Wenn Bayern über Ufos spricht: Außerirdische Geheimnisse und irdische Geldprobleme
"Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle – das Grundgefühl, das an der Wiege wahrer Kunst und Wissenschaft steht." Dieses Zitat von Albert Einstein ist nach Ansicht von Hakan Kayal, Professor für Raumfahrttechnik an der Universität Würzburg, eine klare Aufforderung, sich mit den "Unidentified Anomalous Phenomena" (UAP), früher bekannt als "Ufos", wissenschaftlich auseinanderzusetzen.
Jährlich lädt Kayal Fachleute aus der ganzen Welt zu einer "Ifex Seti & UAP"-Konferenz in die Mainfrankenmetropole ein. In dieser Woche war es wieder so weit.
"Ifex" steht für "Interdisziplinäres Forschungszentrum für Extraterrestrik" – die deutschlandweit erste wissenschaftliche Einrichtung, die nach außerirdischem Leben (Seti) sucht und unidentifizierte Flugobjekte unter die Lupe nimmt. Ifex, beheimatet an der Würzburger Julius-Maximilians-Universität, erprobt unter anderem auf der Zugspitze Technologien zur Himmelsüberwachung.
"Wir müssen die Wahrheit herausfinden"
Das "Geheimnisvolle" hat etwas Wunderbares, sagte Kayal auf der diesjährigen Ifex-Tagung. Es wäre aber falsch, es dabei zu belassen und dem Mysterium nicht auf den Grund zu gehen: "Wir müssen die Wahrheit herausfinden."

Denn dass da "nicht nichts" ist, sondern etwas Unerforschtes, davon ist Kayal ebenso wie die internationalen Referenten auf der UAP-Konferenz überzeugt.
Die meisten dieser spöttisch als "fliegende Untertassen" bezeichneten Objekte, die zuweilen auch unter Wasser operieren, werden als optische Täuschungen, Flugzeuge, Ballons, Vögel, Meteore oder anderes enttarnt – aber eben nicht alle.
Zu viele Beobachtungen und Messungen bleiben zunächst unerklärlich, weshalb sich zunehmend Regierungen und seriöse Wissenschaften mit diesen Phänomenen befassen. Das gilt auch wieder für die Nasa, welcher der US-Kongress 1993 strikt untersagt hatte, sich mit außerirdischer Intelligenz zu befassen, berichtete deren langjähriger Mitarbeiter Silvano Colombano. Das dem "Ufo"-Thema anhaftende Stigma löse sich zusehends in Luft auf.
Was Donald Trump mit der Ufo-Forschung zu tun hat
Das ist nicht zuletzt ein Verdienst von US-Präsident Donald Trump, der bereits mehrere Serien von bisher geheimen Ufo-Beobachtungen für die Veröffentlichung freigegeben hat. Der Haken an der Sache sei freilich, dass entscheidende Daten weiterhin zurückgehalten würden, bedauerte Christian Peters von der Universität Bremen.
Weil zu den Videos technische Angaben etwa über Entfernung und Geschwindigkeit fehlten, könne die Wissenschaft mit den Filmen nichts anfangen. Die UAP-Offensive Trumps sei eher ein "politisches Theater".

UAP-Beobachtungen kommen nach den Worten des Wissenschaftsjournalisten Andreas Müller zunehmend aus der Ukraine. Der Verteidigungskrieg gegen Russland zwinge die Ukrainer, den Himmel genau zu beobachten. Dabei falle immer wieder etwas auf, was weder als Drohne noch als Rakete oder sonstiges Kriegsgerät identifiziert werden könne.
Nicht alle Informationen werden von den USA veröffentlicht
Die USA hätten im Gegensatz zu den europäischen Ländern bereits ein ausgeklügeltes System zur Veröffentlichung von UAP-Informationen entwickelt, berichtete der Kommunikationswissenschaftler Andreas Schwarz. Die Regierungsstellen, die über die Informationen verfügten, sollten wenigstens erklären, warum die Öffentlichkeit einiges erfahren dürfe, aber vieles – möglicherweise aus Gründen der Sicherheit – nicht.
Kevin Knuth, Professor an der Universität Albany, hat anhand mehrerer bekannt gewordener UAP-Sichtungen ausgerechnet, dass diese schwerlich von dieser Welt sein können. Die berichteten Flug- und Tauchmanöver von mysteriösen Objekten seien so extrem, dass die Beschleunigungswerte weder irdisches Material noch Menschen aushalten könnten, berichtete Knuth.

Ein 1986 von einer Flugzeugbesatzung beobachtetes UAP habe eine Geschwindigkeit bis zur 350-fachen Schallgeschwindigkeit erreicht. Die Strecke von der Erde zum Mond würde ein solches mögliches Raumschiff in 53 Minuten zurücklegen.
1987 habe ein britisches Kriegsschiff ein 240 Meter großes Unterwasserobjekt gesichtet, das trotz hoher Geschwindigkeit keine sichtbaren Auswirkungen auf das umgebende Meerwasser gehabt habe.
Eine gewagte These: Was die Außerirdischen vorhaben
Eine gewagte These brachte der Biophysiker Anthonie Muller in die Konferenz ein. Er ging nicht nur davon aus, dass die UAP von Außerirdischen gesteuerte Objekte seien, sondern wollte auch die Absichten der "NHI" (nichtmenschliche Identitäten) erkannt haben: Die NHIs wollten DNA vom Planeten Erde abschöpfen, um ihre eigene ramponierte zu erneuern.
Die These des Niederländers blieb nicht unwidersprochen: Außerirdische Intelligenzen, die Lichtjahre überbrücken, würden sich ja wohl selbst helfen können: "Wir können das schon fast selbst", so ein Teilnehmer.

Was wäre, wenn es eines Tages doch zu einem Kontakt zwischen außerirdischen Besuchern und den Menschen sowie ihren Regierungen käme? Auf die Erforschung der Mysterien zu verzichten, könnte "lebensgefährlich" sein, warnte Ifex-Chef Kayal. Alle Aspekte des Themas – politische, ökonomische, rechtliche, philosophische, physikalische und auch religiöse – "müssen auf den Tisch".
Fundraising für einen Forschungsverbund
Diese Mammutaufgabe könne das Ifex-Institut aber nicht stemmen, weshalb ein umfassenderer Forschungsansatz erforderlich sei. Das ganz und gar irdische Problem: Geldmangel. Kayal will daher nun ein Fundraising für seinen Plan eines interdisziplinären Forschungsverbundes starten.
Ebenso werden vier Arbeitsgruppen eingesetzt, welche sich mit unterschiedlichen Aspekten befassen sollen. Immerhin hat Kayals Institut schon Besuch von Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) bekommen. Damit sei "das Minister-Level erreicht", hob er hervor.
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