Werbeeinnahmen bei ProSiebenSat.1 im Keller

Die ProSiebenSat.1-Aktionäre verzichten auf 192 Millionen Euro Dividende, denn der Fernsehkonzern braucht jetzt Geld. Und sie hören auf der Hauptversammlung, wann der neue Vorstand Beteiligungen verkaufen will und was er von einem europäischen Senderverbund hält.
| dpa
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Der Schriftzug der ProSiebenSat.1 Media SE ist bei der Bilanz-Pk auf einem Bildschirm zu sehen. Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild
dpa Der Schriftzug der ProSiebenSat.1 Media SE ist bei der Bilanz-Pk auf einem Bildschirm zu sehen. Foto: Sina Schuldt/dpa/Archivbild

München - Das Kerngeschäft von ProSiebenSat.1 läuft in der Corona-Krise weiterhin schlecht. Vorstandssprecher Rainer Beaujean sagte am Mittwoch auf der Hauptversammlung: "Im April und Mai hatten wir bei den TV-Werbeeinnahmen ein Minus von rund 40 Prozent. Auch im Juni sehen wir noch keine Verbesserungen." Das Geschäft der Red Arrow Studios werde durch Produktionsverschiebungen ebenfalls beeinträchtigt.

"In der Krise tendieren Werbekunden leider dazu, Marketingbudgets zu kürzen oder zu verschieben", erklärte Beaujean. Das sei paradox, denn die Sehdauer sei in der Corona-Krise kräftig gewachsen. Hoffnung mache ihm aber, dass auch große Kunden ihr Jahresbudget inzwischen auf Vorjahreshöhe bestätigt hätten. Gewöhnlich erwirtschafte der Fernsehkonzern die Hälfte seines Gewinns erst zwischen September und Dezember. Ein Jahresprognose sei jedoch noch nicht möglich.

Um zu sparen, hat ProSiebenSat.1 Investitionen gekürzt, 1244 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt und die Dividende gestrichen. Die Partnervermittlung Parship soll "zum richtigen Zeitpunkt" gewinnbringend an die Börse gebracht werden, voraussichtlich 2022. Alle Bereiche werden überprüft, ob sie zum Kerngeschäft Unterhaltung beitragen und profitabel sind. "Wachstum alleine soll nicht mehr unsere Messgröße sein. Wir wollen langfristige Profitabilität", betonte Beaujean, der den Chefposten Ende März von Max Conze übernommen hatte. Es sei "nicht mehr unser Ziel, maximalen Umsatz zu erzielen". Der Fokus sei Entertainment und Infotainment, "ohne dass wir dafür strategische Akquisitionen bräuchten".

Der bis vor kurzem größte Aktionär, der italienische Mediaset-Konzern, hatte vergangene Woche kritisiert, das neue Management habe keine Wachstumsstrategie. Was zuletzt vorgelegt worden sei, "führt nur dazu, dass das Unternehmen schrumpft". Mediaset hält aktuell 11,7 Prozent der Stimmrechte und hat mit Optionen Zugriff auf weitere 12 Prozent.

Beaujean sagte am Mittwoch: "Mit mir kann man alles besprechen. Ich höre mir alles an". Aber ein europäischer Zusammenschluss würde kaum Synergien bringen, weil der Geschmack der Fernsehzuschauer in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich sei. An Spekulationen über eine Übernahme von ProSiebenSat.1 beteilige er sich nicht. Strategische Gespräche gebe es weder mit Mediaset noch mit dem Großaktionär Czech Media Invest des Milliardärs Daniel Kretinsky, der 12 Prozent der Stimmrechte halte. Das Verhältnis zu Kretinsky und zum dritten großen Aktionär KKR sei gut.

Im Aufsichtsrat sind die Großaktionäre noch nicht vertreten. Die Hauptversammlung wählte die österreichische Politik- und Unternehmensberaterin Antonella Mei-Pochtler als Nachfolgerin von Angela Gifford in das Kontrollgremium.

Aufsichtsratschef Werner Brandt betonte, Beaujean sei nicht Vorstandsvorsitzender, sondern Vorstandssprecher: "Beaujean ist primus inter pares. Wobei die Betonung auf pares liegt." Das Vorstandstrio solle als "echtes Team" funktionieren. Es gebe aber keinerlei Pläne, einen Vorstandschef zu suchen: "Der Vorstand ist langfristig aufgestellt", stellte er klar. Der vorzeitig ausgeschiedene Max Conze habe für den Rest seiner Vertragslaufzeit 3,9 Millionen Euro Abfindung erhalten, sein Stellvertreter Conrad Albert 3 Millionen.

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