11. Literaturfest München Was Nora Gomringer beim „forum:autoren“ plant

Die Lyrikerin Nora Gomringer. Foto: Jens Kalaene/dpa

Nora Gomringer kuratiert im Herbst das „forum:autoren“ des 11. Literaturfests München

 

"Für mich ist Literatur eher ein Genussmittel als der erhobene Zeigefinger“, sagt Nora Gomringer. Damit gibt sie schon die Richtung vor, wie sie sich als Kuratorin des „forum:autoren“ im Herbst während des Literaturfests positionieren möchte.

Im letzten Jahr blickte Ingo Schulze zurück auf das Schicksalsjahr 1989, diesen Herbst sollen die Zwanziger Jahre als Oberbegriff die von Nora Gomringer ausgeheckten Veranstaltungen umklammern: „2020 – Vom Leben in der Zukunft“ heißt das Motto.

Festivalerfahrung hat die Lyrikerin als Veranstalterin schon in Mexiko und in der Schweiz gesammelt, außerdem leitet sie seit 2010 das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg, das vom Freistaat eingeladenen Kulturschaffenden Residenzaufenthalte ermöglicht. Dort organisiert die schon mit dem Bachmannpreis ausgezeichnete Autorin zahlreiche Veranstaltungen.

Genreübergreifend

Ausgehend von Literatur und Poesie ist ihr Münchner Programm genreübergreifend angelegt, bewegt sich zwischen Wortkunst, Performance, Musik, Tanz und Kulinarik, lebt vom Live-Auftritt ebenso wie der Spiegelung im Social Net. Münchens Kulturreferent Anton Biebl hat also recht, wenn er Nora Gomringer einen „hoch spannenden weiten Kulturbegriff“ attestiert und sich schon auf den Herbst freut: „In ihrer ansteckenden Art wird es Nora Gomringer gelingen, uns damit große Lust auf die Zukunft zu machen. Sie beginnt jetzt, 2020.“

Die Zwanziger Jahre sind in Nora Gomringers Planungen nämlich die heutigen, kein „Babylon Berlin“ für die Literaturszene. Ihr Augenmerk liege auf Prognosenforen, sagt Nora Gomringer, sie möchte darüber diskutieren, wie die Zukunft aussehen könnte.

In den Zwanzigern besser aufgehoben

Zwanzig Veranstaltungen wird sie innerhalb von zehn Tagen gestalten. Ein paar Erkundungen in die Vergangenheit hat sie sich allerdings doch fest vorgenommen: „Alle kennen Oscar Maria Graf oder Lion Feuchtwanger, ich möchte gemeinsam mit der Monacensia einen Abend darüber gestalten, welche Autorinnen in München in den Zwanziger Jahren gelesen wurden.“ Und vielleicht legt die Jazzliebhaberin auch ihren eigenen Abend noch einmal auf, ihre bereits im Januar im Literaturhaus gezeigte musikalische Hommage an Dorothy Parker. „Ich wäre vielleicht selbst in den Zwanziger Jahren besser aufgehoben gewesen“, sagt Nora Gomringer, „auf jeden Fall ist das meine Musik, vor allem Cole Porter.“

Ideen hat sie im Gespräch gleich für ein paar Dutzend Abende, von einer Veranstaltung über chinesische Kung-Fu-Romane der 20er Jahre bis hin zu einem Abend über Drogen in der Literatur, im Pressetext ist auch von einer Aerobic-Performance und einer Modenschau die Rede. Außerdem hat Nora Gomringer ein großes Interesse an der Wissenschaft und einen damit verbundenen Wunsch: „Mein Traum ist, dass mal ein Autor im Faradayschen Käfig im Deutschen Museum liest, das ist doch das Sinnbild für eine künstlerische Existenz schlechthin.“

Nicht nur für die Kerngruppe

Gut zwei Monate hat sie jetzt Zeit, ihre Ideen zu konkretisieren, dann muss das Programm stehen. Im internationalen Festivalvergleich ist das ohnehin ein bisschen spät, da die meisten Literaturstars, ähnlich wie in der Opernwelt, längerfristig planen. „Ich selbst bin als Künstlerin für den Herbst auch schon ausgebucht“, sagt Nora Gomringer, „ich nehme keine weiteren Termine für Lesungen mehr an.“

Wichtig ist ihr, auch die Personen anzusprechen, die nicht zur Kernzielgruppe des Literaturfestivals gehören: Sie will mit zehn Zwanzigjährigen über das diskutieren, was sie sich in das „Pflichtenbuch“ für unsere Zwanzigerjahre geschrieben hat: „Eine gelingende Klimapolitik, Erhalt der Demokratie, Gleichstellung der Geschlechter, Schutz von Minderheiten, ein bewusster und aufgeklärter Umgang mit allen Medien, die Bewahrung kultureller Güter und Praktiken müssen Bestärkung in just diesen Jahren erfahren.“

Nur eine Sorge hat Nora Gomringer bei allem kreativen Überdruck: „Ich habe noch kein richtiges Gefühl für München, das ist noch eine fremde Stadt“, sagt sie. Auch da wird ihr „forum:autoren“ Abhilfe schaffen.    

Das Literaturfest München findet vom 11. bis zum 29. November statt

 

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