Verkehr zu Corona-Zeiten: Weniger Unfälle, aber mehr Raser

Wegen des Lockdowns sind die Straßen im Freistaat derzeit deutlich leerer als sonst. Was so manchen Autofahrer dazu verlockt, das Gaspedal durchzutreten. Manche verlieren dabei jegliches Maß.
| dpa
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Eine Blitzsäule (PoliScan red+speed) mit kombinierter Überwachung von Rotlicht und Geschwindigkeit steht an einer Ampelkreuzung in der Innenstadt in Nürnberg. Foto: Daniel Karmann/dpa/Archivbild
dpa Eine Blitzsäule (PoliScan red+speed) mit kombinierter Überwachung von Rotlicht und Geschwindigkeit steht an einer Ampelkreuzung in der Innenstadt in Nürnberg. Foto: Daniel Karmann/dpa/Archivbild

München (dpa/lby) - 80 Stundenkilometer sind erlaubt, doch das Motorrad schießt mit 229 Sachen an der Radarkontrolle vorbei. Der Raser, der auf der Bundesstraße 300 bei Gachenbach (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) geblitzt wurde, ist einer der traurigen Spitzenreiter der vergangenen Wochen. Doch er ist längst nicht der einzige, der zu schnell unterwegs ist. Die Polizei registriert zwar wegen der Ausgangsbeschränkungen deutlich weniger Verkehr auf den Straßen und damit auch eine geringere Zahl von Temposündern. Der Anteil der Geschwindigkeitsverstöße - vor allem mit hohen Limitüberschreitungen - ist in mehreren Regionen jedoch gestiegen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur zeigt.

Wettrennen registrieren die Beamten jedoch nicht vermehrt, auch wenn viele Raser die deutlich leereren Autobahnen nutzen, um ihr Auto oder Bike mal so richtig auszufahren. Doch auch vor untergeordneten Straßen machen Temposünder nicht halt: In Unterfranken sind vor allem die Staatsstraßen betroffen, auch das Präsidium Oberbayern Süd verzeichnet nur einen kleineren Teil der Verstöße auf den Autobahnen.

Dagegen gab es im Stadtgebiet von Rosenheim gleich mehrere Negativ-Rekorde: Ein 21-Jähriger raste mit 140 statt der erlaubten 50 Stundenkilometern in die Kontrolle, kurz drauf folgten zwei weitere Fahrer mit je 110 Sachen. Ein vierter wurde auf einer Ausfallstraße mit 170 statt der erlaubten 70 Stundenkilometern erwischt.

Nahezu unisono berichten die befragten Polizeipräsidien, dass besonders die schweren Geschwindigkeitsverstöße zugenommen haben. So stieg der Anteil derjenigen, die im Bereich Schwaben Nord ein Fahrverbot kassierten, in den ersten beiden Wochen der Ausgangsbeschränkungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 5,2 auf 7,6 Prozent. "Für derart unverantwortliches und häufig lebensgefährliches Verhalten fehlt uns jegliches Verständnis. Das sind keine Kavaliersdelikte", betonte ein Sprecher des Verkehrsministeriums.

Bessere Nachrichten gibt es da vom Gesamtanteil der zu schnell Fahrenden: So liegt der Anteil der Bleifüße an allen Kontrollierten etwa in Unterfranken, Oberfranken, dem nördlichen Teil Oberbayerns oder dem nördlichen Schwaben auf ähnlichem Niveau wie im Vorjahr. Die Präsidien Mittelfranken und Oberbayern Süd berichten hingegen von leichten Anstiegen. So lag die "Beanstandungsquote" zwischen Garmisch und Berchtesgaden zwischen dem 22. März und dem 19. April bei 3,1 Prozent - im Vorjahr waren es 2,1 Prozent.

Unterm Strich jedoch wurden laut Verkehrsministerium zwischen dem 15. März und dem 15. April absolut betrachtet weniger Temposünder registriert. "Auch die Anzahl der dabei angeordneten Fahrverbote ist deutlich um rund 30 Prozent zurückgegangen."

Und eine weitere positive Entwicklung zieht sich durch den gesamten Freistaat: Es gibt weniger Unfälle, sowohl mit Blech- als auch mit Personenschäden. "Laut ersten Statistikauswertungen ist im März 2020 ein deutlicher Rückgang der Geschwindigkeitsunfälle in Bayern um rund 40 Prozent feststellbar. Auf den bayerischen Autobahnen ist die Zahl der Geschwindigkeitsunfälle gegenüber März 2019 sogar noch stärker zurückgegangen und hat sich nahezu halbiert", heißt es aus dem Verkehrsministerium.

In einzelnen Regionen sind die Zahlen gar noch besser: Im nördlichen Oberbayern etwa sank die Zahl der Unfälle um mehr als die Hälfte, es gab 59 Prozent weniger Verletzte. Im nördlichen Schwaben registrierten die Beamten zumindest in den ersten beiden Wochen der Ausgangsbeschränkungen fast 60 Prozent weniger Unfälle und 72 Prozent weniger Verletzte.

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