"Kaum saniert und schon wieder kaputt": Ärger über beliebte Bahnstrecke in Bayern

Wer zur Zugspitze, zum Eibsee oder zur Olympiaschanze kommen will, hat es mit der Werdenfelsbahn schwer. Marode Schiene, eingleisige Strecken und Dauerersatzverkehr lassen Fahrgäste verzweifeln. Aber ist Besserung in Sicht?
Ralf Müller |
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Ein Regionalzug vom Typ Bombardier Talent 2 befährt die Werdenfelsbahn. Die lief in den vergangenen 13 Jahren nur mäßig.
Ein Regionalzug vom Typ Bombardier Talent 2 befährt die Werdenfelsbahn. Die lief in den vergangenen 13 Jahren nur mäßig. © Angelika Warmuth/dpa

Es gibt wohl kaum eine deutsche Ferienregion, die so viele Premium-Attraktionen bietet wie das Werdenfelser Land und der Pfaffenwinkel in Oberbayern: Zugspitze, Eibsee, Olympiaschanze sowie Oberammergau und seine Passionsspiele sind neben zahlreichen bekannten Berggipfeln nur einige Beispiele. Dennoch ist die Region mit Öffentlichen Verkehrsmitteln oft nur mit Schwierigkeiten erreichbar.

Der Fahrgast-Ärger um die Werdenfelsbahn, die von München aus Garmisch-Partenkirchen, Mittenwald, Oberammergau, Kochel und viele andere klingende Ferienorte erschließt, geht inzwischen ins 13. Jahr. Ein Ende des Unmuts ist trotz beruhigender Ankündigungen der Bahn und des bayerischen Verkehrsministeriums nicht in Sicht.

Werdenfelsbahn: Ärger begann vor 13 Jahren

Begonnen hatte der Ärger so richtig mit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2013. Die zu diesem Zeitpunkt erstmals eingesetzte neue Flotte von Triebzügen des Typs Bombardier Talent 2 machte mit täglichen Software- und Technikstörungen, massiven Verspätungen und kompletten Ausfällen Schlagzeilen in der Regionalpresse.

Auch nach Behebung der meisten Probleme schnitt die Werdenfelsbahn in Sachen Pünktlichkeit regelmäßig unterdurchschnittlich ab. Zwischen 2019 und 2021 lief es einigermaßen zufriedenstellend, bis im Juni 2022 ein Regionalzug bei Burgrain mit dramatischen Folgen entgleiste: Fünf Tote und 16 Verletzte waren die Bilanz des Unglücks, das auf marode Schienenwege zurückgeführt wurde.

Werdenfelsbahn: "Ein Bild, das so nicht sein müsste"

In den folgenden fünf Monaten Schienenersatzverkehr geriet die Pendlerwelt völlig aus den Fugen. Doch selbst danach, als die Züge wieder fuhren, war sie alles andere als in Ordnung. Auch Touristen erfahren immer noch täglich, dass Bahnfahren im gepriesenen Laptop-und-Lederhosen-Land alles andere als ein Hightech-Vergnügen ist. "Gäste aus aller Welt erhalten hier ein Bild von Deutschland, das so nicht sein müsste", schrieb Bahnbenutzer Moritz G. in einem Offenen Brief an die Entscheidungsträger. Die Werdenfelsbahn sei "keine Nebenbahn, sondern die Lebensader einer ganzen Region".

Werdenfelsbahn – Talent 2 (ET 442 / ET 2442) auf der Fahrt von München nach Garmisch-Partenkirchen bei der Ausfahrt vom Hauptbahnhof.
Werdenfelsbahn – Talent 2 (ET 442 / ET 2442) auf der Fahrt von München nach Garmisch-Partenkirchen bei der Ausfahrt vom Hauptbahnhof. © Uwe Miethe/dpa

Langsamfahrstrecken seien ein "Dauerzustand", wochenlange Streckensperrungen mit unzureichendem Schienenersatzverkehr sowie massive Probleme bei der Mitnahme von Fahrrädern und mobilitätseingeschränkten Personen ebenfalls, listete G. auf: "Die Ankunft am Zielbahnhof gleicht einem Glücksspiel." Hinzu kommt die Krux mit den Plätzen in den Waggons. Besonders am Wochenende fassen die Züge kaum den Ausflugsverkehr.

Das Hauptproblem der Werdenfelsbahn ist deren größtenteils eingleisige Streckenführung. Wie unter diesen Bedingungen der vorgesehene Halbstundentakt realisiert werden solle, sei ein Rätsel, so der regelmäßige Bahnfahrer. Gar nichts geht seit geraumer Zeit auf der Nebenstrecke Murnau-Oberammergau, auf der ersatzweise Busse verkehren. Zum Fahrplanwechsel im Dezember sollen dort wieder Züge rollen.

Werdenfelsbahn: "Die Qualität entspricht nicht unserem Anspruch"

Man "merke", dass die noch nicht sanierten Streckenabschnitte anfällig für Störungen und Langsamfahrstellen seien, räumte eine Bahnsprecherin ein. Im vergangenen Sommer habe eine extreme Hitze mit großer Trockenheit die Infrastruktur besonders in Bereichen mit Moorböden erhebliche belastet. Man könne den Unmut der Fahrgäste über Zugausfälle, Verspätungen und einen "teilweise nicht verlässlichen Ersatzverkehr" nachvollziehen, beteuerte die Bahn-Sprecherin: "Die Qualität entspricht nicht unserem Anspruch."

Allerdings arbeite man auch intensiv an Verbesserungen. Seit 2022 sei ein "mittlerer dreistelliger Millionenbetrag" in Strecken bis und ab Garmisch sowie in Ammerseebahn und Pfaffenwinkelbahn gesteckt worden. Die Bahn bestätigt auch, dass wegen des verbreiteten Schienenersatzverkehrs allmählich die Busse knapp werden.

An "Brandbriefen" aus der Region fehlt es nicht. Einer davon stammt vom Garmisch-Partenkirchner Bürgermeister Daniel Schimmer (Freie Wähler), der Zeuge wurde, wie Hunderte von gestrandeten Bahngästen in Großraumtaxis gequetscht werden sollten.

Ab Dezember 2027 besseres Fahrplanangebot

Unterstützung erhalten die vielen frustrierten Benutzer der Werdenfelsbahn vom bayerischen Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU). "Der Zustand der Eisenbahninfrastruktur entspricht seit Längerem nicht dem, was die Fahrgäste zu Recht erwarten", ließ er mitteilen. Erst im vergangenen August schrieb Bernreiter ebenfalls einen "Brandbrief" an den Vorstandsvorsitzenden der Bahn-Infrastrukturgesellschaft DB Infrago.

Christian Bernreiter (CSU), Bau- und Verkehrsminister von Bayern ist unglücklich mit dem Zustand der Werdenfelsbahn.
Christian Bernreiter (CSU), Bau- und Verkehrsminister von Bayern ist unglücklich mit dem Zustand der Werdenfelsbahn. © Sven Hoppe/dpa

Klar ist: Mit einem reibungslosen Bahnbetrieb auf Bayerns Schokoladenseite ist wohl erst zu rechnen, wenn die Strecke bis Mittenwald durchgehend zweigleisig ausgebaut ist. Das ist aber in keiner Weise absehbar. Noch in diesem Jahr, verspricht immerhin das bayerische Verkehrsministerium, solle die "Vorplanung" für einen zweigleisigen Abschnitt zwischen Uffing und Murnau abgeschlossen sein.

Schrittweise bis Mai 2027 würden die Einschränkungen auf der Hauptstrecke von München über Garmisch-Partenkirchen nach Mittenwald aufgehoben. Ab Dezember 2027 "dürfen sich die Fahrgäste auf ein verbessertes Fahrplanangebot sowie auf einen Stundentakt München-Innsbruck freuen", so das Ministerium.

Bahnkunde: "Straßenausbau kennt keine Geldsorgen"

Bahnkunde G. glaubt nicht so recht an nachhaltige Verbesserungen. Langsamfahrstrecken seien "kein Einzelfall, sondern ein Dauerzustand, der sich immer wieder neu auftut". Der Fahrgastverband Pro Bahn stellte im Vorjahr zu den Langsamfahrstrecken der Werdenfelsbahn fest: "Kaum saniert und schon wieder kaputt."

Auf der Straße geht es schneller voran, ärgern sich die verbliebenen treuen Bahn-Kunden wie G.: "Der Vergleich mit der Straße ist ein Skandal." Für eine Umgehungsstraße von Weilheim seien 300 Millionen Euro vorgesehen und um Garmisch-Partenkirchen würden mehrere Tunnel für insgesamt 1,4 Milliarden Euro gebaut: "Der Ausbau der Straßen nebenan mit Tunnel kennt keine Geldsorgen."

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  • OLGI vor 7 Minuten / Bewertung:

    Wie viel Geld wurde unter den Ministern Ramsauer, Dobrindt und Scheuer in Straßen und Tunnels in Dobrindts Wahlkreis invesriert un wie viel in Schieneninfrastruktur?
    Wie viele Autobahnen, Bundes- oder Staatsstraßen sind bitte einspurig ausgebaut?

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  • cs23 vor einer Stunde / Bewertung:

    Für (natürlich grün gefärbte) Radwege und die Tram ist übrigens unsere Stadtregierung verantwortlich

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  • FredC4 vor einer Stunde / Bewertung:

    So ist es halt im (Auto)Bundesland Bayern.
    Die Reihenfolge der Wichtigkeit sind
    Strassen, Tunnel, Parkplätze, Parkhäuser, dann sehr lange nichts, und dann -wenn überhaupt- Schienennetz, S-Bahnbahn, Bahn, Aufzüge, Rolltreppen.
    Und nicht zu vergessen das wichtige Thema des CSU , nämlich die Bekämpfung von breiteren Radwegen, und der Tram sowieso.

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