Interview

Wann trifft man Manuel Neuer eigentlich in seinem Forsthaus Valepp? Das sagt der Wirt Johannes Rabl

Das historische Forsthaus Valepp hat bereits die zweite Saison unter Fußballstar Manuel Neuer und Gastronom Johannes Rabl abgeschlossen. In der AZ spricht der Wirt über prominenten Besuch, Wasser aus den Steckdosen und wie er mit der gesenkten Mehrwertsteuer auf Speisen umgeht.
von  Rosemarie Vielreicher
Gastronom Johannes Rabl (r.) mit hohem Besuch im Forsthaus Valepp: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist im August dort gewesen.
Gastronom Johannes Rabl (r.) mit hohem Besuch im Forsthaus Valepp: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist im August dort gewesen. © Stephan Rabl

Das historische Forsthaus Valepp in der Gemeinde Schliersee gehört seit zwei Jahren zu den bekanntesten Ausflugszielen in Oberbayern. Nicht zuletzt, weil FC-Bayern-Star Manuel Neuer zusammen mit Johannes Rabl dem Haus neues Leben eingehaucht hat. Das Baudenkmal liegt inmitten der Berge zwischen Tegernsee und Spitzingsee. Nun ist die zweite Saison vorbei. Die hatte es in sich, nicht nur im positiven Sinne.

AZ: Herr Rabl, das Forsthaus Valepp ist nun bis Mai im Winterschlaf. Wie haben Sie die zweite Saison empfunden?
Johannes Rabl: Sie war ab der ersten Woche der Sommerferien geprägt von einem Wasserschaden – im Prinzip also während unseres ganzen Hauptgeschäfts im Hochsommer und im Herbst. Denn behoben war der Schaden erst zu Allerheiligen. Das hat uns einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Wir hatten zwar den Biergarten, aber die Innen-Gastronomie und alle Zimmer standen nicht zur Verfügung. Das war eine mittlere Katastrophe. Aber es ist alles behoben und es gibt keinen bleibenden Schaden am Gebäude. Mein Team hat mir auch die Stange gehalten und sie kommen alle nächste Saison wieder. Von daher: Schwamm drüber. Wir sind einigermaßen vernünftig aus dem Jahr rausgekommen.

Manuel Neuer und Johannes Rabl haben das historische Forsthaus renoviert und wiedereröffnet.
Manuel Neuer und Johannes Rabl haben das historische Forsthaus renoviert und wiedereröffnet. © Forsthaus Valepp

Was war letztlich die Ursache, wissen Sie das mittlerweile?
Eine Duscharmatur in der Wand ist gebrochen. Im Verborgenen ist viel Wasser in das historische Gebäude hineingespült worden. Als das bemerkt wurde, kam das Wasser schon aus den Steckdosen, aus den Feuermeldern und so weiter rausgelaufen. Allein zwölf Wochen haben wir alles getrocknet. Vorsichtshalber haben wir nun alle Bäder mit neuen Duscharmaturen ausgestattet.

Haben Sie in dieser Zeit nicht mal daran gedacht, das Handtuch zu werfen? 
Nein, das muss man einfach abarbeiten und erhobenen Hauptes erledigen. Es hat niemand absichtlich gemacht, letztlich kann auch keiner etwas dafür.

Gab es trotzdem in der Saison Highlights für Sie?
Logisch! Das erste war gleich am ersten Öffnungstag: das Maibaumaufstellen. Eine super Gaudi, alle starken Männer im Biergarten haben mitgeholfen. Der Baum ist uns vorher auch einmal verzogen worden.

So nahbar zeigt sich Friedrich Merz bei seinem Besuch im August

Zweimal sogar!
Ja, genau. Die ersten Maibaum-Diebe waren auch schon zum Auslösen da, sie haben eine saubere Brotzeit bekommen. Das absolute Highlight war aber im August der Almkirta an Mariä Himmelfahrt. Diese fast 200 Jahre alte Tradition wollen wir weiterführen. Erst findet der Feldgottesdienst in der Marienkapelle statt, danach unsere kulinarische Kirchweih im Biergarten – mit unserem lieben Stammgast, dem Herrn Bundeskanzler. Sein Besuch hat richtig Spaß gemacht! Man hat nicht über Politik geredet, sondern man konnte die Seele baumeln lassen und wir saßen gemütlich zusammen.

Begehrter Baum: Ein Gruppenfoto zusammen mit dem eroberten Maibaum des Forsthaus Valepp.
Begehrter Baum: Ein Gruppenfoto zusammen mit dem eroberten Maibaum des Forsthaus Valepp. © Christian Nocker/AZ-Archiv

Konnten Sie wirklich mit Friedrich Merz reden? 
Selbstverständlich. Er war total zugänglich, hat mit den Kindern gelacht und gescherzt. Er hat sogar selbst eine Bierbank zur Kapelle hochgetragen, damit es mehr Sitzplätze gibt. Es war eine ganz entspannte Situation. Ich muss dazu sagen: Er war nicht zum ersten Mal da, er ist schon seit vielen Jahren mein Gast, nicht nur im Forsthaus, sondern auch im Leeberghof. Ich finde, dass es jedes Mal eine ganz entspannte, lustige und angenehme Zeit ist. Das wird auch in Zukunft so bleiben, daran hat sein Amt des Bundeskanzlers nichts geändert. Und ich bin mir sicher, dass er nicht zum letzten Mal da war.

Gibt es für den Kanzler eine besondere Karte oder isst er wie jeder andere Gast? 
Es gibt keine Extrawurst, wir haben unsere bodenständige Küche. Die Almbauern sind bei der Almkirta genauso wichtig wie der Bundeskanzler.

Neuers straffer Terminplan: "Man muss schon realistisch sein"

Sie haben vorhin schon die Auslöse des Maibaums angesprochen. Die "Diebe" hatten sich eine Festlichkeit mit Manuel Neuer gewünscht. War er dabei? 
Mei, jeder muss seinem Beruf nachgehen. Wenn irgendwo ein Champions-League-Spiel, ein Training oder ein Auslandsspiel stattfindet, kann er natürlich nicht sagen: Ich fahre nicht mit nach Paris, weil ich einen Maibaum auslösen muss. Das geht einfach nicht. Man muss schon realistisch sein. Der Manuel ist immer wieder mit dem Fahrrad da, beim Spaziergehen oder zur Brotzeit beim Forsthaus. Aber wann und wie oft, ist seine Entscheidung.

Blick auf das sanierte Forsthaus Valepp von Manuel Neuer und Johannes Rabl.
Blick auf das sanierte Forsthaus Valepp von Manuel Neuer und Johannes Rabl. © Forsthaus Valepp

Das heißt: Er war nicht dabei.
Nein, war er nicht.

Können Sie die Frage überhaupt noch hören, ob Manuel Neuer vor Ort ist?
Das gehört dazu. Ich habe für Kinder immer wieder Autogrammkarten da. Manchmal lassen auch welche ein Trikot zum Unterschreiben im Forsthaus. Aber wer glaubt, dass Manuel Neuer ein Bier ausschenkt oder Zimmer putzt, der hat sich geschnitten. Ich stehe ja auch nicht im Tor. Jeder hat seine Aufgaben.

Wir hätten das Essen verschenken können und es hätten immer noch welche geschimpft

In der ersten Saison hatten Sie ziemlich mit Kritik an den vermeintlich zu hohen Preisen zu kämpfen. Die Debatte ist verstummt, oder?
Sie ist genauso schnell verschwunden, wie sie gekommen ist. Das ist für mich ein großer Beweis dafür, dass nicht die Preise das Problem waren. Wenn im Internet aus einer anonymen Ecke heraus jemand zu stänkern anfängt, springen andere auf. Auf Bairisch sagt man: Morgen treiben sie eine andere Sau durchs Dorf. Wir hätten das Essen verschenken können und es hätten immer noch welche geschimpft. Ich habe meine Hausaufgaben gemacht und die Preise mit dem Spitzingsee und anderen Hütten in der Region verglichen: Wir waren teilweise deutlich unter den Preisen von anderen. Was wir dennoch nach zwei Wochen geändert haben, um Druck aus der Situation zu nehmen, war der Bier-Preis. Wir liegen bei 4,90 Euro für die Halbe. Das ist niedriger als in den meisten anderen Berghütten, davor war der Preis gleich.

Anzeige für den Anbieter Facebook Reel über den Consent-Anbieter verweigert

Die Mehrwertsteuer auf Speisen sinkt: Das bedeutet es für die Preise

Die Mehrwertsteuer auf Speisen ist zum 1. Januar auf sieben Prozent gesenkt worden, ändern Sie die Preise?
Bei uns kommt es bei Weitem nicht nur auf die Mehrwertsteuer an, sondern vor allem auf die Lohnkosten. Wir haben sieben Tage die Woche geöffnet und das durchgehend von 1. Mai bis 31. Dezember. Zudem wollen wir nächstes Jahr noch mehr dem Erbe des Forst- und Jagdhauses gerecht werden und auf der Speisekarte mehr Wildprodukte anbieten: Hirsch, Gams, Reh. Alles, was heimisch in den Wäldern unterwegs ist. Das sind extrem hochwertige Lebensmittel. Mehr Bio als ein Wildtier geht nicht. Und das kostet natürlich mehr als ein Schwein aus Massentierhaltung. Wir kaufen nur das Nötigste im Großhandel und legen großen Wert auf regionale Produkte. Es wird Gerichte geben, die im Preis gleich bleiben oder vielleicht etwas billiger werden. Aber es wird auch Gerichte geben, die neu kalkuliert werden müssen.

Schnaufen Sie jetzt erstmal durch oder haben Sie schon Pläne für die dritte Saison?
Wir sind schon voll in der Planung. Neben der Verfeinerung der Speisekarte hin zu noch mehr Wild wollen wir das Tagungs- und Veranstaltungsangebot erweitern. Veranstaltung bedeutet nicht Event, wir denken nicht an Partys oder Festivals. Sondern zum Beispiel an Tagungen und Incentives. Erst können die Gäste den Konferenzraum nutzen, im Anschluss zum Radlfahren oder Wandern gehen, abends kehren sie ein und dann übernachten sie bei uns. Wichtig für uns sind auch Taufen, Hochzeiten und Familienfeiern.

Fußballstar Manuel Neuer (r.) mit Johannes Rabl.
Fußballstar Manuel Neuer (r.) mit Johannes Rabl. © Forsthaus Valepp

Haben Sie einen Wunsch für die nächste Saison?
Der Wunsch ist, dass wir einfach ein Jahr lang ohne Schwierigkeiten oder Schäden unseren Job machen können. Das reicht mir.

Welchen Gast würden Sie sich wünschen?
Jeder ist bei uns willkommen. Wir haben keine Location für irgendwelche VIPs eröffnet, sondern einen Gasthof für jedermann. Deswegen wünsche ich mir zufriedene und treue Gäste. Was sie beruflich machen, ist mir vollkommen wurscht.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.