Umweltaktivist Felix Finkbeiner: "Der Regenwald brennt jedes Jahr"

Sonst interessiert es nur keinen, sagt Felix Finkbeiner, der als "bayerische Greta Thunberg" gilt. Seine Initiative Plant for the Planet muss sich Kritik gefallen lassen.
| Lisa Marie Albrecht
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Umweltaktivist Felix Finkbeiner.
Sina Schuldt/dpa Umweltaktivist Felix Finkbeiner.

München - Es ist schon gewagt, wenn Felix Finkbeiner die derzeit im Amazonas wütenden Brände "nichts Besonderes" nennt.

Doch der 21-Jährige, der im oberbayerischen Pähl aufgewachsen ist, hat eine Erklärung. "Der Regenwald brennt jedes Jahr", sagt der Gründer der Initiative "Plant for the Planet", die inzwischen das Ziel verfolgt, 1.000 Milliarden Bäume zu pflanzen, im Münchner Presseclub.

Umweltaktivist Felix Finkbeiner.
Umweltaktivist Felix Finkbeiner. © Sina Schuldt/dpa

Normalerweise interessiert sich niemand für die Brände

Sicher, die Brände seien heuer besonders schwerwiegend, räumt er ein. Aber das Problem sei, dass sich normalerweise niemand dafür interessiere. Brasilien brauche ein langfristiges Projekt, um diese Verluste auszugleichen – ob das mit dem derzeitigen Präsidenten des Landes, Jair Bolsonaro zu machen sei, hält Finkbeiner allerdings für fraglich.

Der Student gilt als die "bayerische Greta Thunberg" – oder ist Greta "der schwedische Felix"? Mit gerade mal neun Jahren hielt Finkbeiner ein Referat über den Klimawandel, in dem er vorschlug, dass Kinder in jedem Land der Welt eine Million Bäume pflanzen sollten. "Das war damals wahrscheinlich die größte Zahl, die wir uns vorstellen konnten", erinnert sich Finkbeiner.

Der Rest ist Geschichte: Mit einem kleinen Bäumchen im Schulhof gründete er "Plant for the Planet" – mit der Hilfe seines Vaters, Unternehmer und Club-of-Rome-Mitglied Frithjof Finkbeiner. Nach drei Jahren war der millionste Baum gepflanzt, inzwischen sind es nach Angaben der Organisation 13,6 Milliarden Bäume. Seit 2011 leitet die Initiative die "Billion Tree Campaign" der Vereinten Nationen.

2009 bekommt er die Bayerische Staatsmedaille

Finkbeiner selbst wurde zum Öko-Kinderstar, 2009 erhielt er die Bayerische Staatsmedaille für besondere Verdienste um die Umwelt, mit 13 sprach er vor den Vereinten Nationen. Am Tag der Rede wäre er lieber in der Schule gewesen, so groß war die Aufregung, erzählt Finkbeiner. Heute promoviert er nach einem Bachelor in Internationalen Beziehungen im Department für Umweltsystemwissenschaften an der ETH Zürich.

Nach eigenen Worten ist er ein glühender Thunberg-Fan: "Greta hat viel mehr erreicht, als wir uns in zwölf Jahren erträumt hätten", schwärmt der Umwelt-Aktivist. Mit den "Fridays for Future"-Demos, zu denen auch viele Mitglieder seiner Organisation regelmäßig gingen, habe man "genau die richtige Menge Provokation" gezeigt. Falls sich Finkbeiner ärgert, dass er selbst immer brav zur Schule ging – und deswegen vielleicht nicht ganz so viel mediales Echo erhielt wie Thunberg – lässt er es sich nicht anmerken.

Wie er es denn selbst mit dem Klimaschutz halte? Vegetarier sei er und versuche, soweit möglich, aufs Fliegen zu verzichten.

Finkbeiners Initiative und er selbst stehen jedoch in der Kritik. "Die Zeit" stellte heuer in einem Artikel Zahlen in Frage: "Plant for the Planet" wirbt damit, dass es drei Billionen Bäume auf der Erde gebe und beruft sich dabei auf eine Zählung der ETH Zürich, wo der 21-Jährige nun studiert. Es sei Platz für 1000 Milliarden weitere, so die Schlussfolgerung.

Schmückt er sich mit fremden Federn? "Schwachsinn", sagt er

Im Bericht der "Zeit" erklärt dessen Autor, dass diese Zahl fragwürdig sei. Zudem stamme ein Großteil der Bäume des Online-Baumzählers aus einem alten UN-Projekt für staatliche Aufforstung. Ob sich Finkbeiner dazu verleiten lassen habe, sich mit fremden Federn zu schmücken? "Schwachsinn", sagt er der AZ. Man sei von Anfang an transparent damit umgegangen, dass man mit der UN zusammengearbeitet habe. Für einige "Luftbuchungen" im Zähler – etwa einen Testeintrag der IT-Abteilung, dem zufolge die "Willy Wonka Chocolate Factory" über 400.0000 Bäume gepflanzt haben soll –, und die "Plant for the Planet" zunächst nicht löschte, entschuldigt sich Finkbeiner. Dann ist die Sache für ihn erledigt. So ganz ernst, entsteht der Eindruck, nimmt er die Kritik nicht, passt schon, ist doch für die gute Sache.

Und das stimmt ja auch. Die Bäume – es brauche vor allem Mischwälder, die seien am wenigsten anfällig – funktionierten wie ein "Zeitjoker" für den Klimawandel, hatte Finkbeiner es einmal erklärt. Und er wiederholt mehrmals die vielleicht wichtigste Botschaft: "Mit Bäumen allein können wir die Klimakrise nicht lösen".

Denn genügend Bäume, um den derzeitigen CO2-Ausstoß quasi "wezuforsten", kann auch Finkbeiner nicht pflanzen.

Lesen Sie hier: Hansi Hinterseer ist Fan von Greta Thunberg

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