1:0 des TSV 1860 in Kaiserlautern AZ-Analyse: Löwen siegen mit Glück und Effektivität

Kämpften wie die Löwen: Kapitän Christopher Schindler und Linksverteidiger Maximilian Wittek im Hintergrund hielten den Lauterer Angriffen auf dem Betzenberg bis zur letzten Minute stand. Foto: dpa

Der TSV 1860 hat am Dienstagabend beim 1. FC Kaiserslautern mit 1:0 gewonnen und den zweiten Sieg in Serie eingefahren. Warum es plötzlich läuft bei den Löwen? Die AZ-Spielanalyse.

 

Kaiserslautern - Zweiter Sieg in Folge, sieben Punkte aus drei Spielen: Der TSV 1860 schwimmt weiter auf seiner mittlerweile angewachsenen Erfolgswelle. Wieder war es Kai Bülow, der die Löwen wie schon beim 3:2-Sieg gegen Fortuna Düsseldorf in Führung brachte - diesmal rettete Sechzig den knappen Vorsprung auf dem Betzenberg über die Zeit.

Das Spiel: Der TSV 1860 sah sich zu Beginn der Partie einer Lauterer Sturm- und Drang-Phase ausgesetzt, hielt aber - wenn auch etwas wankend - dem anfänglichen Druck stand. Die frühe Führung und kampfstarke Löwen irritierten die Roten Teufel, denen in der Folge nur selten gelang, klare Torchancen zu erarbeiten. Erst in der Schlussphase konnte sich die Elf von Trainer Konrad Fünfstück ein klares Übergewicht erspielen, das Team von Trainerkollege Benno Möhlmann warf alles rein, was noch im Tank war - und hielt das Bollwerk dicht.

Das Tor: Spielmacher Michael Liendl stand in der 18. Spielminute zum Freistoß aus halbrechter Position bereit. Kai Bülow, schon gegen Fortuna Düsseldorf nach einer Liendl-Ecke mit einem Kopfball der Türöffner, schlich sich noch vor dem Strafraum frei. Der Ball kam auf den Elfmeterpunkt, Bülow lief ein, übersprang alle Lauterer Abwehrspieler und köpfte die Löwen mit seinem dritten Saisontor in Führung.

Das war gut: Der erste Auswärtssieg der Saison ist zu großen Teilen auf eine neue Fähigkeit der Mannschaft zurückzuführen: Sie zeigte auf dem Betzenberg eine zuvor nie gekannte Effektivität. Erste Torchance, erster Treffer - schon führten die Löwen mit 1:0. Zuletzt wurden reihenweise Großchancen vergeben, auch beim 3:2-Sieg gegen Düsseldorf. Diesmal schlugen die Sechzger eiskalt zu und retteten den Vorsprung mit einer geschlossenen und kampfstarken Leistung, bei der sich auch Stürmer Rubin Okotie nicht zu schade für die kräfteraubende Defensivarbeit war, über die Zeit.

Das war schlecht: Früh, zu früh begnügten sich die Löwen mit der Verwaltung des Ergebnisses. Konter wurden kaum herausgespielt, um für Entlastung zu sorgen oder gar die vorzeitige Entscheidung zu erzwingen. Und gegen Spielende, als die Roten Teufel ob der schwindenden Kräfte doch die ein oder andere Möglichkeit zuließen, ging die Möhlmann-Elf zu fahrlässig damit um. Der eingewechselte Nico Karger schoss Okotie an, Spielmacher Michael Liendl vergab freistehend die beste Löwen-Chance, nachdem er alleine auf das Tor von Lautern-Keeper Müller zugelaufen war. Am Ende hatten die Löwen nebst ihrer Effektivität und großem Kampfgeist auch eine gehörige Portion Glück, dass Kaiserslautern am Ende nicht mehr zurückkam.

Die Szene des Spiels: Gleich zwei Szenen waren es, bei denen die Fäuste geballt wurden auf Seiten Sechzigs: In der 85. Minute trudelte der Ball nach einerm Schuss des Isländers Bödvarsson schon in Richtung Tor, Ortega war schon geschlagen und dem Löwen-Fan wurde schon ganz anders. Ein beherzter Rechtsverteidiger Gary Kagelmacher sprintete aber hinterher und konnte kurz vor der Linie mit einer artistischen Rettungsaktion klären und den Ball über die Latte bugsieren. In der Nachspielzeit konnte - vielmehr musste - Ortega, der schon zuvor zweimal gegen Bödvarsson klärte, nochmal eingreifen: Joker Przybylko hämmerte den Ball aufs Löwen-Tor, der Keeper war noch mit den Fingerspitzen dran und die Kugel klatschte an den Querbalken. Ortega sprang auf, jubelte und schrie die Freude über den gehaltenen Ball heraus.

Das sagt Trainer Benno Möhlmann: "Der Zusammenhalt war sehr gut. Dieser gemeinsame Wille ist das, was wir in unserer Situation brauchen. Wir haben uns 90 Minuten gegen einen druckvollen Gegner gewehrt. Fußballerisch war das nicht unser bestes Spiel – gerade in der Offensive. Wir haben nicht so nach vorne gespielt, wie wir es können. Erst in den letzten zehn Minuten kamen wir wieder zu Chancen. Deshalb war es ein glücklicher Sieg. Wir sind sehr, sehr froh darüber, dass wir gewonnen haben. Jetzt haben wir zwei Tage Zeit, um uns auf ein verdammt schweres Spiel gegen Sandhausen einzustellen."

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Das sagt Kaiserslautern-Trainer Konrad Fünfstück: "Wir haben ein ganz enges Spiel erwartet, in dem wir nicht viele Chancen kriegen. Vor allem vor den Standards der Sechzger haben wir die Mannschaft gewarnt. Genauso kam es dann. Ausgerechnet nach einem Freistoß bekommen wir das Gegentor. In der Situation hatten wir keine gute Zuordnung. Wir hatten zwar nicht viele, aber dafür klare Chancen. Die Jungs haben alles reingehauen. Insofern – da stimme ich Benno Möhlmann zu – war es ein glücklicher Sieg für Sechzig, für uns ist es sehr bitter. Wir werden trotzdem den Kopf hochnehmen und entsprechend nach Nürnberg fahren."

 

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