Zu viele Mäuse: Schädlingsplage auf Frankens Feldern

Landwirte kämpfen mit einer Plage der putzigen Schädlinge, die sich rasant vermehren. Was tun? Forscher aus Münster haben dazu eine spannende Idee.
| Ruth Schormann
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Eine Feldmaus liegt auf einem Acker. Alle paar Jahre kommt es zu einer Übervermehrung.
Eine Feldmaus liegt auf einem Acker. Alle paar Jahre kommt es zu einer Übervermehrung. © Arno Burgi/zb/dpa/Symbolbild

München - Sie sieht zwar sehr süß aus, ist aber auch furchtbar fruchtbar: die Feldmaus. Alle drei bis fünf Jahre kommt es bei den Nagern zu einer Massenvermehrung, die Landwirten wegen der damit einhergehenden Fraßschäden große Probleme bereitet. Beispielsweise auf den Wiesen im oberfränkischen Itzgrund bei Coburg, wo Bauern Gras als Futtermittel anbauen. Dort führt die Feldmaus seit Jahren immer wieder durch Massenvermehrung zu Wiesenschäden, schildert Hans-Jürgen Rebelein, Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands in Coburg, der AZ.

Durch Hochwasser wurde das Problem früher öfter gelöst. Doch dann sind Seen als Rückhaltebecken, die zum Hochwasserschutz der Stadt Coburg dienen, gebaut worden. Punkt für die Feldmaus. Natürliche Fressfeinde wie der Fuchs oder Greifvögel helfen zwar. "Deshalb stellen auch viele Bauern Julen für Greifvögel auf. In Jahren der Massenvermehrung reicht dies aber nicht aus", sagt Rebelein. Würde man Felder umpflügen und umgraben, würde das die Tunnel der Tiere zerstören, doch Grubbern geht bei Wiesen freilich nicht.

Mit Gift wäre den Tierchen zwar beizukommen. Jedoch: "Gift darf in Flora-Fauna-Habit- und Vogelschutzgebieten - wie dem Itzgrund - nur mit Ausnahmegenehmigung ausgebracht werden", so Rebelein. Die sei "sehr schwer zu bekommen und an hohe Auflagen gebunden". Dennoch: Landwirte versuchen mit der sogenannten Legeflinte dem Problem Herr zu werden, erklärt der BBV-Kreisgruppen-Geschäftsführer. Das heißt, "sie legen einzelne Giftkörner in das Mausloch. Dies ist natürlich ein Sisyphusarbeit, die Tage dauert und nicht sehr effektiv ist", räumt Rebelein ein.

Grund der Feldmaus-Übervermehrung unklar

Hoffnung macht den Landwirten Dr. Jens Jacob vom Fachinstitut für Pflanzenschutz in Gartenbau und Forst am Julius-Kühn-Institut in Münster. Er forscht an einer Art Verhütungsmittel für die Maus.

Er erklärt der AZ: "Wir forschen seit ungefähr zwei Jahren daran, Stoffe zu finden, die die Reproduktion bei der Feldmaus einschränken." Denn: "Generell möchte man die chemische Bekämpfung vermeiden, daher sind Möglichkeiten, die Feldmauspopulationen nicht durch Gift zu minimieren, sondern nur ihre Reproduktion zu hemmen, sehr attraktiv."

Warum sich die Feldmaus alle paar Jahre so stark vermehrt, ist seit jeher unklar. Das Ziel der Forscher ist es, diese Peaks zu vermeiden. "Die Übervermehrung wollen wir kappen, dazu würde es schon reichen, zwei Würfe im Jahr zu verhindern", sagt Jacob. Feldmäuse seien so vermehrungsfreudig wie kaum ein anderes Säugetier, hätten eine extrem kurze Tragzeit, können sehr jung trächtig werden und sind es dann ungefähr alle drei Wochen von Mai bis Oktober.

"Forschung und vor allem Zulassung sind langwierig"

Jacob stellt aber klar: "Es geht nicht um die Pille für die Maus, denn die Pille ist ein hormonelles Mittel. Wir forschen an Naturstoffen aus Wilfords Dreiflügelfrucht und testen, wie man sie verabreichen kann und wie andauernd die mögliche Wirkung ist." Hinzu kommt, dass die Mäuse eine wichtige Nahrungsgrundlage für andere Tiere sind, dass sie zur Düngung beitragen und Samen verbreiten. Doch mit der Feldmaus gebe es eben "riesengroße Probleme in der Land- und Forstwirtschaft von Spanien bis in den Ural", sagt der Forscher, der sich seit fast 25 Jahren mit Mäusen beschäftigt.

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Dass die nächsten Massenvermehrungen schon durch Jacobs Pflanzenschutzmittel eingedämmt werden können, scheint unwahrscheinlich: "Forschung und vor allem Zulassung sind langwierig", sagt er. Ein weiterer Knackpunkt: Wie nehmen die Tiere das Mittel auf - ohne andere Tiere damit zu gefährden?

Jacob: "Der reproduktiv hemmende Stoff müsste zum Beispiel direkt in die Tunneleingänge platziert werden." Die Landwirte aber, sagt Rebelein, wünschen sich eine wirtschaftliche Lösung, die "praxistauglich" ist.

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