100 tote und verletzte Tiere Nymphenburger Schlosspark: Hund beißt Reh in die Kehle

Bei diesigem Wetter äsen die Rehe in Nymphenburg gelegentlich auch tagsüber auf den Wiesen. Ein Rehbock (kl. Foto) wurde am Dienstag gerissen. Foto: Daniel von Loeper

Im Nymphenburger Schlosspark hetzt ein Rüde ein Wildtier zu Tode. Nicht zum ersten Mal: 100 Rehe wurden seit 2008 in München verletzt oder totgebissen.

 

München - Naturparadies, Oase der Ruhe und bedeutendes Gartenkunstwerk: Der Schlosspark Nymphenburg zieht Jahr um Jahr zigtausende Besucher an.

Spaziergänger und Jogger lieben den weitläufigen Park mit seinen ruhigen, naturbelassenen Bereichen. Touristen bewundern das Schloss und die kunstvolle Gartenanlage.

Es herrscht Leinenpflicht

Der 180 Hektar große Park ist nicht nur eine prächtige grüne Lunge für München, hier leben auch viele Wildtiere: Bis zu 50 Rehe und noch viel mehr Hasen sowie ein paar Füchse fühlen sich hier genauso zu Hause wie unzählige Frösche, Schmetterlinge und seltene Vögel. Damit die Wildtiere nicht gestört werden, herrscht im gesamten Park Leinenpflicht für Hunde.

Doch das Verbot, Hunde frei laufen zu lassen, wird immer wieder ignoriert. Am Faschingsdienstag wurde die Idylle brutal gestört: Ein Hund hetzte in der Nähe der Magdalenenklause einen Rehbock, holte ihn ein und biss ihm in die Kehle. Blutend und schwer verletzt bracht das Reh zusammen. Zwar alarmierte die Hundebesitzerin noch die Tierrettung, doch die Ärztin konnte den kleinen Bock nur noch mit einer Spritze von seinem Leid erlösen.

Es ist nicht das erste Mal, dass ein freilaufender Hund im Nymphenburger Schlosspark wildert und ein Reh zu Tode beißt. Im Jahr 2016 gab es gleich mehrere Vorfälle. Und erst vor fünf Wochen entdeckte eine Joggerin ein totes Reh: "Sie fand es am 'Eisernen Haus'. Das Reh war geköpft", weiß Ralf Sartori, Tangolehrer, Spaziergänger und Initiator und des Nymphenspiegel Kulturforums. Und auch an anderen Orten in der Stadt werden immer wieder Wildtiere von freilaufenden Hunden zu Tode gehetzt.

Seit 2008 sind im Kreisverwaltungsreferat (KVR) insgesamt 100 Fälle von verletzten oder getöteten Rehen gemeldet worden. "Ob immer Hunde die Verursacher waren, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden", sagt KVR-Sprecher Johannes Mayer. Wahrscheinlich ist es aber schon.

Nicht erfasst in dieser Statistik sind andere gejagte und getötete Wildtiere wie Hasen oder Vögel. Erst am Mittwoch berichtete die AZ über einen zerfleischten Schwan und sechs tote Wasservögel am Hinterbrühler See.

Ist mehr Aufsicht nötig?

Für Ralf Sartori fehlt es vor allem an Aufsichtspersonal, das Hundehalter darauf aufmerksam macht, dass sie ihre Vierbeiner anleinen müssen. "Früher ist regelmäßig ein Parkaufseher durch den Park geradelt und hat nach dem Rechten gesehen. Das ist jetzt leider nicht mehr der Fall", sagt Sartori. Ich gehe fast täglich im Park spazieren. Einen Parkaufseher habe ich seit Jahren nicht gesehen."


Ralf Sartori fordert mehr Aufsichtspersonal. Quelle: Daniel von Loeper

Die zuständige Schlösser- und Seenverwaltung beklagt, dass es immer wieder Probleme mit Hundehaltern gibt, die aggressiv auf Passanten reagieren, die sie auf ihr Fehlverhalten aufmerksam machen. Was Strafen für Fehlverhalten angeht, seien ihr die Hände gebunden. Sprecherin Cordula Mauß: "Wir haben lediglich das Hausrecht und können die Hundehalter des Geländes verweisen."

 

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