"Was ein Blödsinn immer": Darum gibt's am Tegernsee jetzt eine Diskussion ums Essen

Heimischen Spargel gibt es aktuell noch nicht. Das Bräustüberl Tegernsee kündigt das Gemüse trotzdem schon auf der Speisekarte an – es kommt vorerst aus Griechenland. Warum das so manchen aufregt und wie gelassen Wirt Peter Hubert darauf reagiert.
von  Rosemarie Vielreicher
Im Biergarten des Tegernseer Bräustüberls genießen zahlreiche Gäste bei Sonnenschein ihr Essen. Doch muss es Anfang März auch schon Spargel sein?
Im Biergarten des Tegernseer Bräustüberls genießen zahlreiche Gäste bei Sonnenschein ihr Essen. Doch muss es Anfang März auch schon Spargel sein? © Peter Schickert/imago

Das Herzogliche Bräustüberl am Tegernsee wollte eigentlich eine freudige Ankündigung fürs Wochenende machen. Bei Facebook schrieb das Kult-Wirtshaus: "Der erste Spargel der Saison ist da. Am Wochenende gibt es bei uns den ersten frischen Spargel – direkt aus Griechenland."

Ein schöner Vorgeschmack auf den Frühling sei das und "der Auftakt der Spargelzeit bei uns im Bräustüberl".

"Gibt es auch Bier aus Griechenland?"

Allerdings schmeckte das so einigen Nutzern gar nicht. Unter dem Beitrag heißt es zum Beispiel: "Spargel aus der Region, das wäre richtig. Dann muss man halt noch was warten." Oder aber: "Geh! Anfang März scho Spargel? Braucht’s des?" Ein anderer Nutzer meint: "Gibt es auch Bier aus Griechenland? Kann man da nicht Spargel aus Schrobenhausen oder Abensberg nehmen?"

Das Bräustüberl in Tegernsee ist bei Ausflüglern äußerst beliebt.
Das Bräustüberl in Tegernsee ist bei Ausflüglern äußerst beliebt. © Rosemarie Vielreicher

So mancher nimmt es dem Tegernseer Bräustüberl übel: "Ich dachte immer, das Bräustüberl steht für regionale Saisonküche, Spargel aus Griechenland?? Traurig, traurig. Den ersten Spargel aus Deutschland sollte man am 10. April verkaufen."

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Andere stehen auf der Seite des langjährigen Wirts Peter Hubert: "Also wie man sich nur über sowas aufregen kann. Leben und leben lassen. Wer JETZT keinen Spargel essen will, der soll an Schweinshaxen essen. Ganz einfach. Manche Leute haben zu viel Zeit", heißt es in einem Kommentar.

Auch dieser Schreiber springt ihm zur Seite: "Hoffe, jeder der hier so negativ kommentiert, konsumiert nie Bananen, Avocados, Orangen, Datteln, Kokosnuss usw. Die sind nämlich auch nicht regional. Was ein Blödsinn immer."

Ab wann deutscher Spargel geerntet wird

Der größte Teil des deutschen Spargels wird erst zwischen Ende April und dem 24. Juni (Johanni) geerntet, heißt es vom Bundesinformationszentrum Landwirtschaft.

Aber das aktuelle Frühlingswetter gibt Grund zur Vorfreude für Spargel-Fans: Die ersten heimischen Stangen könnten in diesem Jahr schon Mitte März im Südwesten Deutschlands geerntet werden. Das teilte am Freitag der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer in Bruchsal mit. Nennenswerte Erntemengen soll es ab 20. März geben.

"Mit dem gefühlten Sprung vom Winter in den Sommer treiben die Spargelstangen nun üppig aus", teilte der Anbauberater des Verbands, Ludger Aldenhoff, mit. "Wenn es mit der Ernte losgeht, dann wird es richtig losgehen. Zu Ostern erwarten wir ausreichend Spargel für alle."

So reagiert das Bräustüberl auf die Spargel-Diskussion

Laut dem Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauern gibt es in Deutschland rund 1300 Spargelbetriebe. In Bayern wurden 2024 der Statistik zufolge 19.406 Tonnen Spargel angebaut.

Das Bräustüberl reagierte am Donnerstag auf die Spargel-Diskussion, die durch den Post entstanden war. Mit einem Foto von Hubert, der Spargel genießt. Dazu schreibt das Gasthaus: "Gestern haben wir gelernt: Spargel im März kann offenbar für Gesprächsstoff sorgen. Ja, er kommt aktuell noch aus Griechenland. Und ja auf den deutschen Spargel freue ich mich genauso wie viele von euch."

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Weiter heißt es in dem Beitrag: "Bis dahin halten wir es bei uns im Bräustüberl aber ganz einfach: leben und leben lassen. Wer warten möchte, wartet. Wer Lust auf den ersten Spargel hat, darf ihn gern genießen."

Peter Hubert über ersten Spargel: "Sauguad war er"

Gastronom Hubert lässt wissen: "Ich habe mir heute jedenfalls schon einmal einen Teller gegönnt mit Schinken dazu, so wie er gehört. Und was soll ich sagen: Sauguad war er." Er strahlt auf dem Foto.

Am Ende sei ein Wirtshaus doch genau dafür da: "Dass jeder das bestellt, worauf er gerade Lust hat." So sei es im Bräustüberl schon immer gewesen. Und so wolle es Hubert auch weiterhin halten. Von vielen bekommt er dafür Zuspruch.

Für 23,50 Euro gibt es laut Wochenkarte also am Samstag und Sonntag (7. und 8. März) frischen Spargel mit kleinem Schweineschnitzel, Petersilienkartoffeln und Sauce Hollandaise. Freilich für diejenigen Gäste, die schon Spargel mögen.

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