100 Jahre Studio Isabella Originalerlebnis

Kinoromantik im Inneren des Studio Isabella. Foto: Alim Shakirov

Ein ständiger Kampf, der sich gelohnt hat: 100 Jahre Studio Isabella in Schwabing – ein Ort der Filmkunst

 

Es sollte heute, Samstag, ein rauschendes Straßenfest werden zu Ehren des Studio Isabella, das gestern seinen 100. Geburtstag feierte. Aber das Wetter macht Kinobetreiber Louis Anschütz einen Strich durch die Rechnung. Nachgefeiert wird deshalb zum Start der Filmkunstwochen am 24. Juli, bevor um 20 Uhr Pedro Almodovárs „Leid und Herrlichkeit“ gezeigt wird. Angesagt hat sich auch der neue Kulturreferent Anton Biebl.

Die Kinohelden waren Maria Zach und Fritz Falter

Die Geschichte der „Isabella-Lichtspiele“ in Schwabing, die am 12. Juli 1919 mit den Filmen „Der Liebe Macht, des Rechtes Sieg“ und „Papa Krause“ begann, ist wechselhaft: Eine Frau, die couragierte Maria Zach, führte mit sechs Kinos ein kleines Lichtspieltheater-Imperium. Auf einem der ersten Fotos aus dem Jahre 1932 erkennt man eine große Stofftafel über dem Eingang, die von der Lokalbaukommission nur „in stets widerruflicher Weise“ genehmigt worden war. Man sieht, der Amtsschimmel wiehert schon damals.

Nach dem Krieg wurde das durch einen Luftangriff beschädigte Kino 1947 wieder neu eröffnet. Bereits 1954 gab es hier Cinemascope. Die große Wende kam mit dem legendären Filmpionier Fritz Falter, der mit seinem Occam-Studio in der Occam-Straße in den 60ern und seinen Filmen in Originalfassung mit Untertiteln eine ganze Generation von Studenten prägte. Auch Anschütz war Dauergast im Occam-Studio und angetan von den italienischen Neorealisten.

Nachtlokal statt Occam-Studio

Schon 1970 musste dieses einzigartige, vielleicht sogar erste Programmkino Deutschlands, aufgeben. Ein Nachtlokal mit hoher Miete schien der Spatenbrauerei lukrativer.

Und Falter konzentrierte sich auf das damalige „Studio im Isabella“, das er 1961 ziemlich heruntergewirtschaftet übernommen hatte. Er machte es zum neuen Treffpunkt von Cineasten. 1980 erwarb eine Gruppe von Filmverleihern und Film-Enthusiasten das Kino. Louis Anschütz wurde Geschäftsführer und Programmmacher.

Der Germanist und Absolvent der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film und erinnert sich mit nostalgischen Gefühlen an die schöne wilde Kinozeit der 80er Jahre:„Wir spielten Erstaufführungen von Woody Allen, Claude Chabrol oder David Lynch. Es herrschte Aufbruchsstimmung, ein neuer Wind wehte“.

Es ging unkonventionell zu. So klopfte ihm Aki Kaurismäki bei der Berlinale auf die Schulter und versprach, seine Mutter würde ihn bekochen, wenn er „Schatten im Paradies“ im Studio Isabella spielen würde. Der Film lief gut, die Mutter kochte nie. Auch deutsche Filmemacher wie Werner Schroeter, Alexander Kluge, Reinhard Hauff oder Herbert Achternbusch fanden im Studio Isabella eine Heimat und ein begeistertes Publikum.

Kunst gegen die Filmflut

In den 90er Jahren übernahm Anschütz trotz harter Zeiten das Kino. Mit seinem Ein-Leinwandkino und vielen Filmen in Originalversion oder „OmU“ kämpft er gegen Multiplexe mit modernster Technik, gegen die riesige Filmflut (2018 starteten 576 Filme) oder den heißen Sommer an. Am erfolgreichsten war bei ihm 2018 Steven Spielbergs „Die Verlegerin“.

Die zumeist älteren Zuschauer sind mit „ihrem“ Kino groß geworden und halten diesem die Treue. Aber Anschütz will natürlich kein „Seniorenkino“, sondern programmiert mit Jim Jarmuschs Zombie-Film „The Dead Don’t die“ oder Fatih Akins „Der Goldene Handschuh“ Highlights gerade auch für die jüngere Klientel und gibt die Hoffnung nicht auf: „Wir haben uns gegen alle Widerstände gehalten. Ich werde dem Publikum aller Altersklassen weiterhin ein attraktives Programm bieten. Und wenn jemand das Kino finanziell unterstützen will, soll er sich bei mir melden“.     

Zur Zeit laufen im Studio Isabella (Neureuther-/ Ecke Isabellastraße, U-Bahn Josephsplatz), „Yesterday“ und „Unsere große kleine Farm“ (beide OmU)
 

 

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