Wo sind Bayerns Wölfe?
Der Bund Naturschutz (BN) wirft der bayerischen Staatsregierung eine Verschleierungstaktik bei illegalen Wolfstötungen vor. Der Verband beruft sich dabei auf die Antworten der beteiligten Ministerien auf eine Anfrage der Grünen im Landtag. Hier wurden weder Fragen zum Verbleib von ganzen Wolfsrudeln noch Details zu möglichen Hinweisen auf illegale Tötungen beantwortet. "Bei Nutztierrissen ist die Staatsregierung sofort zur Stelle und fordert ein schärferes Vorgehen gegen Wölfe. Doch wenn Wölfe illegal getötet werden, herrscht auffällige Zurückhaltung", sagte die stellvertretende BN-Vorsitzende Beate Rutkowski.
Ganze Wolfsrudel verschwunden
Konkret heißt es etwa auf die Frage nach Erklärungen zum Verschwinden der Wolfsrudel am Staffelsee, im Altmühltal und im Grenzgebiet zu Tschechien, dass der Staatsregierung dazu "nähere Erkenntnisse" nicht vorlägen. Weiter: "Das Monitoring zeigt, dass durchziehende Einzeltiere und abwandernde Jungtiere neue Territorien besiedeln, andere Territorien aber auch aufgegeben werden können. Gründe hierfür können beispielsweise Verschiebungen in der Nahrungsverfügbarkeit oder die Qualität des Lebensraumes sein." Ein Rudel aus dem Bayerischen Wald sei nach Tschechien umgesiedelt.
"Beim Staffelsee- und beim Altmühltal-Rudel ist das aber kaum plausibel: An der Lebensraumqualität oder Nahrungsverfügbarkeit hat sich nichts geändert", betonte der Wolfsexperte des BN, Uwe Friedel. "Außerdem verschwinden Rudel nicht einfach so. Sie tauchen nach der – sehr seltenen – Aufgabe eines Reviers in anderen Gebieten wieder auf. Es liegt daher nahe, dass auch hier illegale Tötungen eine Rolle gespielt haben."
Wachsende Zahl nachgewiesener Tötungen bei Wölfen
Eigene Erkenntnisse zu illegalen Wolfstötungen gibt die Staatsregierung in ihrer Antwort in der Tat nicht preis, stattdessen verweist sie auf die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes. Hier werden deutschlandweit die gemeldeten Totfunde von Wölfen einschließlich der Todesursachen veröffentlicht. Hier finden sich für Bayern seit 2024 nur eine bestätigte illegale Tötung im fränkischen Kitschenrain im Juli 2025. Ansonsten sind die toten Wölfe im Freistaat meist in Verbindung mit Verkehrsunfällen - bei einigen Funden ist die Todesursache aber noch offen.
Bundesländerübergreifend zeigt die Liste aber auch, dass die Zahl der illegalen Tötungen von Wölfen in Deutschland tendenziell zunimmt. Waren es 2015 noch in Summe drei, lag die Zahl seit 2024 bereits bei 27.
Das illegale Töten von Wölfen ist eine Straftat, die mit einer Geldstrafe von bis zu 50.000 Euro oder einer Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren geahndet werden kann. Jedoch ist die Aufklärungsquote schwierig.
Bayerische Wölfe fehlen in der Liste
Der BN kritisierte ferner, dass zwei bekannte illegale Tötungen aus dem Oktober und November 2025 in der Liste der Dokumentations- und Beratungsstelle fehlten, obwohl diese bereits von Polizei und Landesamt für Umwelt offiziell kommuniziert worden waren. "Die Staatsregierung hat diese Fälle also offensichtlich bewusst verschwiegen. Der Verdacht liegt nahe, dass es weitere Hinweise und Verdachtsfälle gibt, die von der Staatsregierung unter den Teppich gekehrt werden", sagte Rutkowski.
Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung hatte für eine Studie 1.000 tote Wölfe untersucht, zehn Prozent davon waren demnach illegal geschossen worden. Bei weiteren 35 Tieren gab es Hinweise auf eine Straftat wie ein Beschuss, der aber nicht Todesursache war. "Das ist wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs, da viele tote Wölfe nicht gefunden werden. Etwa, wenn sie vergiftet werden und irgendwo im Wald unentdeckt verenden", sagte Friedel.
Zahl der Wolfsterritorien steigt nur langsam
Nach Rechnung des BN deutet auch das ungewöhnlich langsame Wachstum der Wolfspopulation in Bayern auf illegale Tötungen hin: Während sich der Bestand in Ostdeutschland in der Frühphase der Besiedlung in fünf Jahren von 8 auf 32 Territorien entwickelt habe, stieg die Zahl in Bayern im gleichen Zeitraum lediglich von acht auf zwölf Territorien. "Das deutet darauf hin, dass illegale Abschüsse eine deutlich größere Rolle spielen, als offiziell dargestellt wird", sagte Rutkowski.
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