"Vom Publikum immer sehr geschätzt": Fastnacht in Franken mit großem Verlust
Die Altneihauser Feierwehrkapell’n hört bei der Fastnacht in Franken auf. Nach 20 Jahren macht die Musiktruppe aus der Oberpfalz Schluss bei der Kultsendung vom Bayerischen Fernsehen. Wie der Sender mitteilte, werde die Kombo bei der Sendung am 6. Februar ein letztes Mal dabei sein. Es sei an der Zeit, Jüngeren Platz zu machen, sagte Kommandant und Gruppen-Gründer Norbert Neugirg.
2006 zum ersten Mal dabei
Die 1985 gegründete Altneihauser Feierwehrkapell’n stammt aus dem Raum Windischeschenbach in der Oberpfalz. Sie war 2006 erstmals zu der Kultsendung eingeladen. In den Folgejahren wurde die Kombo zum festen Bestandteil der Fastnacht in Franken. "Sie geben nach 20 Jahren bei Fastnacht in Franken auf, ihren Oberpfälzer Spott über unser schönes Frankenland und den Frankenwein auszuschütten", sagte die Leiterin von BR Franken, Anja Miller.

Kommandant Neugirg verabschiedet sich laut BR mit einem Reim: "Zwanzig Jahre anzuecken im Frankenfastnacht-Haifischbecken, grub sich in die Gesichter ein, genauso wie der Frankenwein. Die Altneihauser Feierwehrkapell’n muss sich ihrem Alter stell’n und wird bei Fastnacht in Franken zum letzten Mal durchs Fernsehn wanken."
Mit diesem Lied vergreift sich die Kapelle nach Ansicht vieler im Ton
Apropos anecken: Ein – damals zum Teil heftig kritisierter – Auftritt im Jahr 2018 bleibt bis heute unvergessen. Denn damals hatte sich die "Feierwehrkapell’n" mit ihren Frotzeleien aus Sicht vieler Zuschauer im Ton vergriffen. Die Feuerwehrtruppe um Neugirg hatte damals bei dem besagten TV-Auftritt auch über den Altersunterschied zwischen Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und seiner 24 Jahre älteren Ehefrau Brigitte gelästert – die Oberpfälzer bezeichneten die Französin dabei zur Melodie des Schlagers "Pigalle" von Bill Ramsey über das Pariser Vergnügungsviertel als "gut eingefahr’nen Schlitten", "gut abgehang’ne Dame" und singen: "Brigitte, Briggte, du bist die schärfste alte Hütte".
Dieser Teil ihres Auftrittes in 2018 wurde damals von Buh-Rufen aus dem Saal begleitet. Der Beitrag löste über die Region hinaus eine Debatte um die Grenzen von Witzen zur Faschingszeit aus. Die Landtagsgrünen schreiben in einem Offenen Brief an den damaligen BR-Intendanten Ulrich Wilhelm, die "sexistischen und altersdiskriminierenden Äußerungen" seien für sie "nicht hinnehmbar".
Der BR kündigte damals an, dass sich die zuständige Redaktion im kommenden Jahr noch genauer mit dem Fastnacht-Verband und den Künstlern im Vorfeld abstimmen werde. Falls es zu Irritationen bei den Zuschauern gekommen sei, bedauere man dies ausdrücklich.
Der BR will sich nicht mehr äußern
Heute, acht Jahre später, äußert sich der BR auf AZ-Anfrage nicht mehr dazu, damals sei alles gesagt worden. Jetzt wird die Altneihauser Feierwehrkapell’n also ein letztes Mal bei der Fastnacht in Franken auf der Bühne stehen. Die Kapelle hat bis heute zahlreiche Fans – ohne sie sei die Fastnacht in Franken eigentlich kaum vorstellbar, sagen viele. Die Truppe lässt alljährlich kein gutes Haar an den Franken und dem Frankenwein – und gilt auch noch nach 20 Jahren als eine Attraktion der Sendung mit Millionen Zuschauern.
Nun heißt es langsam Abschied nehmen. "Das Publikum hat die Auftritte der Altneihauser immer sehr geschätzt, genau wie der Fastnacht-Verband Franken und der Bayerische Rundfunk", sagte Norbert Küber, Leiter der BR-Fastnachtredaktion, der AZ.

"Alle gemeinsam bedauern, dass die schräge Truppe aus der Oberpfalz nun zum letzten Mal auftreten wird." Mit dem Abschied gehe nach 20 Jahren "eine Ära" zu Ende. "Gleichwohl respektieren sowohl der Verband als auch der BR den Wunsch der Kapelle, dann aufzuhören, wenn’s am schönsten ist."
Letzter Auftritt am 6. Februar
Die rund dreieinhalbstündige Kultsendung aus Veitshöchheim geht am 6. Februar über die Bühne und ist ab 19 Uhr live im BR zu sehen. Dabei sind Komiker wie Bauchredner Sebastian Reich aus Würzburg, Martin Rassau und Volker Heißmann von der Comödie Fürth oder Michl Müller aus der Rhön.
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