Zunehmende Gewaltbereitschaft: So viele Polizisten in Bayern verletzt wie noch nie

Die Zahl der im Einsatz angegriffenen und verletzten Polizisten hat in Bayern einen neuen Höchststand erreicht. Nach Angaben des bayerischen Innenministeriums wurden im vergangenen Jahr insgesamt 3172 Beamte verletzt. Das sind so viele wie noch nie seit Beginn der statistischen Aufzeichnungen im Jahr 2010. Wie das Ministerium mitteilte, mussten 13 Polizistinnen und Polizisten schwer verletzt stationär behandelt werden.
Die Zahl der Straftaten gegen Polizeibeamte ging insgesamt allerdings etwas zurück von 7384 im Jahr 2024 auf 7151 im Jahr 2025. Dabei machten Gewaltdelikte (4611 Fälle) den größten Teil aus, gefolgt von Beleidigungen (2118) und Bedrohungen (334). In allen Bereichen lagen die Zahlen für 2025 etwas unter denen von 2024. Sieben Fälle wurden laut Ministerium als versuchte Tötungsdelikte eingestuft, das sind zwei mehr als 2024.
Gewalt gegen Polizisten "deutlich intensiver und folgenschwerer"
"Die Zahl der Delikte und der Täter ist zwar rückläufig", sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). "Gleichzeitig steigt aber die Zahl der verletzten Polizistinnen und Polizisten auf einen neuen Höchststand. Das zeigt: Die Gewalt gegen Einsatzkräfte geht heute von weniger Personen aus, ist aber offenbar deutlich intensiver und folgenschwerer." Die Polizei erfasste insgesamt 5798 Tatverdächtige, 2024 waren es 5971. Das ist der niedrigste Stand seit 2015.
In zehn Fällen hatten die Angreifer eine scharfe Schusswaffe dabei. In einem Fall wurde diese auch gegen Polizeikräfte eingesetzt. Hieb- und Stichwaffen wurden 149-mal mitgeführt und 17-mal gegen die Polizisten eingesetzt.
Münchens Polizeipräsident Thomas Hampel beklagt deutliche Zunahme verletzter Polizisten
Rund 82 Prozent der Tatverdächtigen waren den Angaben zufolge männlich, etwa 60 Prozent von ihnen standen während der Tat unter Alkohol- oder Drogeneinfluss.
Münchens Polizeipräsident Thomas Hampel hatte schon Ende 2025 eine deutliche Zunahme beklagt. Seinen Angaben zufolge verdoppelte sich die Zahl der jährlich bei Einsätzen verletzten Münchner Polizisten innerhalb von zehn Jahren von 300 auf 600.
"Die Uniform darf nicht länger Zielscheibe bleiben"
"Dass die Zahl der verletzten Kolleginnen und Kollegen erneut auf dem erschreckend hohen Niveau des Vorjahres liegt, zeigt deutlich: Eine Entspannung der Lage ist nicht in Sicht", erklärt der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) Bayern, Jürgen Köhnlein. Die DPolG appelliert an die politischen Verantwortlichen, der zunehmenden Gewalt gegen Einsatzkräfte mit noch größerer Entschlossenheit entgegenzutreten. Erforderlich seien sowohl bessere Rahmenbedingungen für Strafverfolgung und Strafvollzug als auch verstärkte Anstrengungen in der Prävention.
"Wer Polizistinnen und Polizisten angreift, greift den Rechtsstaat an. Die Uniform darf nicht länger Zielscheibe bleiben", betont Köhnlein. Die DPolG begrüßt, dass die Ausstattung der Polizei kontinuierlich verbessert wird. Eine moderne persönliche Schutzausstattung sowie eine den Gefahren angepasste Bewaffnung bleiben unverzichtbar. Auch die Erprobung des Distanz-Elektroimpulsgeräts (DEIG, umgangssprachlich Taser) im polizeilichen Streifendienst bewertet die DPolG als wichtigen Schritt und gewerkschaftlichen Erfolg. Darüber hinaus fordert die DPolG:
- eine personelle Stärkung von Justiz und Justizvollzug, damit Strafverfahren zügig durchgeführt und Strafen konsequent vollstreckt werden können
- eine deutlich schnellere Bearbeitung entsprechender Strafverfahren sowie spürbare strafrechtliche Konsequenzen für Gewalttäter
- einen verstärkten Ausbau der Drogen- und Suchtprävention. Rund 60 Prozent der Tatverdächtigen standen bei den Angriffen unter dem Einfluss von Alkohol oder Betäubungsmitteln
- eine Ausweitung sowie Entbürokratisierung der staatlichen Erfüllungsübernahme bei Schmerzensgeldforderungen, um verletzte Einsatzkräfte wirksam zu unterstützen
"Unsere Kolleginnen und Kollegen setzen sich täglich für die Sicherheit der Menschen in Bayern ein. Sie verdienen nicht nur Respekt und Rückhalt, sondern auch den bestmöglichen Schutz und die konsequente Unterstützung des Rechtsstaates", so Köhnlein abschließend.