Früher Start, gute Qualität – Weinlese in Franken beginnt

Die zuletzt kühlen Nächte lassen die Winzer auf einen guten Jahrgang hoffen. Doch sinkende Absätze setzen viele Betriebe unter Druck. Was könnte ihnen helfen?
von  dpa
Franken ist laut dem Verband mit gut 6.200 Hektar Rebfläche das größte Weinanbaugebiet in Bayern.
Franken ist laut dem Verband mit gut 6.200 Hektar Rebfläche das größte Weinanbaugebiet in Bayern. © Daniel Vogl/dpa

Die kühleren Nächte und etwas mehr Regen kurz vor Beginn der Weinlese stimmen die fränkischen Winzer optimistisch. Das habe die Aromaausbildung begünstigt, erläuterte Michael Zehnder vom fränkischen Weinbauverband. "Die Weingenießer dürfen sich auf einen guten Jahrgang freuen." Die Trauben seien wegen der Hitze zwar etwas kleiner, aber gesund. Für eine Einschätzung zur Erntemenge sei es aber noch zu früh. Die Erntebilanz will der Verband Ende September vorstellen. 

In Franken startet nun die Hauptweinlese - und damit in diesem Jahr außergewöhnlich früh. Zur offiziellen Eröffnung in Iphofen (Landkreis Kitzingen) kamen auch Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer und seine bayerische Kollegin Michaela Kaniber (beide CSU), die symbolisch die ersten Trauben ernteten. 

Wein sei ein Genussmittel und ein Kulturgut, sagte Kaniber. Die Winzer in Franken trügen mit harter Arbeit dazu bei, dieses zu erhalten. Aktuell litten diese aber unter einer Absatzkrise. "Wenn wir es nicht schaffen, hier gegenzusteuern, dann wird sich unsere Landschaft im Weinland Franken ganz drastisch verändern", sagte sie. Wer diese Kulturlandschaft erhalten wolle, müsse auch deutschen Wein kaufen, ergänzte Bundesminister Rainer. 

Markenzeichen ist der Bocksbeutel

Franken ist laut dem Verband mit gut 6.200 Hektar Rebfläche das größte Weinanbaugebiet in Bayern. Die Anbaufläche erstreckt sich in etwa von Bamberg bis Aschaffenburg. Bekannt ist das Anbaugebiet vor allem für die Rebsorte Silvaner und den Bocksbeutel, in dem viele Frankenweine abgefüllt sind. Im Schnitt werden dort jährlich rund 400.000 Hektoliter Wein erzeugt. Rund 650 Weingüter verkaufen ihre Weine ab Hof, etwa 2.800 Winzerfamilien sind in den drei fränkischen Winzergenossenschaften organisiert. 

Die Winzer in Franken kämpfen mit sinkenden Absätzen, weil weniger Wein getrunken wird und wenn, dann oft welcher aus dem Ausland. Gleichzeitig stehen die Winzer vor steigenden Kosten etwa für Mindestlohn und Sprit. Immer mehr Betriebe geben unwirtschaftliche Flächen auf. 

Ab kommenden Jahr sollen Winzer für die Bewirtschaftung von Steilhängen eine höhere Förderung bekommen, da diese dort oft nicht mit Maschinen, sondern nur per Hand arbeiten können. Zudem will die Landesregierung nach Angaben von Kaniber einen Innovationsfonds für die Winzerfamilien in Höhe von 300.000 Euro auflegen und mit 200.000 Euro ein Forschungsprojekt fördern, das angesichts der Klimakrise neue Sorten und Kulturen auf den Weg bringt. 

Alkoholfreier Wein als wichtige Ergänzung

Eine Chance für die Winzer, auf den sinkenden Absatz zu reagieren, ist aus Sicht von Kaniber zudem alkoholfreier Wein. Am Morgen hatte sich die Ministerin die erste fränkische Entalkoholisierungsanlage in Kitzingen angeschaut, die Frankens größte Winzergemeinschaft GWF seit April in Betrieb hat. "Das heißt nicht, dass es einen klassischen Wein mit Alkohol nicht mehr geben soll, sondern er soll das Portfolio erweitern", sagte Kaniber. Noch ist alkoholfreier Wein den Fachleuten zufolge eine Nische, die Nachfrage aber steigt.

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