Absturz einer Wirtschaftsikone: Der Fall des Baywa-Chefs Lutz

Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen den 67-jährigen Klaus Josef Lutz. Am Freitag hat die einstige Baywa-Größe auch sein Amt bei der IHK niedergelegt. Was sein Anwalt mitteilt.
Ralf Müller |
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Klaus Josef Lutz im Jahr 2022. Der frühere Baywa-Chef steht im Fokus von Ermittlungen zur Krise des Agrarhandelskonzerns.
Klaus Josef Lutz im Jahr 2022. Der frühere Baywa-Chef steht im Fokus von Ermittlungen zur Krise des Agrarhandelskonzerns. © Peter Kneffel/dpa

Es wird eng um den ehemals gefeierten Vorstandsvorsitzenden des Agrarhandelskonzerns Baywa, Klaus Josef Lutz. Wie die Staatsanwaltschaft München I auf AZ-Anfrage bestätigte, werden gegen den 67-Jährigen Ermittlungen wegen des Verdachts der Untreue geführt.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurden zudem seine privaten Räumlichkeiten durchsucht.

Der Verdacht einer Straftat trifft eine bayerische Wirtschafts-Ikone. Der Jurist prägte den börsennotierten Baywa-Konzern 15 Jahre lang bis 2023. Er war bis jetzt Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK) sowie der Industrie- und Handelskammer (IHK).

Im Juni 2024 wollte er in den Verwaltungsrat der Sechzger

Im Juni 2024 hatte Lutz vergebens für einen Sitz im Verwaltungsrat des TSV 1860 kandidiert. Am Freitag legte er sein verbliebenes Amt als Präsident der Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern nieder. Damit verliert er auch das Amt als Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags, wie eine Sprecherin sagte. Zudem wird er in der ab April anstehenden nächsten Wahl nicht für ein Mandat in der Vollversammlung kandidieren, wie die IHK mitteilte.

Baywa-Krise: Das sind die Vorwürfe

Lutz und seinem damaligen Vorstand wird die finanzielle Schieflage des Baywa-Konzerns zur Last gelegt, die sich 2024 mit einem akuten Kurseinbruch bemerkbar machte. Trotz Stützungsmaßnahmen der Banken und Verkäufe von Tochtergesellschaften gilt die Krise des Traditionsunternehmens noch längst nicht als ausgestanden.

Die Baywa-Zentrale. Zum Höhepunkt der Krise ächzte der Agrarkonzern unter einer Schuldenlast von 5,5 Milliarden Euro.
Die Baywa-Zentrale. Zum Höhepunkt der Krise ächzte der Agrarkonzern unter einer Schuldenlast von 5,5 Milliarden Euro. © Daniel Karmann/dpa

Im Jahresabschluss 2024 hatte die Baywa AG einen Verlust von 1,6 Milliarden Euro ausgewiesen. Zum Höhepunkt der Krise ächzte der Agrarkonzern unter einer Schuldenlast von 5,5 Milliarden Euro.

Den Jahresabschluss 2023 hat er nicht mehr unterzeichnet

Lutz wechselte 2023 von der Spitze des Konzerns in den Aufsichtsrat, den er Anfang 2024 nach einem Machtkampf verließ. Den Baywa-Jahresabschluss 2023 hatte er nicht unterzeichnet. Bisher hat Lutz jede Verantwortung für die Krise zurückgewiesen. Für die Schieflage des Konzerns machte Lutz unter anderem seinen Nachfolger und ehemaligen Assistenten Marcus Pöllinger verantwortlich. Pöllinger ist wie Ex-Finanzchef Andreas Helber inzwischen BayWa-Geschichte.

"Unser Mandant kooperiert mit den Ermittlungsbehörden"

Der zuletzt amtierende Vorstandsvorsitzende Frank Hiller war vom Aufsichtsrat vor wenigen Tagen abberufen worden. Sein Vertrag wäre noch bis 2028 gelaufen. Der Aufsichtsrat warf Hiller vor, für die Neuaufstellung der Baywa keine ausreichende Strategie entwickelt zu haben.

Die Existenz eines Ermittlungsverfahrens sei seinem Mandanten erst mit der Hausdurchsuchung am vergangenen Mittwoch bekannt, teilte Lutz' Anwalt Gernot Lehr mit: "Zugunsten unseres Mandanten gilt die Unschuldsvermutung. Seit Bekanntgabe des Ermittlungsverfahrens vor zwei Tagen kooperiert unser Mandant mit den Ermittlungsbehörden", so der Rechtsanwalt.

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