Zu viele Touristen im Zauberwald: Neue Idee fürs Parkplatz-Chaos
An sonnigen Tagen staut sich der Ausflugsverkehr bis in den Zauberwald bei Ramsau. Nun wagt das Bergsteigerdorf im Berchtesgadener Land einen Vorstoß: Ein Parkdeck aus Holz an der Seeklause könnte das Chaos ordnen. Doch zwischen Grundbesitz, Naturschutz und leerer Gemeindekasse ist der Weg ein weiter.
Es gibt Bilder vom Hintersee, die seit der Epoche der Freiluftmaler unverändert scheinen: das smaragdgrüne Wasser, die moosüberwucherten Fichten des Zauberwalds. Und es gibt die Realität an sonnigen Hochsommertagen.
Dann wird die schmale Zufahrt zum Nadelöhr für wendende Autos und Ausflügler auf nervöser Parkplatzsuche. Zwischen dem Blaueis- und dem Seeklause-Parkplatz stehen Fahrzeuge am Straßenrand und ragen mit zwei Rädern in die Fahrbahn, das weiß auch Bürgermeister Richard Graßl.
So ist aktuell die Parkplatz-Situation im Vergleich zum Königssee
Im gesamten Bereich Hintersee zählt die Gemeinde 600 Stellplätze: 140 an der Seeklause, 175 am Hirschbichl Süd, 145 am Hirschbichl Nord, 100 am Hintersee West und 40 am Blaueis-Parkplatz.
Am Königssee, dem zweiten großen Zugang zum Nationalpark Berchtesgaden, sind es etwas mehr als 2100, also fast das Vierfache. "Das ist ein Thema, das uns eigentlich schon seit Jahrzehnten begleitet", sagt Bürgermeister Graßl.

Der Gemeinderat beauftragte nun die Verwaltung einstimmig, den Bau eines Parkdecks an der Seeklause zu prüfen, unmittelbar am Eingang zum Nationalpark. Der Impuls stammt von Gemeinderat Wolfgang Bartels (CSU). Seine Überlegung: Statt neue Freiflächen im sensiblen Alpenraum zu versiegeln, soll die bestehende Stellfläche vertikal verdichtet werden.
Vorschlag kommt von bekanntem Architekturbüro
In Abstimmung mit einem Architekturbüro fiel die Wahl auf das Holzparkdeck des Bad Aiblinger Unternehmens B&O als Vorbild, entworfen vom Vorarlberger Büro HK Architekten. Dessen Namensgeber Hermann Kaufmann lehrte als Professor für Holzbau an der TU München.
Der 2022 fertiggestellte Bau fasst auf zwei Ebenen 104 Fahrzeuge, seine Stützen und Träger bestehen aus Fichten-Brettschichtholz, die Lamellenfassade filtert das Licht. Das passe, sagt Graßl, landschaftlich wie in puncto Nachhaltigkeit zum Bergsteigerdorf Ramsau. Pläne oder eine Skizze für das eigene Projekt gibt es allerdings noch nicht.
Die Leute, die mit dem Auto kommen, werden wir nicht alle auf den ÖPNV bringen
Für den Bürgermeister ist die Debatte auch eine Frage des Realismus. Zwar investiere die Region in den öffentlichen Nahverkehr, doch die Grenzen der Besucherlenkung seien sichtbar. "Die Leute, die mit dem Auto kommen, werden wir nicht alle auf den ÖPNV bringen", sagt Graßl. Vor allem der klassische Tagesausflügler reise weiterhin motorisiert an.
Besonders das Wildparken entlang der Verbindungsstraßen ist der Gemeinde ein Ärgernis, auch weil ihr rechtlich oft die Hände gebunden sind. "Zwischen Blaueis- und Seeklause-Parkplatz stehen regelmäßig Autos zwischendrin. Da dürfen wir mit der Kommunalen Verkehrsüberwachung gar nichts machen."

Ob die Hochbaulösung tatsächlich kommt, hängt an den Finanzen und der Umsetzung. Würde ein Deck die Kapazität an der Seeklause verdoppeln, liegt man rechnerisch in jedem Fall bei einer Millionensumme. Aus eigener Kraft ist das nicht zu stemmen. "Ein Parkdeck wäre der ganz große Wurf", sagt der Bürgermeister.
Warum es einen Plan B geben soll
Daher wolle man zweigleisig planen und parallel eine Erweiterung in der Fläche prüfen. Westlich der Seeklause böte sich Raum für zusätzliche Stellplätze auf einer Ebene. "Auf der Ebene ist es deutlich günstiger, das könnte die Gemeinde aus eigener Kraft schaffen."

Das Areal gehört den Bayerischen Staatsforsten, direkt dahinter beginnt das Klausbachtal und damit der Zuständigkeitsbereich der Nationalparkverwaltung Berchtesgaden. Die reagiert auf zusätzliche Verkehrsinfrastruktur traditionell zurückhaltend, doch das tägliche Parkchaos am Schutzgebietsrand ist auch für den Naturschutz eine Belastung.
So geht es im Herbst mit Gesprächen weiter
Erste informelle Gespräche stimmen den Bürgermeister vorsichtig zuversichtlich, denkbar sei etwa ein Flächentausch mit den Staatsforsten. Im Herbst wollen sich Gemeinde, Staatsforsten, Schutzgebietsverwaltung und Landratsamt an einen Tisch setzen.
- Themen:
- CSU
- Technische Universität München
