Wie Bayerns Unternehmer den Standort sehen

Die meisten Betriebe würden sich auch heute noch im Freistaat ansiedeln. Die Qualität des Standorts bewerten sie aber schlechter als noch vor einigen Jahren.
von  dpa
Oberbayern mit München liegt unter den Regierungsbezirken in Sachen Standortqualität an erster Stelle. (Archivbild)
Oberbayern mit München liegt unter den Regierungsbezirken in Sachen Standortqualität an erster Stelle. (Archivbild) © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die bayerischen Unternehmen sind mit ihrer Standortwahl mehrheitlich zufrieden. 91,5 Prozent sagten bei einer aktuellen Umfrage von IW Consult im Auftrag der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft auf die Frage, ob sie sich wieder im Freistaat ansiedeln würden: Ja. Das ist etwas mehr als vor einem Jahr und der höchste Wert seit 2022. Noch im vergangenen Jahrzehnt lag die Loyalität mit oft mehr als 95 Prozent aber höher. 

Die Standortqualität wird von den 700 befragten Unternehmen im Schnitt mit 72,5 von 0 bis 100 Punkten bewertet. Das ist im Vergleich zu 2025 stabil. Auf lange Sicht ist es ein eher mittlerer Wert, allerdings lagen die Werte in den Jahren 2019 und 2020 noch über 75. 

Oberbayern und Schwaben vorne

Die besten Qualitätsnoten in Bayern bekommt wie in den Vorjahren Oberbayern mit 76,9 Punkten. Dahinter folgen Schwaben mit 75,9, Mittelfranken mit 73, die Oberpfalz mit 72,6, Niederbayern mit 72,4 sowie Oberfranken mit 68,4 und Unterfranken mit 67,2 Punkten. 

Die Loyalität zum eigenen Regierungsbezirk ist allerdings etwas anders verteilt: Sie ist in Schwaben mit 86,3 Prozent am höchsten, dahinter folgen Oberbayern mit 84,1, Mittelfranken mit 83,2, Niederbayern mit 81,1 und Oberfranken mit 79,2. Schlusslichter sind hier Unterfranken und Oberpfalz mit 78 Prozent. Alle Werte sind niedriger als die Standortloyalität zu Bayern insgesamt - ein Verbleib im eigenen Regierungsbezirk ist allerdings auch ein engeres Kriterium als ein Verbleib im Freistaat. 

"Die bayerischen Firmen bekennen sich weiterhin klar zum Freistaat", sagt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. "Das ist ein wichtiges Signal. Gleichzeitig darf es nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Standortbedingungen langfristig deutlich an Qualität verloren haben. Damit Wohlstand und Arbeitsplätze dauerhaft gesichert bleiben, müssen wir aber alles daransetzen, die Rahmenbedingungen wieder deutlich attraktiver zu machen."

Sorge um Investitionen

In der Umfrage wurden auch Schulnoten für fünf wichtige Themenfelder abgefragt. Am schlechtesten schnitt dabei das Verwaltungshandeln ab, das sich um 0,1 auf die Note 4,3 verschlechterte. Bei Energie und Rohstoffe ging es um 0,2 auf die Note 3,7 nach unten. Innovationsumfeld und allgemeine Infrastruktur erhielten wie vor einem Jahr die Noten 3,1 und 3,3. Der Bereich Humankapital verbesserte sich um 0,1 auf 3,8.

Sorgen macht Brossardt die sinkende Investitionsbereitschaft: Am deutlichsten falle der Rückgang bis 2028 dabei mit knapp 16 Prozent bei den Ausrüstungsinvestitionen aus. "Aber auch bei Bauten, Digitalisierung oder sonstige Anlagen wie Forschung und Entwicklung soll in den nächsten zwei Jahren deutlich weniger investiert werden. Das ist ein äußerst fatales Signal."

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