bleiben will, kann man auch mit einem Kollegen tauschen – vorausgesetzt, es findet sich jemand.

Manchmal, sagt Birgit P., kann so eine Weihnachtsschicht Vorteile haben: "Als ich vor zwei Jahren an Heiligabend gearbeitet habe, war das wirklich sehr entspannt. Ich hatte viele Verwandte zu Gast. Wir haben dann früh gekocht und gegessen. Ums Aufräumen haben sich dann aber die anderen gekümmert, ich musste ja in die Arbeit. Als ich dann hier in der Zentrale angekommen bin, war ich wirklich tiefenentspannt", so die Polizistin.

Doch nicht nur die Polizei hat an Weihnachten Dienst, auch Rettungssanitäter und Feuerwehrleute sorgen über die Feiertage für Sicherheit. "Wenn man mit den Kollegen vom Rettungsdienst oder der Feuerwehr redet, ist das gerade an Weihnachten oft sehr nett, und man wünscht sich immer ein frohes Fest. Geteiltes Leid ist dann halbes Leid", sagt die Polizistin.

Der Wunsch: "Ereignislose" Weihnachten

Ihr Weihnachtswunsch: "Ich hoffe sehr, dass wir dieses Jahr eine ruhige, friedliche und ereignislose Weihnachtsschicht haben." Dann wird es auch wieder Kinderpunsch im Präsidium in der Ettstraße geben.

 

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