Wieso Streuobstwiesen so vielen Arten ein Zuhause bieten

Streuobstwiesen sind mehr als nur eine Obstwiese. Damit diese auch für die Natur wertvolle Kulturlandschaft erhalten bleibt, haben Staatsregierung und acht Verbände vor fünf Jahren den bayerischen Streuobstpakt geschlossen. Die seither erreichten Erfolge feiert das Bündnis bei einer Festveranstaltung im mittelfränkischen Ehingen-Beyersdorf. Das gibt es zu dem Thema zu wissen:
Was sind Streuobstwiesen?
Auf Streuobstwiesen stehen - wie der Name schon sagt - verstreut hochstämmige Obstbäume, kein Spalierobst, wie man es im klassischen Obstanbau findet. Typisch ist die Zwei-Etagen-Nutzung: "Unter den Bäumen entsteht eine artenreiche Wiese", erläutert Franziska Wenger vom Naturschutzverband LBV. Diese werde entweder beweidet oder höchstens zweimal im Jahr gemäht. Auf Dünger werde außer unter den Bäumen verzichtet. Seit 2021 gilt der Streuobstanbau in Deutschland als immaterielles Kulturerbe der Unesco.
Welche Bedeutung haben Streuobstwiesen?
Früher versorgten Streuobstwiesen eine Dorfgemeinschaft mit Obst. Auch heute noch sind sie nach Angaben von Wenger oft Gemeinschaftsflächen. Aber sie haben heute vor allem für den Naturschutz große Bedeutung: "Es ist eine sehr vielfältige Kulturlandschaft, die vielen Arten einen Lebensraum bietet", sagt sie.
In den alten, knorrigen Bäumen finden etwa Insekten, Vögel oder Fledermäuse einen Unterschlupf. Auf der Wiese wachsen zahlreiche verschiedene Pflanzen und Pilze. Mehr als 5.000 Arten können laut Wenger auf einer Streuobstwiese vorkommen, darunter viele seltene oder gefährdete Vogelarten wie Wiedehopf und Wendehals. Zugleich wachsen dort mehr als 2.000 verschiedene Obstsorten und damit eine große genetische Vielfalt.
Wieso ist die Kulturlandschaft gefährdet?
Jedes Jahr verschwinden Schätzungen des Streuobstpakts zufolge etwa 100.000 Streuobstbäume in Bayern. Seit 1965 sind demnach bereits 70 Prozent der Flächen verloren gegangen. Es wird davon ausgegangen, dass im Freistaat nur noch weniger als sechs Millionen Streuobstbäume stehen.
Während diese früher in ganz Bayern anzutreffen waren, liegt der Schwerpunkt heute in Franken. Viele dieser Bäume sind aber alt und könnten mit der Zeit absterben. Streuobstwiesen gehen laut dem LBV aber auch verloren, weil die Flächen als Baugrund ausgewiesen oder wegen fehlender Rentabilität aufgegeben werden.
Was ist der Streuobstpakt?
Ziel des Paktes ist es, Streuobstwiesen zu erhalten, zu pflegen und neu anzulegen. Bis 2035 sollen eine Million zusätzliche Obstbäume im Freistaat gepflanzt und 600 Millionen Euro in den Erhalt der Baumbestände investiert werden. Mehr als 250.000 Bäume wurden dem Umweltministerium zufolge bereits gepflanzt und die Pflege von etwa 150.000 auf den Weg gebracht.
Wo gibt es Herausforderungen?
Damit Streuobstwiesen erhalten bleiben, müssen die Bäume regelmäßig zurückgeschnitten werden. Sonst verwachsen die Bäume, Krankheiten blieben mitunter unbemerkt und es bildeten sich nur kleine Früchte, erläutert Peter Köninger vom bayerischen Bauernverband in Mittelfranken. Die Bäume müssten über viele Jahre gepflegt werden - also auch nach 2035 noch. "Das weitere Vorgehen mit diesen Bäumen sollten wir im Blick behalten." Zudem mache die Ernte viel Arbeit, da Maschinen nur begrenzt eingesetzt werden könnten.
Die LBV-Expertin Wenger sieht deshalb Nachholbedarf bei der Vermarktung. "Es muss mehr dafür gemacht werden, damit sich Streuobst wieder lohnt." Saft aus heimischem Streuobst habe zum Beispiel eine viel bessere Klimabilanz als Saft aus importiertem Konzentrat. Eine verpflichtende Herkunftsbezeichnung wäre deshalb hilfreich, sagt Wenger. Zudem gebe es viele Menschen, die allergisch auf Äpfel aus dem Supermarkt reagierten. Äpfel von Streuobstwiesen vertragen diese oft besser, da diese nicht so stark gezüchtet und gespritzt seien.