73 Zellen, Stacheldraht, Spielzeug-Werkstatt: Bayerns wohl außergewöhnlichste Immobilie sucht Käufer

Bayern will ein Gefängnis loswerden. Warum der Freistaat die JVA in Neuburg an der Donau Immobilie verkaufen will - und was sie bietet.
AZ/dpa |
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Der Freistaat will das ehemalige Gefängnis in Neuburg ann der Donau verkaufen.
Der Freistaat will das ehemalige Gefängnis in Neuburg ann der Donau verkaufen. © Sven Hoppe/dpa
Neuburg an der Donau

Eine ganz besondere Immobilie soll in Kürze in Oberbayern zum Verkauf stehen. Der Freistaat will das ehemalige Gefängnis in der historischen Altstadt von Neuburg an der Donau veräußern. In den nächsten Wochen solle die Immobilie offiziell ausgeschrieben werden, teilte das staatliche Unternehmen Immobilien Freistaat Bayern mit. Mehrere Medien hatten darüber berichtet. 

Erste Interessenten schon vor der Ausschreibung 

Noch gebe es kein laufendes Bieterverfahren, hieß es. Auf die Medienberichte hin hatten sich aber schon Interessenten gemeldet - ohne dass konkrete Summen genannt wurden.

Derzeit werde Objekt noch begutachtet. Dabei gehe unter anderem um die genaue Quadratmeterzahl sowie Denkmalschutzschutzvorgaben. Auch die Zahl der Zimmer ist noch unbekannt. 

Manchen Zellen haben Blick auf die Altstadt.
Manchen Zellen haben Blick auf die Altstadt. © Sven Hoppe/dpa

Klar ist so viel: Die Liegenschaft umfasst drei historische Gebäude aus unterschiedlichen Epochen, darunter die Werkstatt, in der die Häftlinge laut Bayerischem Rundfunk Spielzeugautos herstellten. Dafür genutzt wurde die ehemalige Hofreitschule der Wittelsbacher aus dem Jahr 1577. Sogar eine Kapelle gibt es in dem Gefängnis. 

Hinter Gittern 

Noch erinnern vergitterte Fenster, Gittertüren an den Fluren und Stacheldraht am Hof daran, dass hier nicht jeder ein und aus gehen konnte, wie er wollte. Die Einzel- und Gemeinschaftszellen mit Platz für insgesamt 73 Häftlinge wirken spartanisch - immerhin haben manche Blick auf die Altstadt. 

Gitter erinnern überall daran, dass hier nicht jeder gehen wollte, wenn er wollte.
Gitter erinnern überall daran, dass hier nicht jeder gehen wollte, wenn er wollte. © Sven Hoppe/dpa

Im vergangenen Jahr war die Justizvollzugsanstalt (JVA) geschlossen worden, weil sie nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden konnte, wie es hieß. Eine Prüfung habe ergeben, dass "der Weiterbetrieb der JVA Neuburg a.d. Donau im Rahmen eines zeitgemäßen Gesamtkonzepts für den bayerischen Justizvollzug sowie einer sparsamen Haushaltsführung nicht sinnvoll ist", teilte das Justizministerium mit. Es habe einen "erheblichen Sanierungs- und sonstigen Investitionsbedarf" gegeben, erschwert durch die beengte Innenstadtlage und denkmalschutzrechtliche Vorgaben.

Kosten für Sanierung und Unterhalt offen 

Welche Kosten für Unterhalt und Sanierung konkret auf einen künftigen Käufer zukommen könnten, blieb offen. Derzeit zahlt der Freistaat den laufenden Unterhalt.

Die Zellen wirken eher spartanisch.
Die Zellen wirken eher spartanisch. © Sven Hoppe/dpa

Das Objekt soll auf der Seite der Immobilien Freistaat Bayern sowie gängigen Immobilienportalen ausgeschrieben werden. Nähere Informationen zu Fristen, Verfahrensmodalitäten, Auswahlkriterien und Rahmenbedingungen soll es erst dann mit der Veröffentlichung des Exposés geben, hieß es. 

Wird daraus ein Hotel?

Ob eine bestimmte Nutzung bevorzugt oder Nutzungsarten ausgeschlossen werden, soll unter anderem mit der Stadt und dem Freistaat beraten werden. Eine Verpflichtung, dem höchsten oder einem bestimmten Gebot den Zuschlag zu erteilen, bestehe nicht, unterstrich die Immobilien Freistaat Bayern. Maßgeblich seien die im Exposé dargestellten Rahmenbedingungen und Kriterien - die nun mit Spannung erwartet werden. Spekuliert wurde in den Medien bereits, ob aus dem Knast ein Hotel werden könnte. 

Es ist nicht die erste JVA, die mittlerweile anders genutzt wird. Das Alte Gefängnis Freising etwa ist heute ein Schauplatz für Kultur. Es beherbergt unter dem Dach eines Fördervereins unter anderem ein Museum und eine Weinstube und wird für Theater und andere Veranstaltungen genutzt.

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  • JerryH vor 34 Minuten / Bewertung:

    Davon glaube ich kein Wort. Der Beweis liegt alleine schon dass man angeblich nicht einmal weiß was die Instandhaltung kostet.
    Die Lügen und Unfähigkeiten unserer Regierungen wird von mal zu mal schlimmer.
    Höchste Zeit für einen hoffentlich baldigen blauen Wechsel. Ist ja nur das Geld 💰 🤑 💸 💰 vom Bürger.

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  • Gelegenheitsleserin vor 22 Minuten / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von JerryH

    @JerryH

    Ich kann ihre Empörung nicht nachvollziehen.
    Dass man nicht weiß, wie hoch die Kosten für Unterhalt und Sanierung für einen künftigen Käufer sein werden, ist doch ganz logisch - denn die hängen davon ab, wie er die Immobilie nutzen wird.

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