Wird der Chiemsee nun ein Atommüllendlager?

"Durchgeknallte Narren", schimpft die CSU. "Die Quittung für Bayerns Atompolitik", erwidern die Grünen. Die Stimmung im Oberland ist gereizt.
| Klaus Wiendl
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
6  Kommentare Empfehlungen
Unter den Gebieten, die geologisch günstige Voraussetzungen für eine Atommülll-Deponie hätten, ist auch der Chiemsee.
Unter den Gebieten, die geologisch günstige Voraussetzungen für eine Atommülll-Deponie hätten, ist auch der Chiemsee. © Matthias Balk/dpa

Rosenheim - Insgesamt 90 Gebiete haben in Deutschland laut einem Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) günstige geologische Voraussetzungen für eine Atommüll-Deponie.

Auch Areale bei Mühldorf am Inn, Rosenheim, und Burghausen kommen dafür in Frage. Und der Landkreis Traunstein ist sogar mit dem Chiemsee und Fridolfing nahe der Salzach dabei.

Ramsauer gelassen: Entscheidung soll erst 2030 fallen

Die lokale Politik reagiert mit Unverständnis. Gorleben mit seinen Salzstöcken solle plötzlich vollkommen ungeeignet sein, wundert sich Peter Ramsauer als CSU-Wahlkreisabgeordneter im Gespräch mit der AZ, "dafür aber der Chiemsee mit seinen Mooren und den Erdgaskavernen im Norden. Da bekommt man den Eindruck, dass die BGE scheinbar aus durchgeknallten Narren besteht."

Die Vorgehensweise spreche "jeder Wissenschaft Hohn". Ramsauer verweist darauf, dass zunächst "eh nix passiert". Da erst im Jahr 2030 Entscheidungen fallen sollen, sehe er "das Ganze" sehr gelassen.

Bärbel Kofler: "Weg zu Erneuerbaren Energien ist der einzig mögliche"

Widerspruch kommt vom Koalitionspartner aus Ramsauers Wahlkreis, der SPD-Bundestagsabgeordneten Bärbel Kofler.

Lesen Sie auch

"Es kann nicht sein, dass die CSU über Jahrzehnte einen strammen Atomkurs verfolgt hat und nun die Verantwortung für den Atommüll so weit, wie es nur geht, von sich schiebt", wird Kofler von der Heimatzeitung zitiert. Für sie zeige die schwierige Suche nach dem richtigen Umgang mit dem Atommüll, dass "der Weg zu den Erneuerbaren Energien der einzig mögliche ist".

Den Landrat von Rosenheim, Otto Lederer (CSU), hat die Nachricht der BGE "sehr überrascht". Mit der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte befinde sich das älteste Naturschutzgebiet Bayerns in diesem Teilbereich. "Ich denke, dass nach der Beurteilung all dieser Kriterien diese Umgebung nicht mehr als Endlager in Betracht gezogen wird."

In den betroffenen Gemeinden seines Landkreises würden fast 40.000 Menschen leben. Hier gehe es um ihre Trinkwasserversorgung, die Wohnbebauung, die Verkehrsanbindung und viele weitere Gesichtspunkte, die bei der Standortsuche berücksichtigt werden müssten, ist auch vom CSU-Landtagsabgeordneten Klaus Steiner aus der Chiemsee-Gemeinde Übersee zu hören. Geschehe dies, ist sich Steiner sicher, "dass der Chiemsee und Fridolfing aus der zunächst nur nach geowissenschaftlichen Gesichtspunkten erstellten Liste herausfällt".

"Das ist egoistisch und verantwortungslos", findet Gisela Sengl

Steiners Grünen-Kollegin im Landtag, Gisela Sengl aus dem Chiemgau, zeigt auf ihrer Homepage mit dem Finger auf Franz-Josef Strauß als "Vater der Atomkraftwerke" in Deutschland - und vor allem in Bayern. Die CSU sei immer ein großer Befürworter der Atomenergie gewesen. Doch jetzt lehne sie es laut Sengl ab, sich den Folgen zu stellen. "Das ist egoistisch und verantwortungslos."

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 6  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
6 Kommentare
Artikel kommentieren