Waldsterben 2.0: Sind die Bäume im Freistaat noch zu retten?

Den Bäumen im Freistaat setzen Hitze, Trockenheit und Schädlinge erheblich zu. Sind sie noch zu retten? Die Prognosen der Forstexperten.
| R. Müller
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Baumkronen abgestorbener Fichten im Bayerischen Wald. Nicht nur im Osten des Freistaats leiden die Bäume.
imago Baumkronen abgestorbener Fichten im Bayerischen Wald. Nicht nur im Osten des Freistaats leiden die Bäume.

Wenn 2019 wieder so ein heißes und trockenes Jahr wie 2018 wird, stehen große Teile der bayerischen Wälder vor einer Katastrophe, die das Waldsterben der 80er Jahre noch übertreffen könnte. Das sagt der Wald- und Jagdreferent vom Bund Naturschutz (BN) in Bayern, Ralf Straußberger.

Die regierungsamtliche Einschätzung der Lage in den Wäldern ist kaum weniger dramatisch. "Der Zustand der bayerischen Wälder ist ausgesprochen kritisch", sagt der Sprecher des Landwirtschafts- und Forstministeriums, Peter Issig.

Schon das Dürrejahr 2018 hat den Waldbäumen enorm zugesetzt. Besonders schlecht mit diesem Klima kommen Kiefern und Fichten aus und diese wiederum in den trockenen Gebieten Frankens und der nördlichen Oberpfalz. Im Raum Mittelfranken stürben ganze Fichten-Bestände ab, hat BN-Waldreferent Straußberger beobachtet: "Wir stehen vor einem Waldsterben 2.0".

Folge: Waldbesitzer zahlen fürs Totholz auch noch drauf

Begleitet werden die Trockenschäden vom Befall mit dem Pilz Sphaeropsis sapinea, verschiedener Borkenkäferarten und der Kiefernprachtkäferarten Phaenops cyanea und Phaenops formaneki. Eine riesige Borkenkäferarmada hat sich über die geschwächten Fichten im Freistaat hergemacht. Buchdrucker und Kupferstecher, so das Forstministerium, hätten große Populationen aufgebaut. Was das bedeutet, erfährt der Waldbesitzer Straußberger aus nächster Umgebung: Die Holzpreise rauschen in den Keller.

Waldbesitzer, die das Totholz ordnungsgemäß beseitigen wollen, müssten oft auch noch draufzahlen. "Es gibt Waldbesitzer, die aufgegeben haben", so Straußberger.

Das Forstministerium beziffert die allein 2018 durch den Käferbefall aufgelaufene Schadholzmenge auf 4,5 Millionen Kubikmeter.

Schuld ist der Klimawandel

Bei der Ursachenforschung für die dramatische Entwicklung gibt es kaum Unterschiede zwischen Forstbehörden und Naturschützern: Schuld ist der vom Menschen verursachte Klimawandel. "Wir müssen mit einer weiteren Verschärfung der Situation rechnen", so das Forstministerium.

Wenn es nicht gelinge, den Temperaturanstieg auf die in den Pariser Klimazielen vereinbarten zusätzlichen zwei Grad Celsius zu begrenzen, werde man sich in Deutschland von den Wäldern in ihrer bisherigen Gestalt verabschieden müssen, sagt BN-Waldreferent Straußberger.

Nahezu alle heimischen Waldbaumarten müssten dann einer mediterranen Vegetation Platz machen. Alternativen zu den besonders bedrohten Baumarten Kiefer und Fichte könnten Buchen, Eichen und Weißtanne sein, aber auch die stehen unter Stress. Schäden an der Eiche werden derzeit vor allem durch Schwammspinner und Eichenprozessionsspinner sowie durch den Eichenprachtkäfer beobachtet.

Der Wald muss umgebaut werden, sagen die Experten

Die Buche zeigt nach Angaben des Ministeriums Trockenschäden. In Ober- und Mittelfranken leiden Tannen unter Tannenborkenkäferarten und dem Befall durch den Tannenrüsselkäfer als Folge der Dürre. "Darüber hinaus", so das Forstministerium, "treten landesweit Schäden an den verschiedenen Nebenbaumarten auf, diese sind ursächlich direkt auf die Dürre zurückzuführen oder werden von Schadorganismen, Insekten und Pilzen verursacht, die von der Dürre profitiert haben."

Neben der Bekämpfung der Klimaerwärmung propagieren die Forstexperten vor allem den Waldumbau.

Das ist leichter gesagt als getan, wenn zum Beispiel gepflanzte Tannen durch zu hohe Schalenwildbestände wieder dezimiert werden, sagt Straußberger. Privaten Waldbesitzern fehle zudem oft das Geld für den aufwendigen Umbau, zumal sie durch den Verkauf von Schadholz immer weniger einnehmen. 54,2 Prozent des Waldbestands in Bayern befindet sich im Privatbesitz, 30,1 Prozent gehören dem Freistaat und 13,5 Prozent Kommunen. Der Bund nennt 2,2 Prozent der Waldfläche Bayerns sein Eigen.

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