Umfrage: So viele Bayern wollen den dritten Nationalpark

Sowohl im Norden als auch im Süden Bayerns befürwortet einer Umfrage zufolge eine Mehrheit der Bevölkerung vor Ort neue Naturwälder. Die Grünen möchten die Sache wieder antreiben.
| Ruth Schormann
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Das Graswangtal in den Ammergauer Alpen: Viele Anwohner wünschen sich dort einen weiteren bayerischen Nationalpark, zeigt eine Umfrage.
Das Graswangtal in den Ammergauer Alpen: Viele Anwohner wünschen sich dort einen weiteren bayerischen Nationalpark, zeigt eine Umfrage. © imago images/imagebroker

München - Die Welt verliert ein Juwel, Bayern einen Klimawald und die Menschen vor Ort eine riesige Chance." Das sagt Florian Tully vom Verein Nationalpark Steigerwald über die Auswirkungen einer Ablehnung eines dritten bayerischen Nationalparks im fränkischen Steigerwald.

Die Grünen greifen das Thema nun also wieder auf und wollen einen Bewusstseinswandel in der bayerischen Bevölkerung ausgemacht haben - hin zum Wunsch, mehr für den Pflanzen- und Artenschutz im Freistaat zu tun, wie Fraktionsvorsitzender Ludwig Hartmann gestern bei der Vorstellung der "Nationalparkstudie 2020 für Steigerwald und Ammergebirge" sagte. Diese Befragung von Menschen in den potenziellen Nationalparkgebieten haben die Grünen gemeinsam mit zwei Nationalparkfördervereinen vom Meinungsforschungsinstitut "Brand Support" durchführen lassen.

1970 gegründet: Bayerischer Wald Deutschlands erster Nationalpark

Das Ergebnis: Eine breite Mehrheit aus allen Altersgruppen ist dafür, 81 Prozent der Befragten im Ammergebirge und 75 Prozent im Steigerwald. Mehr als 1.000 Bürger aus Stadt und Landkreis Bamberg, Schweinfurt und Haßberge beziehungsweise dem Ostallgäu, Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau sind dabei befragt worden.

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Der Widerstand wird über die Jahre immer geringer, wie Vergleiche mit - damals noch niedrigeren - Zustimmungswerten aus den Jahren 2014 und 2016 zeigen.

Noch vor Berchtesgaden war 1970 im Bayerischen Wald Deutschlands erster Nationalpark gegründet worden. Seit Jahren gibt es Forderungen, die Buchenwälder im Steigerwald ebenfalls als Nationalpark auszuweisen.

Idee von Nationalparks ein "ökologisches Relikt aus dem letzten Jahrtausend"?

2018 hatte Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Pläne für einen weiteren Nationalpark eine Absage erteilt. Im Koalitionsvertrag mit den Freien Wählern ist festgelegt, dass es bis 2023 keinen weiteren Park geben soll. "Die Idee von Nationalparks ist ein ökologisches Relikt aus dem letzten Jahrtausend", kommentierte sodann am Montag auch FW-Fraktionschef Florian Streibl das neuerliche Bestreben.

Damit wollen sich die Grünen als auch die Vereine und viele Naturschutzverbände, darunter der LBV, der sich sehr über die breite Mehrheit in der Umfrage freut, nicht zufriedengeben. Hartmann sagt: "Die Umfrage gibt uns Mut und Zuversicht, das Thema wieder zügig aufs Gleis zu setzen, um die Erfolgsgeschichte der beiden Nationalparks fortzuschreiben, und der Verantwortung für Natur und Artenschutz gerecht werden."

Tully: "Flora und Fauna im Steigerwald einzigartig"

Im Steigerwald, so führte Tully aus, ist der zweitgrößte Laubwald Bayerns mit einem großen Anteil an Buchen, die teilweise bis zu 300 Jahre alt sind. Er schwärmt: "Die Flora und Fauna ist einzigartig, etwa 10.000 Arten sollen in Buchenwäldern leben."

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Er sagte: "Die diskutierte Nationalparkfläche ist vollständig im Staatsbesitz und kaum von Verkehrsflächen durchschnitten, es steht also auch rechtlich einer schnellen Ausweisung als Nationalpark nichts im Wege." Dieser würde auch die strukturschwache Region aufwerten.

Hubert Endhardt vom Förderverein Nationalpark Ammergebirge sagte: "Die herausragende Eignung des vorgeschlagenen Suchgebietes mit gut 250 Quadratkilometern zwischen Füssen und Mittenwald zeigt sich im größten geschlossenen Bergmischwaldvorkommen auf Kalk in ganz Deutschland."

Grüne denken an weitere Machbarkeitsstudien

Außerdem finden sich drei natürliche Seen, Sümpfe und Wasserfälle in dem Gebiet. Und natürlich Schloss Neuschwanstein, Schloss Linderhof und das Königshaus am Schachen. Es gebe schon Vorschläge, den hoffentlich künftigen Nationalpark nach Ludwig II. zu benennen, der bekanntlich selbst großer Freund der dortigen natürlichen Abgeschiedenheit war. Ebenso wie im Steigerwald befänden sich im Ammergebirge alle benötigten Flächen bereits im Staatsbesitz.

Die Grünen wollen nun laut Hartmann eventuell weitere Machbarkeitsstudien durchführen lassen, auch, um die Bedeutung für den Tourismus und für die Forschung in den Regionen herauszustellen und mit den Menschen vor Ort weiter ins Gespräch zu kommen, so Hartmann. "Es ist aus Natur-Artenschutzgründen absolut nötig, mindestens einen, sogar zwei, drei oder vier wahrscheinlich. Aber es wird politisch nicht gewollt. Doch die Zustimmung im Land und vor Ort ist da", sagt Hartmann. Laut Tully dürfe die Debatte nicht zum politischen Spielball werden, es sollte um den Naturschutz gehen.

Durch den Druck, den das erfolgreiche Volksbegehren "Rettet die Bienen" auf die Staatsregierung ausgelöst hat, sei "eine gewisses Fundament" geschaffen und weitere Naturwaldflächen ausgewiesen worden. Das ersetze aber keinen dritten oder gar vierten Nationalpark, sagte Hartmann. Die Erfolgsgeschichte der beiden bestehenden Nationalparks in Bayern müsse fortgeschrieben werden.

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