Durchnässt, verletzt, gestürzt: 27 Menschen aus Bergnot gerettet
Sommer ist vor allem in Bayern auch Wanderzeit, doch nicht immer geht der Ausflug in die Berge glimpflich aus. Sei es, weil einem plötzlich die Kraft ausgeht oder man sich im Gebirge verletzt und zu Fuß nicht mehr weiterkommt. Oder weil das Wetter dazwischen funkt.
Die zurückliegenden Tage waren für die Bergwacht Ramsau im Berchtesgadener Land arbeitsreich. In rund einer Woche mussten die ehrenamtlichen Helfer 27 Menschen in Bergnot retten. Allesamt vom Watzmann, Hochkalter und von der Reiteralpe.
Der BRK-Kreisverband Berchtesgadener Land teilt dazu mit: "Einsatzschwerpunkt war wie in der Hochsaison der Vorjahre erneut die Watzmann-Überschreitung." Warum? "Aufgrund der großen Höhendifferenz, des weiten Wegs und des alpinen Charakters" kämen "weniger erfahrene, nicht so trittsichere, nicht schwindelfreie und konditionsschwächere Bergsteiger, insbesondere im Abstieg über die Südspitze" an ihre Grenzen. Oft auch spät in der Nacht müssten dann die Bergretter anrücken.
Dank an Retter: "Absoluter Respekt"
Für die Bergretter gibt es in sozialen Medien dafür viel Zuspruch. Unter dem Einsatzbericht wird zum Beispiel kommentiert: "Man kann gar nicht genug Danke sagen für das, was ihr leistet. Allerhöchsten Respekt und kommt immer gesund wieder nach Hause!"

Ein anderer schreibt: "Vielen Dank an alle Retter. Bei diesen vielen Einsätzen muss man sich fragen, wie lange die Ehrenamtlichen das noch stemmen können. Sie müssen ja auch noch Familie, Arbeit und die Ausbildung als Bergwachtler alles unter einen Hut bekommen. Absoluter Respekt."
Die ehrenamtlichen Retter haben die zurückliegenden Fälle aufgeschlüsselt. Die AZ greift einige Fälle beispielhaft heraus: Am Freitag (10. Juli) etwa stürzte ein Oberbayer (60) am Einstieg des Klettersteigs zum Wagendrischelhorn auf der Reiteralpe rund 35 Höhenmeter ab. Er wurde zunächst von anderen Bergsteigern versorgt und dann ins Klinikum Traunstein geflogen. Er sei verletzt, aber wieder ansprechbar gewesen.
Steinschlag und verletzte Sprunggelenke
Am Nachmittag verletzte sich eine Bergsteigerin aus Niedersachsen am Goldbründl im Südspitz-Abstieg am Sprunggelenk. Auch sie wurde von der Bergwacht ins Tal geflogen.
Am Folgetag brachen sich gleich zwei Personen am Hochkalter und auf der Reiteralpe das Sprunggelenk, ein Unterfranke (58) und eine Oberbayerin (55).

Auch Steinschlag löste Rettungseinsätze aus. Wie die Helfer berichten, brauchten am Sonntag (12. Juli) vier Bergsteiger aus Oberbayern Hilfe und mussten mit der Winde aus der Rinne von der Blaueisscharte gerettet werden. Sie waren rund 100 Meter unterhalb des Kreuzes nach einem Steinschlag aufs Knie und einem Sturz auf den Rücken nicht mehr weitergekommen.
Am Montag (13. Juli) traf ein Steinschlag eine Kletterin aus Oberbayern am Handgelenk.
Eine Radfahrerin (62) aus Baden-Württemberg brauchte zudem Hilfe, weil sie zwischen der Wimbachbrücke und der Schapbachalm gestürzt war. Auch am Dienstag (14. Juli) verletzten sich in den Bergen drei Menschen. Am Fuß, am Handgelenk und am Sprunggelenk.
Elf Bergretter bis 3.30 Uhr im Einsatz
Ein Einsatz bis tief in die Nacht folgte am 16. Juli. Drei Tschechen, bereits unterkühlt und dehydriert, waren kurz nach 23 Uhr in ein Gewitter am Watzmann geraten. Allerdings gestaltete sich die Ortung schwierig, weil sie kein Handynetz hatten. Zwischen zwei Gewittern wagten die Retter den Einsatz, "wobei elf Bergretter bis 3.30 Uhr im Einsatz waren und den Heli mit dem Kerosinanhänger am Sportplatz nachtankten", heißt es im Einsatzbericht.
In der Nacht auf Sonntag (19. Juli) wurde es nach einer Watzmann-Überschreitung für einen Oberfranken kritisch. Er sei "komplett erschöpft" gewesen. Die Gruppe aus vier Personen sei bereits um 6 Uhr morgens vom Parkplatz losmarschiert, "aber erst um 14 Uhr am Hocheck in die Überschreitung eingestiegen und hatte dann kurz nach 22.30 Uhr am Goldbründl den Notruf gewählt".
Vierköpfige Familie völlig durchnässt
Zu Fuß machten sich drei Bergretter zu ihnen auf, für die Erstversorgung. Der Erschöpfte wurde vom Berg geflogen. Der Rest der Truppe konnte noch gehen und stieg mit der Bergwacht ab. Auch dieser Einsatz dauerte bis 2.30 Uhr.
Weiter ging es bereits am Sonntagnachmittag (19. Juli), eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern (10 und 12) war vom Starkregen erwischt worden und völlig durchnässt. Sie kamen im Abstieg von der Reiteralpe "aufgrund des nassen Untergrunds an der ausgesetzten Querung" nicht mehr weiter. Acht Bergretter kamen der unverletzten Familie zur Hilfe.
Appell für Watzmann-Wanderungen
Angesichts der vielen Rettungseinsätze in kurzer Zeit hat der Bereitschaftsleiter Michael Renner einen Appell: "Eine lückenlose Tourenplanung ist für ortsunkundige Alpinisten am Watzmann unerlässlich. Beim Einstieg in die Gratüberschreitung auf dem Hocheck ist unbedingt eine Go/NoGo-Entscheidung zu treffen, bei der die bisher für den Aufstieg benötigte Energie und Zeit gute Anhaltspunkte sind, bei der aber auch die aktuell von Gewittern und Starkregen geprägten Wetterverhältnisse eine entscheidende Rolle spielen." Der Watzmann ist mit 2713 Metern der höchste Berg im Berchtesgadener Land.
Der Deutsche Alpenverein gibt auf seiner Seite Tipps zu Touren und Bedingungen für eine Watzmann-Überschreitung: https://www.alpenverein.de/artikel/sicher-auf-den-watzmann_e3022d18-3127-4cc2-bb9e-f3c816b2cab0
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