Wie wird das Wetter im Winter? Vorhersagen sind sich einig

Schneeflocken rieseln vom Himmel, Berge und Täler färben sich weiß: Der Winter in Deutschland kann traumhafte Seiten haben. Viele Menschen wünschen sich jedes Jahr weiße Weihnachten, doch nur selten tritt das auch wirklich ein. Doch wie wird der Winter in diesem Jahr? Kalt und von Schnee und Frost geprägt – oder eher mild und nass? Die ersten Langzeitprognosen zeigen einen deutlichen Trend. Diplom-Meteorologe Dominik Jung ordnet sie für die AZ ein.
Doch wann genau fängt der Winter eigentlich an? Hier unterscheiden die Experten zwischen dem meteorologischen und dem kalendarischen Winteranfang. Während der meteorologische Winteranfang am 1. Dezember ist, liegt der kalendarische deutlich dahinter und startet am 21. Dezember. Die aktuellen Langzeitprognosen beziehen sich auf den Zeitraum vom 1. Dezember bis Ende Februar – und zeigen vor allem für die ersten Wintermonate einen ersten Trend.
Wetter im Winter: Aktuelle Vorhersagen zeigen klares Bild
Dem amerikanischen und europäischen Wettermodell zufolge soll der Winter 2026/27 in Deutschland deutlich zu mild ausfallen. Die Modelle berechnen für die drei Wintermonate Abweichungen von etwa 1,5 bis 2,5 Grad Celsius gegenüber dem langjährigen Mittel (1991 bis 2020), in einzelnen Modellläufen regional sogar um die 3 Grad.
Dabei sollen vor allem Dezember und Januar zu warm werden, während das Wärme-Signal im Februar etwas schwächer ist. "Für Schneefreunde sind das nach aktuellem Stand keine guten Nachrichten. Ein klassischer Winter mit wochenlangem Dauerfrost und geschlossener Schneedecke im Flachland ist in den Modellen derzeit nicht zu erkennen", sagt Jung.
Wie warm wird der Winter in München? Die aktuelle Vorhersage
In München und im Umland sieht der Trend aktuell ähnlich aus. Das europäische Wettermodell rechnet damit, dass es in Süddeutschland besonders mild werden soll. So liegt die durchschnittliche Wintertemperatur in München im langjährigen Mittel bei etwa 1 Grad. Wenn sich jedoch die aktuellen Modelltendenzen durchsetzen, läge die durchschnittliche Wintertemperatur in München in diesem Winter eher bei 2,5 bis 3,5 Grad. "Der Winter würde sich über weite Strecken eher wie ein langer Spätherbst anfühlen", ordnet Jung ein.
Besonders für München und das Alpenvorland ist der Föhn. "Bei den erwarteten südwestlichen Strömungen kann er einzelne Tage sehr mild machen, mit Werten von 12 bis 15 Grad selbst mitten im Winter. Umgekehrt gibt es bei ruhigen Hochdrucklagen Inversionswetterlagen, bei denen es in der Stadt und im Umland trüb, neblig und frostig ist, während es in den Bergen sonnig und deutlich milder ist. Solche Phasen sind auch in einem insgesamt milden Winter möglich", sagt Jung.
Schnee oder Regen? Wetter-Experte ordnet Vorhersage ein
Kommen Schneefans dennoch auf ihre Kosten? Die gute Nachricht für das Wetter im Winter 2026/27 ist, dass viel Niederschlag erwartet wird. Das amerikanische und das europäische Wettermodell prognostizieren einen nassen Winter. Dabei soll vor allem der Dezember sehr niederschlagsreich werden, aber auch im Januar rechnen sie mit viel Niederschlag. Normalerweise fallen im Winter etwa 180 bis 190 Liter pro Quadratmeter, die Modelle deuten derzeit auf ein Plus von etwa 10 bis 25 Prozent hin.

"Die entscheidende Frage ist natürlich: Schnee oder Regen? Und hier ist die Antwort leider ziemlich klar. Bei Temperaturen von 2 bis 3 Grad über dem Mittel wird der Großteil des Niederschlags im Flachland und in mittleren Lagen als Regen fallen. Man muss eher mit grauem, nassem Schmuddelwetter rechnen als mit Pulverschnee", macht Jung Schneefans wenig Hoffnung.
Wetter im Winter in Deutschland: Sturm- und Hochwassergefahr steigen
Ein milder Winter in Deutschland kann aber auch mehrere Gefahren mit sich bringen: Dann kann das Risiko für Sturm- und Hochwasserlagen steigen. "Ein milder und nasser Winter mit vielen atlantischen Tiefs bringt oft auch Sturmphasen. Wenn große Regenmengen auf gesättigte Böden fallen, gibt es eine erhöhte Hochwassergefahr an den Flüssen, auch an der Donau und ihren Zuflüssen", so Jung.
In München und dem Umland sieht es ähnlich aus. Normalerweise fallen in München in den drei Wintermonaten etwa 150 bis 170 Liter Niederschlag pro Quadratmeter, die Modelle deuten eher auf mehr hin. Mit einer Höhenlage von rund 500 Metern liegt München allerdings in einer Region, in der die Schneefallgrenze in einem milden Winter oft deutlich höher liegt. Deshalb fällt der Niederschlag meist als Regen oder Schneeregen, nur in wenigen Fällen schneit es. "Eine länger liegende Schneedecke wäre nach jetzigem Stand eher die Ausnahme", sagt Jung.
Wetter im Winter: Diese Skigebiete könnten Glück haben
Anders sieht es in den Alpen aus. Das europäische Wettermodell rechnet oberhalb von etwa 1800 bis 2000 Metern sogar mit überdurchschnittlichem Schneefall. "Für die hohen Skigebiete in Tirol, am Arlberg oder in der Schweiz könnte das ein guter Winter werden. Für die niedrigen Skigebiete im bayerischen Voralpenland und in den Mittelgebirgen sieht es dagegen eher schwierig aus. Dort könnte es häufig zu mild für Naturschnee sein und auch das Beschneien könnte immer wieder an zu hohen Temperaturen scheitern", schätzt Jung die Lage in den Skigebieten ein.

Doch warum wird das Wetter im Winter 2026/27 in Deutschland eher zu mild und nicht verschneit? Dafür sieht der Diplom-Meteorologe aktuell mehrere Gründe: den Atlantik, El Niño und den Klimawandel. Die Modelle sehen im Atlantik eine vorherrschende West- bis Südwestströmung. Die Tiefdruckgebiete ziehen dann in Richtung Mitteleuropa und bringen milde, feuchte Meeresluft mit. "Solange dieser atlantische Motor läuft, hat die Kälte aus dem Osten kaum eine Chance", so Jung.
Wie Klimawandel und El Niño den Winter beeinflussen
Im tropischen Pazifik gibt es aktuell ein sehr starkes El-Niño-Ereignis, eines der stärksten seit Beginn der Messungen. "El Niño beeinflusst das Wetter weltweit, sein Einfluss auf Europa ist allerdings deutlich schwächer und weniger eindeutig als etwa in Nordamerika. Man sollte ihn daher nicht überbewerten. Er ist ein Baustein, aber nicht der alleinige Taktgeber für unseren Winter", ordnet Jung ein.
Beim Blick auf die Wetterdaten der vergangenen Jahre zeigen sich ebenfalls deutlich Einflüsse des Klimawandels: Die Meere sind sehr warm, die Winter in Deutschland immer milder geworden. "Ein zu milder Winter ist inzwischen eher die Regel als die Ausnahme. Allein dieser Trend sorgt schon dafür, dass eine Prognose zu mild öfter zutrifft als nicht“, fasst Jung zusammen.
Bringt der Polarwirbel Kälte? So wird das Wetter im Winter
Eine Hoffnung für Winterfans hat er noch: den Polarwirbel. Die Berechnungen des europäischen Wettermodells sehen aktuell eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass dieser Wirbel Ende Dezember oder im Januar gestört wird. Diese Störung kann mit einigen Wochen Verzögerung die Westströmung abschwächen und Kaltluftvorstöße nach Mitteleuropa begünstigen. "Das ist ausdrücklich keine Garantie für Kälte, aber es ist der Grund, warum ich den Spätwinter, also Ende Januar und vor allem den Februar, noch nicht abschreiben würde", erklärt Jung.
Sein Fazit zum Wetter im Winter 2026/27: "Der Dezember dürfte nach jetzigem Stand mild und nass ausfallen, weiße Weihnachten in München wären eher eine Überraschung. Der Januar tendiert ebenfalls zu mild, der Februar ist die große Unbekannte. Insgesamt deutet vieles auf einen zu milden und zu nassen Winter hin."
Bei der Prognose für das Wetter im Winter handelt es sich um erste Trends, keine Tagesprognosen. Die Vorhersagen können sich noch ändern. Je näher der Winter rückt, desto genauer werden die Prognosen.